Die Bucht von Piran am 29.12.2017. Bisher gibt es nach dem Schiedsspruch keine größeren Zwischenfälle. Foto: picture alliance | PIXSELL

Eskalation im Grenzstreit um Adriabucht von Piran
Fischer unter Polizeischutz

Eigentlich geht es nur um rund 31 Quadratkilometer Küsten- und Seenlandschaft. Doch der Streit zwischen Slowenien und Kroatien um die Adriabucht von Piran droht nun zu eskalieren – trotz des auf Initiative der EU erfolgten internationalen Schiedsspruchs.

Weil dieser im vergangenen Sommer Slowenien einen Großteil der Bucht von Piran – etwa 80 Prozent der Fläche – zugesprochen hatte, patrouillieren seit Jahresbeginn slowenische Polizeiboote entlang der neuen Seegrenze zu Kroatien. Vor allem kroatische Fischer sollen so am Überqueren gehindert bzw. bei illegalen Fischfangaktionen kräftig zur Kasse gebeten werden.

Auslöser für diese strikten Maßnahmen ist die unveränderte Haltung Kroatiens, den internationalen Schiedsspruch zu den neuen Grenzziehungen nicht anzuerkennen. Denn Kroatien beansprucht mindestens die Hälfte der malerischen Adriabucht. Seit einem Vierteljahrhundert war zwischen den beiden Ländern darum gestritten worden. Die inzwischen erfolgte Entscheidung des Schiedsgerichts aber scheint die Konfrontation zwischen Slowenien und Kroatien nur noch mehr befeuert zu haben. Der kroatische Innenminister Davor Bozinovic rief die kroatischen Fischer auf, mögliche Bußgelder der slowenischen Küstenwache einfach nicht zu bezahlen. Die kroatische Außenministerin Marija Pejcinovic Buric erklärte, die Grenzlinie sei – trotz Schiedspruchs – dieselbe wie seit dem Jahr 1991. Sloweniens Außenminister Karl Erjavec wiederum spricht von einem Täuschungsmanöver der kroatischen Amtskollegin gegenüber der Öffentlichkeit, es habe nach dem Zerfall Jugoslawiens nie eine Grenzbestätigung gegeben – und Sloweniens Regierungschef Miro Cerar setzt nach:

die slowenische Polizei werde nun die Kontrolle über, so Cerar, „unser Meer“ übernehmen.

Der Konflikt hat inzwischen eine Dimension erreicht, die die Europäische Union zum raschen Handeln zwingt. Slowenien will nun auf diplomatischer Ebene den von Kroatien gewünschten Beitritt zu Eurozone und visafreiem Schengenraum sowie zur OECD blockieren und zusätzlich das Nachbarland vor europäischen Gerichten verklagen. Insbesondere die europäische Tourismusbranche blickt vor Saisonbeginn mit Sorge in die auch bei deutschen Urlaubern beliebte Region. Denn eine eventuelle Konfliktverschärfung in der Bucht von Piran, etwa zwischen Polizei und Fischern beider Länder, ist gerade gegenwärtig nicht mehr auszuschließen.

Was Sie noch interessieren könnte

Kommentare (2)

Tommy am

Warum wird hier nicht erwähnt aus welchem grund akzeptiert Kroatien diesen schiedspruch nicht?

Eva am

Es ist eine bestimmt gute Übung für beide Länder sich rechtlicher und demokratischer Wege zu bedienen, um eigene Interessen zu schützen.
Aus historischer Sicht kann keine Partei beweisen, dass die Bucht dem einen oder anderen Staat gehört, zumal zuvor die Republik Venedig und später Italien das Territorium besassen, als Slowenien noch eine „Alpenminderheit“ Österreichs war und Kroatien ebenso wenig in seinen heutigen Staatsgrenzen waltete. Ohne eine Ahnung von internationalem Seerecht zu haben, erscheint es mir dennoch als zu oberflächlich, den Konflikt als eine typische Balkanstreitigkeit um 31qm Meer zu lesen. Es bietet sich mir da vor allem ein schwerwiegendes Wirtschaftsargument um die Verbindung des Hafens Koper (Slowenien, nördlich der fraglichen Bucht) mit internationalem Gewässer. Und wenn man sich etwas in die Investitionen der letzten Jahre einliest, so erscheint dieser Konflikt ganz andere Hintergründe zu haben mit noch ganz anderen Interessensgruppen, z.B.:
(Externe Links wurden von der Redaktion entfernt)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.