Kroatische Polizisten drängen in der Bucht von Piran ein slowenisches Polizeiboot ab. Foto: BR | Videostandbild | Daniel Dzyak

Slowenisch-kroatischer Grenzstreit
Katz- und Mausspiel in der Adria

Für die Fischer an der slowenisch-kroatischen Küste ist die Arbeit inzwischen so stressig wie nie. Im Streit um den Verlauf der Landesgrenze zwischen Slowenien und Kroatien in der Bucht von Piran sind sie erstmal die Verlierer der Auseinandersetzung. Es ist eine Art Katz- und Mausspiel, das sich da von frühmorgens bis spätabends abspielt. Slowenische Polizeiboote versuchen an die kroatischen Fischerboote heran zu kommen, kroatische Polizeiboote aber halten diese mit ihrer Präsenz und entsprechenden Fahrmanövern auf Abstand, um eine etwaige Beschlagnahme der Fischerboote zu verhindern. Eine Groteske – mitten in Europa.

Beitrag: Michael Mandlik

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Roland Buzzi / Christine Dériaz

So fahren etwa kroatische Fischer im Moment nur noch eskortiert durch kroatische Polizeiboote in die territorial umstrittenen Fanggründe. Nahezu jedes Mal ist dann ein slowenisches Polizeiboot zur Stelle, dessen Besatzung die Fischer zum sofortigen Verlassen der fremden, nämlich slowenischen Gewässer aufmerksam machen möchte und gleichzeitig auch via Lautsprecher mögliche Bußgeldstrafen bei Zuwiderhandlung ankündigt.

Aus kroatischer Sicht aber ist die neue Grenzziehung, die auf einen Schiedsspruch des Schiedshofes in Den Haag hin erfolgt ist, nicht gültig. Demnach nämlich hätte Slowenien nunmehr auf 80 Prozent der Fläche der Bucht von Piran territorialen Anspruch, davor war es nur rund die Hälfte davon. Weil es im Verlauf der Verhandlungen zu Unregelmäßigkeiten in Form einseitiger Abspracheversuche zwischen einem Mitarbeiter des Gerichts und einem slowenischen Verhandlungsvertreter gekommen sein soll, hatte Kroatien das Verfahren vorzeitig und unter Protest verlassen. Weil die Abspracheversuche aber aufgedeckt und vom Gericht selbst sanktioniert wurden, beharrt Slowenien hingegen auf die Rechtsverbindlichkeit der später erfolgten Entscheidung des Schiedshofes.

Für die Fischer jedenfalls bedeutet dies, dass sie bei ihrer Arbeit nunmehr ständig von Polizeibooten im Blaulichteinsatz umringt sind – slowenischen wie kroatischen. Manche Fischer denken bereits – solange die Situation zwischen beiden Staaten nicht einvernehmlich geregelt ist – ans Aufhören. Die Fisch-Erträge sind in den vergangenen Jahren ohnehin zurück gegangen. Fischen mit Blaulicht aber und die ständige Angst vor möglichen hohen Geldbußen vergraulen viele Adriafischer nun wohl endgültig.

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