Ede Sinkovics, Künstler:
´Die Leute wissen nicht, was Demokratie heißt!´

Ede Sinkovics sitzt in seinem Atelier in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Budapest. Der recht kleine Raum mit hohen Decken ist über und über vollgepackt mit Skizzen, Gemälden, Skulpturen, Collagen, Arbeitsutensilien. Der 47jährige zählt zu denjenigen Künstlern, die im Verlauf der vergangenen acht Regierungsjahre von Viktor Orban zunehmend stärker politisiert worden sind: Politik würde ihn eher abstossen, aber wenn er schweigen würde, „würde mich das auffressen.“ Skeptisch blickt Ede auf den Wahlsonntag:

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Zeugnisse seiner künstlichen Auseinandersetzung mit Viktor Orban sind in Sinkovics‘ Atelier zuhauf zu finden: Auf einer Staffellage ein Portrait des Ministerpräsidenten mit Europa-Fahne, verfremdet als Puzzle; verschiedene Orban-Büsten aus Seife; in einer großen offenen Pappschachtel Dutzende von Orban-Seifenstücken, mit dem Halbprofil des Regierungschefs, die an antike römischer Imperatoren-Münzen erinnern. Zwei Jahre nach der Rückkehr Orbans an die Regierungsmacht, 2012, stellte Sinkovics seine Orban-Kunst auf dem größten Flohmarkt des Landes aus, denn gleich mehrere größere Galerien hatten sich um ihn zunächst bemüht, dann aber – abgesagt:

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In Ungarn habe er seitdem nicht mehr ausgestellt. Das mache hier keinen Sinn. Es herrsche seit langem ein Klima der Angst, der Einschüchterung, der „Dunkelheit“, wie Ede Sinkovics formuliert, auch unter seinen Künstlerkollegen. Theaterdirektoren, die nicht auf Linie seien, würden abgesetzt und von willigeren Nachfolgern besetzt. Aus dem staatlichen Kulturfonds seien er und gleichgesinnte Freunde bereits vor Jahren schon geflogen. – Aufträge erhält Sinkovics unter anderem von einem amerikanischen Recycling-Unternehmen, das von einem gebürtigen Ungarn ins Leben gerufen wurde. Dorthin, nach Amerika, werde er auch am Montag nach der Wahl fliegen.

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