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Zwei US-Kongress-Mitglieder haben Natasa Kandic, die Leiterin des Zentrums für humanitäres Recht in Belgrad, für den diesjährigen Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Foto: BR | Srdjan Govedarica

Serbiens Menschenrechtlerin Natasa Kandic für Friedensnobelpreis nominiert
"Das hat mich überrascht"

Als die Nachricht aus Washington eintraf, war sie überrascht: Zwei US-Kongress-Mitglieder haben die langjährige Leiterin des Zentrums für humanitäres Recht in Belgrad für den diesjährigen Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Ihre Begründung: Es gebe keine andere Persönlichkeit und Organisation, die diese Auszeichnung mehr verdient habe, als eben Natasa Kandic. Die Reaktion der serbischen Menschenrechts-Ikone: Sie sei deswegen über die Nominierung erstaunt, weil die Länder des ehemaligen Jugoslawien sich immer noch nicht ihrer Vergangenheit  gestellt hätten und „keine gute Beispiele für den demokratischen Wandel“ seien. Das sind die beiden wesentlichen Motive ihres jahrzehntelangen Einsatzes.

Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund, ist gewohnt, dass sie mit ihrer Sprache oftmals aneckt, wenn sie über ihrer Einstellungen spricht, etwa über die fehlende Empathie für Kriegsopfer der „anderen Seite“. Gegenüber dem ARD-Studio Südosteuropa sagte sie im November letzten Jahres:

 

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Foto: epa-Bildfunk Natasa Kandic mit "Müttern von Srebrenica"
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Natasa Kandic gründete 1992, ein Jahr nach Ausbruch des Krieges zwischen den ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken, das Zentrum für Menschenrechte in Belgrad. Sehr frühzeitig erkannte die Soziologin, dass eine authentische Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen nötig sein würde, um später einmal den Gesellschaften in Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo den Weg zu Ausgleich und Versöhnung zu ermöglichen. Ihre Organisation begann damit, systematisch und unparteiisch Kriegsverbrechen zu untersuchen. Sie war oftmals Anschuldigungen und Drohungen ausgesetzt, erhielt aber auch Anerkennung, über die Landesgrenzen hinaus: Kroatien etwa verlieh Natasa Kandic eine hohe Auszeichnung, Amnesty International, die amerikanische Anwaltskammer, sie ist Ehrenbürgerin von Sarajevo. Heute, so eine ihrer Thesen, herrsche in Serbien und den Nachbarländern eine „Gleichgültigkeit gegenüber der Vergangenheit und der der Opfer“. Das gesellschaftliche Klima sei heutzutage schlimmer als in den 90er Jahren, weil damals die Intellektuellen noch das Wort ergriffen hätten:

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Derzeit koordiniert Natasa Kandic die „regionale Kommission zur Feststellung der Tatsachen über Kriegsverbrechen“. Die Aufgabe: Eine Liste zu erstellen von allen Menschen, die während der Kriege auf dem Balkan der 90ziger Jahre getötet wurden, vermisst werden, die eingesperrt und gefoltert wurden.

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