Der EU-Aspirant Montenegro hat den Kampf gegen das Organisierte Verbrechen verstärkt. Foto: BR | Michael Mandlik

Brutaler Bandenkrieg im Urlaubsparadies
Kampf gegen die Mafia in Montenegro

Der Krieg begann wie in einem billigen Groschenroman beschrieben. Wegen eines Streits um 250 Kilogramm Kokain waren sich zwei Mafiaclans – beide aus dem montenegrinischen Küstenort Kotor – in die Haare geraten. Das Ganze eskalierte vor fünf Jahren zu einer blutigen Fehde mit bislang 30 Toten allein in Kotor. Inzwischen bekriegen sich die Mafiamitglieder auf dem gesamten montenegrinischen Territorium und darüber hinaus beinahe in der ganzen Welt – eben dort, wo sie sich gerade immer begegnen. Neben Schießereien auf offener Straße gibt es immer wieder mal auch gezielte Bombenattentate, so wie erst Ende März in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica. Wie der Sprengsatz unter dem Auto eines Clanmitglieds gezündet wurde ist noch nicht ganz raus. Ein unbeteiligter Pförtner am Tatort, einer Tiefgarageneinfahrt im Stadtzentrum, sah das Opfer jedenfalls als Letzter. Er selbst entging Sekunden später nur knapp dem eiskalt geplanten Mordanschlag. Seitdem und mit der Identifikation der völlig zerfetzten Leiche ist er schwer traumatisiert.

Auftragskiller aus dem Ausland

Augenscheinlich engagieren die Mafiabosse, die ihr Geld hauptsächlich mit Drogen und Waffen erwirtschaften, für Ihre gegenseitigen Liquidationen nur Leute, die sich bei sowas auskennen. Um im Vorfeld Spuren zu verwischen, heuern sie mitunter Killer aus dem Ausland an. Diese reisen unmittelbar vor der Tat an, erledigen die Drecksarbeit und sind auch schon wieder weg. Einen solchen Auftragsmörder konnte die montenegrinische Polizei ermitteln – er war in Südafrika angesprochen und entsprechend vermittelt worden. Bislang eher seltene Erfolge der staatlichen Behörden, die sich inzwischen dem Unmut einer wachsenden Bürgerbewegung gegenüber sehen. Der Druck und die Vorwürfe von Untätigkeit wurden nun so intensiv, dass zwei verantwortliche Polizeidirektoren Ende März ihre Posten räumen mussten. Plötzlich kommt auch Bewegung in die Sache, denn so intensiv wie nie zuvor bemüht sich nun der Staat, mit polizeilichen Aktionen, Überwachungsmaßnahmen und Zugriffen den Mafiosi Paroli zu bieten.

Bedenkliche Schieflage

Denn es steht plötzlich viel auf dem Spiel, für Montenegro sogar sehr viel. Dem Land wurde seitens Brüssel in Aussicht gestellt, im Jahr 2025 der EU beizutreten – mit konkreten Bedingungen natürlich. An oberster Stelle steht im Fall Montenegro – ähnlich wie bei anderen EU-Aspiranten auf dem Westbalkan – die Bekämpfung von Korruption und Kriminalität ebenso wie Aufrechterhaltung und Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung. Das alles befindet sich in Montenegro derzeit in einer bedenklichen Schieflage.

Gefahr für Tourismus?

Hinzu kommt: auch der hoffnungsvoll aufkeimende Tourismus in Montenegro könnte schwerwiegende Einbrüche erleiden, sollten sich Urlauber durch eine unberechenbare Sicherheitslage im Land von Besuchen abschrecken lassen. Was schade wäre. Denn das, was Montenegro an touristischen Attraktionen zu bieten hat, gehört mit zum Besten im gesamten Mittelmeerraum. Der am vergangenen Sonntag gewählte neue Staatspräsident Milo Djukanovic wird jetzt wohl also Vieles an Veränderung und wegweisenden Initiativen in Bewegung setzen müssen, damit sein Land nicht doch noch und ausgerechnet auf der EU-Zielgeraden im Mafia-Morast stecken bleibt.

Mit dem sichtbaren Kampf gegen die Mafia will man Einbußen im Tourismus vermeiden, der eine Haupteinnahmequelle Montenegros ist. Foto: BR | Michael Mandlik
Mit dem sichtbaren Kampf gegen die Mafia will man Einbußen im Tourismus vermeiden, der eine Haupteinnahmequelle Montenegros ist. Foto: BR | Michael Mandlik
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