Die traditionellen Kullas prägen vor allem den Westen des Kosovo. Bildcollage: BR | Karin Straka

Lieblingsplatz: Im Westen des Kosovo
Von Kullas und Klöstern

Kullas. Das sind traditionelle Wohntürme, die zwischen 1750 und 1910 vor allem im Westen und Süden des Kosovo, sowie im Norden Albaniens gebaut wurden. Diese albanischen Wohngebäude sind typisch für den Kosovo wie keine andere Bauweise. Etwa in Peja/serb. Pec, Gjakova/serb. Djakovica oder in Junik, einem kleinen Ort im Dreiländereck Kosovo – Albanien – Montenegro.

Kullas können zwar durchaus unterschiedlich aussehen und manche erinnern eher an Bauernhäuser. Doch in der Regel bestehen sie aus drei Stockwerken. Unten sind Ställe und Lagerräume, im ersten Stock Küche und Schlafräume und einen Stock weiter oben spezielle Räume, in denen sich das Leben der Großfamilien abspielte. Auch starke Mauern, massive Türen und Tore, sowie flache, ziegelgedeckte Walmdächer – eine bestimmte Dachform – sind typisch für die Kullas. Kulla, das bedeutet im albanischen aber auch Turm oder Wehrturm und diente als Rückzugsort für einen vorübergehenden Aufenthalt, etwa für Menschen die von der Blutrache betroffen waren. Die kleinen Fenster wurden aber auch als Schießscharten verwendet und so war eine Kulla auch eine Verteidigungsfestung.

"Ich kann mir nicht mehr vorstellen, in einem Büro zu arbeiten."

Blerina Solaja, arbeitet im Tourismusbüro von Junik, das in einer Kulla untergebracht ist

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Das regionale Tourismusbüro von Junik ist in dieser Kulla untergebracht. Foto: BR | Dejan Stefanovic
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In den Jahren 1998/1999 wurden viele Kullas von serbischen Soldaten und Paramilitärs zerstört und heute verfallen viele dieser historischen Gebäude. Mit Geldern der Europäischen Agentur für Wiederaufbau, dem kosovarischen Kulturministerium und privaten Geldern wurden allerdings einige Kullas im Kosovo wieder renoviert und man kann sie auch besichtigen. Etwa die Ostautaj-Kulla in Isniq/serb. Istinic oder die Hoxha-Kulla in Junik. Dort standen früher rund 350 Kullas. In den blutigen Auseinandersetzungen der 90er Jahre wurden aber fast alle zerstört. Denn Junik stand im Jahr ‘98 mitten im Zentrum der Kämpfe. Zwischen der sogenannten Kosovobefreiungsarmee UCK auf der einen und der jugoslawischen Armee beziehungsweise serbischen Spezialeinheiten und Polizisten des nationalistischen Regimes Milosevic auf der anderen Seite. Eine Auseinandersetzung die ein friedliches Zusammenleben zwischen Serben und Albanern im Kosovo bis heute äußerst schwierig macht. Im Stadtwappen ist eine Kulla abgebildet und auch das regionale Tourismusbüro ist in einer Kulla untergebracht. Grauer Quaderstein, bunt gewebte Wollteppiche und moderne großzügige Glaswände prägen die Atmosphäre der Kulla, die mit Material aus der Gegend und EU-Geldern renoviert worden ist. Heute setzt die Stadt unter anderem auf Tourismus. In den nahe gelegenen Bergen kann man wandern, Ski fahren oder radeln und wer möchte, kann für umgerechnet etwa 15 Euro in einer Kulla übernachten.

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Kommentare (4)

Ronny Klein am

Sehr geehrte Herr Marku,
bei Ihrem Kommentar habe ich eher das Gefühl, dass Sie weniger auf den Beitrag eingehen möchten, sondern „die Serben“ als Wilde darstellen wollen?! Das gehört sich nicht, und gehört hier auch nicht hin. Sie sprechen über 1913 also die Balkankriege. Der Balkan (u.a. die Serben) hat sich von dem Joch des Osmanischen Reiches und deren Verbündeten (hier: Albaner) kriegerisch befreit. Die Türken zogen sich zurück nach Konstantinopel. Die zu Moslems konvertierten Albaner im Kosovo blieben aber natürlich zurück, die über 3 Jahrhunderte zuvor von den Türken aus Albanien angesiedelt wurden. Ein Rachefeldzug durch die Serben war leider zu erwarten. Und wie in jedem Krieg trifft es dann zunächst die Zivilbevölkerung. Das soll die Greultaten aber nicht Rechtfertigen sondern den Zusammenhang erklären, was Sie aber nicht tun. Sie verschweigen aber auch das Anfang der 70er Jahre durch Tito die bis dato weitesten Minderheitsrechte in Europa nur den Albanern in Jugoslawien zugesprochen wurden. Warum? Weil separatistische Nationalisten schon damals die Kosovo Republik forderten, wie bereits im ersten und auch im zweiten Weltkrieg, und Tito 1968/1969 keinen blutigen Konflikt eingehen wollte. 1970 eröffnete die Universität in Pristina die u.a. auch auf albanischer Sprache unterrichtete und nicht wie im restlichen Jugoslawien serbokroatisch. In welchem Land gab es denn soetwas auch? Sogar einen quasi Autonomiestatus innerhalb von Serbien hatten die Albaner im Kosovo. Doch auch das war für viele nationalistische Albaner im Kosovo leider nicht genug. Dann springen Sie ins das Jahr 1989 wo Milosevic die Verfassung ändert und den quasi Autonomiestatus der Vojvodina und des Kosovo innerhalb Serbiens aufhob. Die Minderheitenrechte wurden aber damit nicht beschnitten! Das sah die kommunistische Regierung „der Einheit und Brüderlichkeit“ nicht vor. Was stimmt ist, das das Kosovo die ärmste Region innerhalb Jugoslawiens war (und immer noch ist) und von den anderen Republiken stark subventioniert wurde (heute EU). Darauf hatten viele finanziell stärkere Republiken (besonders Slowenien und Kroatien) kein Interesse mehr. Das Ende der Planwirtschaft (der Kommunismus war am Ende), die Arbeitslosigkeit war hoch, keine Perspektiven und dann die Nationalisten (Kroaten, Albaner, Serben) die Hass schürten, führten dann in den 90er zu den Jugoslawienkriegen… und die Gelegenheit den Separatisten und Nationalisten neue Staaten auszurufen (natürlich mit Hilfe des Westens). Leider sind die neuen Länder im ehemaligen Jugoslawien immer noch nicht fähig sich mit der eigenen Geschichte objektiv auseinander zu setzten. Von daher sind immer die anderen Schuld oder ein bestimmtes Volk. Das sind die geschichtlichen Fakten. Können Sie aber auch gerne in diversen Fachbüchern nachlesen…

Agron "Dragan" Selimi am

Sehr geehrter Herr Marku, ich halte nicht viel von Milošević aber auch nicht viel von der UCK. Aber nur weil jahrzehntelang mit Fakenews ein Meinungbild erzeugt wurde, um srparatistische Interessen (UCK) mithilfe des Westens durchzusetzen, heißt das nicht das dies heute der Wahrheit entspricht. Was möchten Sie damit bezwecken? Serbophobie?!? Lesen Sie sich die Urteile aus dem Jugoslawien Tribunal in den Haag an. Viele Dinge sind wiederlegt. Es gab kein Massaker in Račak, es gab auch keine Konzentransionslager im Kosovo und keinen Hufeisenplan um Albaner zu vertreiben! Der Nato Krieg begann wie jeder Krieg mit einer Lüge!!! Was bleibt ist das was in den Köpfen gesät wurde. Propaganda! Gefährliches Halbwissen führt nur zu noch mehr Konflikten die wir heute in der Welt haben. Wer entscheidet ob ein Terrorist ein Freiheitskämpfer oder ein Krimineller ist? Die Medien. Das macht mir Angst. Ich bin selber Albaner. Aber als ein Katholik wurde ich bzw. meine Familie von meinen eigenen Landsleuten diskriminiert. Nicht durch die dort lebenden Serben. Wir mussten alle fliehen. Meine Familie lebt heute nicht mehr im Kosovo sondern Belgrad. Meine Familie lebt dort nun sicher und friedlich. Also bitte hier keine Serbophobie schüren, denn unsere Brüder haben nicht weniger Blut an den Händen sondern mehr. Fragen Sie sich lieber wie sie die UCK-Terroristen die der Westen finanziert wieder aus der Regierung los werden. Also lassen Sie das Schubladendenken und befassen Sie sich bitte mit Fakten…

Agron "Dragan" Selimi am

Eigentlich ein toller Beitrag. Ich war vor dem Krieg dort. Das Wort Kula wird übrigens auch im serbischen Sprachgebrauch genutzt (vermutl. türkischer Herkunft). Aber ein Satz stößt auf. Das Milošević-Regime war nicht nationalistisch sondern durch und durch kommunistisch! Die Anhänger der UÇK (nationalistische Albaner im Kosovo) sind nationalistisch. Diese Terroristen wollten schon immer „Kosovo Republik“ bzw. ein Großalbanien (siehe 1+2Weltkrieg). Die Albaner im ehem. Jugoslawien hatten damals wohlgemerkt die weitesten Minderheitenrechte in ganz Europa. Die Kullas wurden nicht nur von der jugoslaw. Armee sondern wurden auch durch das Natobombardement stark zerstört. Daher fließen EU Gelder. Wenn Kommunisten gegen Terroristen vorgehen sprechen wir hier im Westen von Wiederstandskämpfern oder Opposition. Andersherum wird im Westen nie berichtet. In Serbien leben heute mehr Albaner als Serben im abgetrennten Kosovo und zwar friedlich! Also bitte bei kulturellen Beiträgen weniger auf Politik eingehen und wenn dann bitte kein billigen Populismus mehr sondern Fakten. Das schürt nur Unmut. Vielen Dank, Hvala und Falënderoj

    Gjon Marku am

    Dem würde ich vehement wiedersprechen. Schon 1913 ein Jahr nach dem Albanien seine Unabhängigkeit erklärt hat, wurden die Albaner durch die Serben im Kosovo massiv vertrieben und ermordet. Das kann man z.B. in Leo Freundlich: Albania’s Golgotha: Indictment of the Exterminators of the Albanian People lessen. Hier bekommt man alle Informationen darüber wie es den Albaner damals ergangen ist. Hier bekommt man einen Eindruck darüber wie die serbische Blutgier durch Massenmord, Plünderung, Verwüstung und Vertreibung gestillt wurde. Zeitzeugenbericht die auch durch serbische Reporter untermauert werden, beschreiben diese furchtbaren Ereignisse. Auch stimmt das mit dem Rechten überhaupt nicht, jeder weiß das durch den Zerfall von Jugoslawien, die serbischen Nationalisten und Kriegsverbrecher wie Milosevic, für das Elend auf dem Balkan verantwortlich sind. Es ist Fakt das am 23. März 1989 zur Änderung der serbischen Verfassung die Autonomie von Kosovo und somit die Minderheitenrechte der Albaner aufgehoben wurde. Sogar in der Zeit der Autonomie gab es nicht eine einzige albanische Universität in Kosovo. Serbisch musste gesprochen werden! Es ist auch Fakt, dass die Albaner nach der Machtübernahme durch Milosevic unterdrückt wurden, später im Verlauf des Krieges systematisch vertrieben und ermordet wurden. Dafür sprechen alle geschichtlichen Fakten. Vergessen wir nicht den Genozid in Bosnien, der durch nationalistische und serbische Kriegsverbrecher verübt wurde. Das sind Fakten und keine Verschwörungen, wie man es in Ihrem Kommentar entnehmen kann.

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