Wahlwerbung für den Präsidentschaftskandidaten Milo Djukanovic in Montenegros Hauptstadt Podgorica. Foto: (c) dpa

Präsidentschaftswahlen in Montenegro
Milo der Ewige

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Der 56-jährige Djukanovic, den Freund und Feind nur Milo nennen, ist die personifizierte politische Kontinuität in Montenegro. Seit 1991 war er sieben Mal Ministerpräsident und auch schon einmal Staatspräsident , außerdem ist er der Parteichef der Demokratischen Partei der Sozialisten Montenegros, die das Land seit dem Zusammenbruch Jugoslawiens ununterbrochen regiert. 2016 gab er das Amt des Ministerpräsidenten an einen Vertrauten ab. Erst spät gab er bekannt, dass er dieses Jahr sein politisches Comeback wagen will. Der montenegrinische Politikbeobachter Sergej Sekulovic geht davon aus, dass seine schwächelnde sozialistische Partei keine andere Wahl hatte:

„Sie haben offensichtlich eingeschätzt, dass sie einen überzeugenden Sieg brauchen und, dass das kein anderer Kandidat garantieren kann. Ich nehme an, dass sie aufgrund von Meinungsforschungsdaten festgestellt haben, dass Herr Djukanovic der einzige ist, der diesen Sieg bringen kann.“

Sergej Sekulovic, Politikbeobachter

Dabei ist der hochgewachsene und gutaussehende Milo Djukanovic – der von seinen Fans gerne der George Cloony des Balkans genannt wird –  nicht unumstritten. Sein Privatvermögen wird auf 15 Millionen Dollar geschätzt, was Fragen aufwirft. Wegen Zigarettenschmuggels im großen Stil  ermittelten die italienischen Behörden sieben Jahre lang gegen Djukanovic. 2009 wurde das Verfahren jedoch eingestellt. Politische Gegner werfen ihm immer wieder Korruption und Vetternwirtschaft vor. Djukanovic versteht es sehr gut, diese Kritik an sich abperlen zu lassen. Er punktet vor allem durch seinen prowestlichen Kurs – so führte er sein Land auch gegen innenpolitischen Gegenwind in die NATO und positionierte sich als Bollwerk gegen den russischen Einfluss in der Region. Das war auch sein Leitmotiv im Wahlkampf:

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Wegen dieser Haltung wird Djukanovic von Deutschland, anderen EU Staaten und auch den USA unterstützt. Das hat ihm auch den Ruf eingebracht, zu den so genannten Stabilokraten zu gehören: Weil er sein Land weitgehend stabil in die westliche Wertegemeinschaft integriert, ist diese bereit, bei den Themen Rechtsstaatlichkeit, Korruption, Vetternwirtschaft beide Augen zuzudrücken – so die Kritiker. Bei einem Wahlsieg Djukanovics wird sich daran wenig ändern, sagt Politikbeobachter Sergej Sekulovic:

„Wenn Herr Djukanovic gewinnt, wird das passieren, was wir schon seit langer Zeit beobachten. Die einzige offene Frage ist, ob er weiterhin Vorsitzender der Sozialisten bleibt, oder ob er Präsident aller Bürger sein will, wie sei Wahlslogan verspricht."

Sergej Sekulovic, Politikbeobachter

Laut Umfragen könnte Milo Djukanovic im ersten Wahlgang um die 50 Prozent der Stimmen erreichen. Sein wichtigster Herausforderer ist der 55-jährige Wirtschaftsexperte Mladen Bojanic. Er wird von mehreren Oppositionskräften unterstützt und kann laut Umfragen mit 35 Prozent der Stimmen rechnen. Zum Zünglein an der Waage könnte die 40-jährige Juristin Draginja Vuksanovic werden, die erste Frau in der Geschichte Montenegros, die sich um das Präsidentenamt bemüht. Erreicht sie um die 10 Prozent der Stimmen, käme es in 14 Tagen zur Stichwahl. Sergej Sekulovic geht davon aus, dass darüber die Wahlbeteiligung entscheiden wird:

„Eine Wahlbeteiligung von oder über 70 % würde die Chancen auf eine Stichwahl erhöhen“

Sergej Sekulovic, Politikbeobachter
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