Alljährlich feiern Mitglieder rechtsnationaler Burschenschaften aus ganz Europa den von der FPÖ organisierten Akademikerball in der Wiener Hofburg. Foto: BR | Jan Heier

Hintergrund: Österreich und die FPÖ
Wenn Burschenschaften mitregieren

Im Skandal um das NS-Liederbuch bei der Burschenschaft Germania sind bereits zahlreiche Zeugen einvernommen worden, unter ihnen auch der FPÖ-Spitzenkandidat für die niederösterreichische Landtagswahl Udo Landbauer. Das sagte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage am Montag.

Das Vereinsauflösungsverfahren, das das Innenministerium angekündigt hatte, hat bei der Burschenschaft noch nicht angeschlagen. Die Einvernahmen der vier Verdächtigen, die für das Liederbuch verantwortlich zeichnen, sind laut Staatsanwaltschaft weitgehend abgeschlossen. Das Verfahren dürfte aber noch eine Zeit lang dauern, denn die Staatsanwaltschaft lässt chemisch untersuchen, wann die inkriminierenden Passagen, in denen der Judenmord durch die Nazis besungen wird, genau geschwärzt wurden.

 

Wir trafen den Autor und Journalisten Hans-Henning Scharsach. Er beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Rechtsnationalen, hat mehrere Bücher dazu verfasst. Er spricht von einer „Stillen Machtergreifung“ der Burschenschaften:

Hans-Henning Scharsach

beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Rechtsnationalen, hat mehrere Bücher dazu verfasst. Er spricht von einer „Stillen Machtergreifung“ der Burschenschaften.

 

Interview: Till Rüger

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Christine Dériaz

Einer der Verdächtigen in der Liederbuch-Affäre um den niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer war ein hoher Beamter in Wiener Neustadt und SPÖ-Mitglied. Das bestätigte die SPÖ Niederösterreich in einer Reaktion auf einen Artikel des „Kurier“ online. Der Mann war unter der damals absolut regierenden SPÖ in Wiener Neustadt hoher Magistratsbeamter und gehört zu jenen vier Personen der Burschenschaft Germania, gegen die die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren nach dem NS-Verbotsgesetz eingeleitet hat. Er soll in den 90er-Jahren als Hobby-Maler die künstlerische Gestaltung des Liederbuches übernommen haben und für die Illustrationen zwischen den Texten verantwortlich zeichnen. Die SPÖ schloss den Mann aus der Partei aus und teilte mit: „Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ein SPÖ-Mitglied aus Wiener Neustadt, das in den 90er-Jahren die Illustration des Liederbuches der Burschenschaft Germania übernommen haben soll. Um zu verhindern, dass die niederösterreichische Sozialdemokratie Schaden nimmt, wurde die Person soeben vom Landesparteivorstand aus der SPÖ ausgeschlossen.“

 

Wir trafen Dr. Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Er hat über die Burschenschaften und ihre politischen Ideen und Verflechtungen mehrere Arbeiten verfasst.

Dr. Bernhard Weidinger

betreut die Rechtsextremismus-Sammlung im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Seine Forschungsschwerpunkte sind Rechtsextremismus und Neonazismus im internationalen Vergleich, sowie Studentenverbindungen.

 

Interview: Till Rüger

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Christine Dériaz

Und hier der TV-Hintergrundbeitrag zu „Burschenschaften und FPÖ“ aus der ARD-Sendung Weltspiegel vom 4.2.2018:

Autor: Till Rüger

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Güter Stöger

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