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Die Markthalle in Sarajevo ist nicht groß. Dicht aneinandergedrängt verkaufen die Händler ihre Waren. Fotocollage: BR | Karin Straka

Lieblingsplatz: Sarajevo
In der Markthalle steht die Zeit still

Nichts ist so emotional wie die Erinnerung an die eigene Kindheit. Mir geht es da nicht anders. Ich bin in Sarajevo geboren, ganz in der Nähe der Markthalle im Stadtzentrum. Unzählige Male bin ich als Junge in Begleitung meiner Großmutter durch die Markthalle gegangen. Sie immer mit Hut und einer filterlosen Zigarette samt Mundstück, ich in gespannter Erwartung, auch mal ihren Einkaufstrolley (sie nannte ihn „mein Mercedes“) ziehen zu dürfen. Die Gerüche im Inneren der Markthalle haben sich auf ewig in mein Gedächtnis eingebrannt, genauso wie die Bilder der rostbraunen Wurstwaren, der schneeweißen Schafskäse und der aneinander gedrängten Verkäufer.

Das erstaunliche: Hier scheint die Zeit still zu stehen. Während sich Sarajevo seit dem blutigen Krieg Anfang der 90er Jahre merklich verändert hat – steht die Ende des 19. Jahrhunderts von der k. u. k. Monarchie gebaute Markthalle da – wie eh und je. Als hätte es niemals Krieg und Leid gegeben, als wäre nicht direkt gegenüber der gleichnamige Open-Air-Marktplatz, wo 105 Bürger Sarajevos von Mörsergranaten zerfetzt worden sind. Auch im Inneren riecht es heute noch so, wie ich es in Erinnerung habe. Die Markthalle ist mein Lieblingsplatz in Sarajevo – weil sich hier ein Stück meiner Kindheit konserviert hat.

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