Wenige Tage vor Beginn der Leipziger Buchmesse macht die Deutsche Botschaft in Bukarest auf einem großen Plakat auf die Autorinnen und Autoren aufmerksam, die nach Deutschland fahren. Foto: BR | Clemens Verenkotte

Ein Überblick zur Leipziger Buchmesse
Rumäniens Literaturszene

Rumänien verfügt über eine vielfältige, breitgefächerte Literaturszene. Mit rund 40 Neuerscheinungen in deutscher Übersetzung sind Rumäniens SchriftstellerInnen auf der Leipziger Buchmesse vertreten: Junge Autorinnen wie Lavinia Braniste mit ihrem Roman „Null Komma Irgendwas“ sowie Irina Dobrescu mit ihrem Kinderbuch „Der Poker spielende Wolf“ präsentieren sich, politische Essayisten wie Andrei Cornea mit „Das Mirakel“, Sachbuchautoren wie Andrei Oisteanu mit seinem Werk „Konstruktionen des Judenbildes“. Die arrivierte Lyrikerin Denisa Comanescu bringt es auf den Punkt: Besucher wie Verleger werden „sehr gute Literatur“ entdecken können.

Bogdan Alexandru Stanescu ist Schriftsteller, Verleger und Literaturkritiker und er weiß, wovon er spricht: Er kennt nicht allein den rumänischen Literaturmarkt. Seit 14 Jahren besucht er regelmäßig Buchmessen im Ausland. Wenn sich ein Buch in Rumänien mehr als 2.000 mal verkauft, sei das bereits ein Bestseller. Rumäniens Buchmarkt sei mit einem Volumen von 60 Millionen Euro der „kleinste in ganz Europa“. Das liegt unter anderem an der vergleichsweise geringen Kaufkraft der Bevölkerung, sowie an der Tatsache, dass Buchhandlungen auf dem Land Mangelware sind. Verlage zahlen Autoren, Übersetzern und Angestellten sehr moderate Gehälter und Honorare. Übersetzer etwa erhielten umgerechnet drei Euro pro Seite und seien anschließend nicht an Tantiemen beteiligt. Autorinnen und Autoren könnten vom Schreiben allein nicht leben. Das liege unter anderem an der hohen Besteuerung von „geistigem Eigentum“:

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Bodgans Ehefrau Oana nickt: Sie hat neun Jahre lang bei einem größeren Verlag in Bukarest gearbeitet, ist jetzt in der Literaturagentur beschäftigt, die den Auftritt Rumäniens auf der Leipziger Buchmesse im Auftrag des rumänischen Kulturministeriums mitorganisiert hat:

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Die 35jährige Lavinia Braniste, die mit ihrem Roman „Null Komma Irgendwas“ in Leipzig vertreten ist, hat seit ihrem Uni-Examen in über einem Dutzend Jobs bereits gearbeitet, oftmals als – schlecht bezahlte Übersetzerin. Die Gründe für den sehr überschaubaren rumänischen Literaturmarkt fasst sie so zusammen:

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Denisa Comanescu ist eine bedeutende Lyrikerin der rumänischen Gegenwartslyrik. Sie betreut zudem seit vielen Jahren eine Reihe mit Übersetzungen aus der Weltliteratur in einem der renommiertesten Buchverlage des Landes und legt in Leipzig eine Anthologie ihrer Gedichte erstmals in deutscher Sprache vor: „Rückkehr aus dem Exil.“ Das rumänische Kulturinstitut, vergleichbar mit dem deutschen Goethe-Institut, hat sich an den Übersetzungskosten für die Neuerscheinungen finanziell beteiligt, die auf der Buchmesse das Gastland Rumänien repräsentieren. In Denisa Comanescus Stimme schwingt Stolz mit, wenn sie über die heimische literarische Landschaft spricht.

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Mircea Cartarescu gilt als einer der führenden Schriftsteller Rumäniens und wird seit längerem bereits als ein aussichtsreicher Kandidat für den Literatur-Nobelpreis gehandelt: Er ist der diesjährige Preisträger des Thomas-Mann-Preises 2018. Mit seinen Essays, Romanen, Gedichtbänden und Erzählungen sei Cartarescu zur „wichtigsten Stimme der rumänischen Literatur” geworden, wie es in der Begründung der Jury heißt. Auf der Leipziger Buchmesse ist er dieses Jahr nicht mit einer ins Deutsche übersetzten Neuerscheinung vertreten – wohl aber nimmt er in der Messestadt an mehreren Veranstaltungen teil. Er sorgt sich um die politische Entwicklung in Europa:

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Auch in seinem heimatlichen Rumänien erkennt Cartarescu ähnliche Tendenzen. Deutschland sei für ihn „ein Ort der Liberalität, ein Ort, an dem die europäischen Werte verteidigt werden.“

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