Milan Racic in Mostar. Foto: BR | Andrea Beer

Milan Racic und die guten Menschen von Mostar
Der zufällige Serbe

Ich bin nur zufällig ein Serbe. Das betont Milan Racic zur Begrüßung, noch bevor er sich setzt. Eigentlich hat der grauhaarige 62-jährige gar keine Zeit, doch auf Bitten einer Freundin nimmt er sich dann doch eine Stunde, um über die Menschen in Mostar zu reden. In den blutigen Zerfallskriegen von Jugoslawien war die Stadt an der Neretva hart umkämpft. Erst zwischen jugoslawisch-serbischen Truppen auf der einen und kroatischen und bosnisch-muslimischen Verbänden auf der anderen Seite. Später kämpften diese dann gegeneinander. Große Teile der jahrhundertealten Stadt wurden dabei zerstört. Milan Racic kämpfte nicht. Er verließ zeitweise sein Heimatland in Richtung Montenegro und engagierte sich in ausländischen Organisationen, die sich um Kriegsflüchtlinge kümmerten.

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Längst lebt der grauhaarige Mann wieder in Mostar, doch seine Stadt die ist de facto geteilt zwischen kroatischen und muslimischen Bosniern. Racic selbst ist einer von rund 4000 verbliebenen serbischen Bosniern in Mostar. Milan Racic ist einer von ihnen. Da er ja aber nur zufällig ein Serbe ist, redet er zwar auch von den Serben, die in Mostar leben. Schwenkt dann aber schnell um, auf Themen die ihm viel wichtiger sind. Den bosnischen Schriftsteller Aleksa Santic zum Beispiel. Dieser wurde 1868 in Mostar geboren. Santic hat hunderte von Gedichten  geschrieben und Milan Racic verehrt diesen Dichter sehr. Zu dessen Beerdigung 1924 kamen Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen und trauerten gemeinsam. Dieses ein Mostar wünscht sich Milan Racic wieder zurück.  Doch im Moment sieht es ganz und gar nicht nach einem friedlichen Zusammenleben aus. Andersdenkende werden in Mostar schon mal zusammengeschlagen und praktisch niemand klärt über die Verbrechen im Krieg wirklich schonungslos auf. Milan Racic hat sich trotzdem auf die Suche nach „guten Menschen“ gemacht, wie er sagt. Mit Erfolg: „Am Anfang dachte ich, das wird schwierig, solche Menschen zu finden und ich habe erst einmal unter den Älteren gesucht. Dann bin ich zu jüngeren gegangen und war überrascht wie viele wunderbare, fähige und intelligente Menschen es hier gibt, die imstande wären Bosnien-Herzegowina aus diesem Dreck zu ziehen.“ Menschen, unter denen wohl auch zufällige Serben, Kroaten und Bosniaken sind.

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