Am 15. März rief Adolf Hitler auf dem Heldenplatz in Wien den „Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich“ aus. Foto: picture alliance/AP Images

Österreichs Anschluss
Die Märztage 1938

Es geschah binnen weniger Tage: Am Abend des 11. März 1938 trat Österreichs Bundeskanzler Schuschnigg nach massiven Drohungen aus Berlin zurück, tags darauf rollte bereits Hitler durch seine Geburtsstadt Braunau, weiter nach Linz, bis er schließlich in Wien eintraf und am 15. März auf dem Heldenplatz den „Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich“ ausrief.

 

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Es ist der Abend des 11. März 1938. Die knapp zwanzigjährige Eigenständigkeit der ersten Republik endet mit dieser letzten Radioansprache Kurt Schuschniggs. Der diktatorisch regierende Bundeskanzler war unter dem militärischen Druck Hitlers, der Machtübernahme österreichischer Nationalsozialisten in zahlreichen Städten des Landes sowie dem Eintreffen deutscher SS- und Gestapo in Wien, zum Rücktritt gezwungen worden. Die anschließenden Tage haben sich ins nationale Selbstbewusst Österreichs eingeprägt, bis heute: Jubelnde Menschenmassen, die die Straßen säumen, als Hitlers Wagenkolonne über Braunau, Linz bis nach Wien rollt; der Heldenplatz am 15. März, auf dem Hitler vor unzähligen hakenkreuzschwenkender Anhänger den Anschluss zynisch zelebriert.

„Heute taucht schon die Version auf: Ja, wir waren überrumpelt durch die Begeisterung,“  sagt Gerhard Botz, emeritierter Professor für Zeitgeschichte an der Universität Wien, „aber wir wollten das auch nicht, was dann gekommen ist, und wir waren nur kurzfristig begeistert. Stimmt, diese Begeisterungen sind sehr volatil.“

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Botz  hat einen erheblichen Teil seiner jahrzehntelangen Forschungsarbeit diesem einen Thema gewidmet: Dem Anschluss der ersten Republik Österreich, die sich zunächst erst, im November 1918 als  „Republik Deutschösterreich“ gegründet hatte und dessen Folgen. Das „Thema“ Anschluss sei ab 1918 immer in der politischen Öffentlichkeit Österreichs präsent gewesen. Nach dem Untergang des Habsburger Reichs und dem Verlust der imperialen Vielvölker-Größe entschied die provisorische Nationalversammlung, die frisch ausgerufene Republik solle an die deutsche Republik angeschlossen werden.

Österreichs Sozialdemokraten forderten in ihrem Parteiprogramm: Zusammenschluss mit einem sozialistischen Deutschland. Erst 1933, nach Hitlers Machtübernahme, strichen sie diesen Passus. Als Botz vor 40 Jahren sein späteres Standardwerk‚ Wien vom „Anschluss“ zum Krieg‘ veröffentlichte, habe er das Wort Anschluss noch in Anführungszeichen setzen müssen. Die Auslegung der Vorgänge vom März 1938 sei im Nachkriegs-Österreich  einem erheblichen Wandlungsprozess unterworfen gewesen, beobachtet Botz. Nahezu alle politischen Kräfte hätten damals eine nationale Mitschuld, Mittäterschaft an den Verbrechen des NS-Regimes zunächst negiert.

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Das nationale Selbstbewusstsein wird anlässlich der Wiederkehr runder Jahrestage, wie dem jetzigen, immer wieder hinterfragt. Wie ordnet man etwa die fast 100% Zustimmung der Österreicher ein, zum Anschluss an das NS-Reich, einen Monat nach dem Anschluss, bei der Volksabstimmung vom 10. April 1938? Der Zeithistoriker Gerhard Botz abschließend: Bis heute werde seine Position in der österreichischen Geschichtswissenschaft nicht sehr gerne gesehen. Die Volksabstimmung sei natürlich ganz klar kein demokratischer Vorgang gewesen, aber es nicht gefälscht worden: „Es war ein Mobilisierungsvorgang, der die Anhängerschaft mobilisierte und mit eine unglaubliche Dynamik diese Machtübernahme auf allen Ebenen vorbereitete.“

 

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