2017 liefen die Geschäfte am Bahnhofskiosk in Gevgelija nicht so gut, wie in den Jahren 2015 und 2016 als rund 800.000 Menschen in dem Grenzort Gevgelija Station machen. Sie kamen aus Griechenland und wollten weiter nach Serbien. Die Einheimischen kauften damals zwar weniger, erzählt der Kioskverkäufer Giorgij Kostadinov, aber Menschen auf der Flucht waren gute Kunden. Foto: BR | Schaban Bajrami

Über gute Geschäfte mit Flüchtlingen in Gevgelija
„Manche sind richtig reich geworden“

Während der großen Flüchtlingsbewegung, war der kleine mazedonische Grenzort Gevgelija ein Brennpunkt. Heute ist es hier wieder ruhig, doch das Thema beschäftigt die Bewohner weiter. Auch Giorgij Kostadinov hat viele Erinnerungen. Wer mit ihm reden möchte, der muss sich erst einmal bücken. Der schwarzhaarige Mazedonier ist Kioskverkäufer und sitzt hinter einem kleinen, rechteckigen Fenster.

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2017, da liefen seine Geschäfte bei weitem nicht so gut, wie in den Zeiten, als rund achthunderttausend Menschen durch das kleine Mazedonien zogen. Auf Giorgij Kostadinovs abgegriffener Ablage stapelt sich sein buntes Angebot. Bunte Feuerzeuge, Getränke, Süßigkeiten Chips, Bonbons, Kaugummis Tabak oder Zigaretten. Vieles fand reißenden Absatz,  als die Menschen 2015 und 2016 durchzogen. Meistens hatten sie nur einen Rucksack mit dem Nötigsten bei sich. Die ersten seien die Anständigsten gewesen, findet Giorgij Kostadinov. Einen Steinwurf von seinem Kiosk entfernt verrottet ein Wohnhaus.  Die früheren Bewohner hängten Verlängerungskabel aus den Fenstern und verkauften den Flüchtlingen außer Strom, auch Leitungswasser. Manche hier sind durch die Flüchtlinge richtig reich geworden, erzählt ein Bewohner aus Gevgelija, der anonym blieben möchte.  Nicht nur private Taxifahrer, Busunternehmen, Handybetreiber, Lebensmittelhändler und vor allem die Schlepper haben von den Menschen auf der Flucht profitiert. Auch die staatliche Eisenbahn in Mazedonien hielt damals die Hand auf. Eine Fahrt durchs Land von der griechischen an die serbische Grenze kostet heute wieder umgerechnet sechs Euro. Flüchtlinge zahlten allerdings 25 Euro. Kein schlechtes Geschäft wenn man bedenkt, dass zweitweise bis zu sechstausend Menschen täglich das Land durchqueren wollten, auch wenn manche zu Fuß unterwegs waren. Heute warten im Transitcamp Vinojug gerade mal vierzehn Menschen auf die offizielle Entscheidung, was weiter mit ihnen passiert. Andere versuchen es anders und wenn sie erwischt werden, landen sie auf der kleinen Polizeistation am Bahnhof von Gevgelija.

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Inzwischen kommen nur noch wenige Menschen ohne gültige Papiere durch Gevgelija. Die Grenzen entlang der sogenannten Balkanroute sind geschlossen und werden streng kontrolliert. Wenn die Polizei Menschen aufgreift, landen diese oft auf der Polizeistation,  so wie diese Männer.

Die Männer, die ohne Papiere von der Polizei aufgegriffen worden sind, werden von der mazedonischen Grenzpolizei  zum Verhör in das Transitlager Vinojug gefahren. Dort wird beschlossen werden, wie es mit ihnen weiter geht. Oft werden die Menschen kurzerhand über die grüne Grenze nach Griechenland zurückgebracht. Die mazedonische Nichtregierungsorganisation LEGIS oder der Ombudsmann Ixhet Memeti bemängeln unter anderem  dass die Rechte von Flüchtlingen hier nicht ausreichend beachtet werden. Foto: BR | Schaban Bajrami

Video: Sasko Golov

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Kommentare (3)

Der Makedone am

Mancher kann nur mit Totschlagargumenten aufwarten.
Gut, dass lassen wir andere „reden“.

Patriotismus ist Liebe zu den Seinen; Nationalismus ist Hass auf die anderen.
(Staatsakt, Vierzig Jahre Grundgesetz, Beethovenhalle, Bonn, 24.5.1989.
Bundespräsident Richard von Weizsäcker)

1992, EU-Gipfel in Lissabon:
FYROM wird in den bestehenden Grenzen anerkannt. Eine Anerkennung des Staates unter dem Namen Makedonien oder mit einem Namensbestandteil dessen wird NICHT anerkannt.

NATO, 2008, 2009, 2010, 2012:
Einstimmiger Beschluss der NATO, dass FYROM NUR aufgenommen wird, wenn das Thema des Staatsnamens von FYROM mit Griechenland geklärt worden ist

Und warum?
=> Darum
Titos geheime Pläne für den Balkan: eine neue Ethnie der „Makedonen“ entstehen zu lassen, den bulgarischen Dialekt „makedonisch“ zu nennen, Grenzen eines angeblich geographischen „Makedonien“ skizzieren, um Griechenland zu halbieren, indem er seinen Kommunismus nach Makedonien exportiert.

Siehe hierzu den lesenswerten Artikel unter kosmo.at
(http://www.kosmo.at/der-geheime-plan-von-josip-broz-tito-so-wuerde-jugoslawien-heute-aussehen/).
=> (wäre schön, wenn der Link nicht entfernt wird, da der Beitrag nicht so gut zu verstehen wäre)

Aber die neue Entwicklung:
Die Albaner in FYROM haben am 23.01.2018 ihre Namensvorstellung für FYROM vorgestellt, die in zwei Bundesländer aufgeteilt sein soll:

Balkan Bundesrepublik
Bundesland 1: Ilirida, bestehend überwiegend aus Albanern
Bundesland 2: ein Name für die Ethnien der Slawen und Roma, da staatstragende Nationen mit einem Anteil von über 10%.

Man sagt Polen, weil Polen die staatstragende Ethnie sind.
Man sagt England, weil Engländer die staatstragende Ethnie sind.
Man sagt Deutschland, weil Deutsche die staatstragende Ethnie sind.
=> Und wie wird man das Bundesland 2 nennen, in welchem die Slawen und Roma die staatstragenden Nationen sind?

Heute meinte die albanische Seite:
– keine Akzeptanz eines Namens „Nord-Makedonien“
– keine Akzeptanz eines Namens „Neu-Makedonien“

Wir sollten uns hüten, den Informationsrattenfängern auf den Leim zu gehen, das Netz ist bereits überfüllt mit Fake-News, die sich schon auf die Weltpolitik ausgewirkt haben sollen.

Und für eine derartige Entwicklung, wie oben beschrieben, sollen die Makedonen ihren 4000 Jahre alten Namen hergeben, an einen Staat, der einst von Tito aus reinem politischem Machtkalkül den griechischen Namen Makedonien erhielt?

Meiner Ansicht nach könnte der Staat auch „Neu-Vardarska“ genannt werden, da einst existent, dieser Name wäre für die große, ca. 35%ige albanische Volksgruppe akzeptabel.

Europabürger am

Völlig unqualifizierter Gastbeitrag eines verbissenen Nationalisten aus Hellas..Man merkt wie stark die Minderwertigkeitskomplexe der Hellenen bezüglich ihrer Nachbarn (die Mazedonier) sind. Griechenland sollte ernsthaft überlegen aus der EU auszutreten und die EU könnte sich endlich gesundschrumpfen und die Griechen auf ihrer eigenen wirtschaftlichen und kulturellen Probleme wieder herantasten. Nach meiner Meinung können das auch die Ungarn,die Polen etc…und alle die Freiheit,Frieden und Rechtsstaatlichkeit innerhalb der Eu nicht akzeptieren wollen.Die Griechen blockieren nur den essentiellen EU Entwicklungsprozess durch ihre aggressive Blockade- und Ausgrenzungspolitik gegenüber Mazedonien. Es zeigt wiedermal nur Schwäche und Ohnmacht der Hellenen und unverschämtes Auftreten gegenüber Mazedonien. Griechenland hat relevantere Probleme als immer wieder diese Phantomdebatten gegen Mazedonien zu führen. Es reicht und es nervt 99% der EU Bürger sehen das nicht so wie ihr Griechen! Mazedpnien ist Teil von Europa und auch Teil europäischer Geschichte und nicht nur ausschliesslich hellenischte und antike Nostalgie.

Der Makedone am

Im Artikel wird von einem „kleinen Mazedonien“ berichtet. Mir ist dieser Staat nicht bekannt, schaue ich auf der UNO-Liste, so finde ich ihn auch dort nicht. Suche ich auf der Seite des Bundesaußenministeriums, so finde ich diesen Staat auch nicht.

Wieso haben die deutschsprachigen Journalisten ein besonderes Interesse daran, den Staat „Ehemalige Jugoslawische Republik M.“ als Mazedonien zu betiteln?

Nützt es vielleicht der deutschen Wirtschaft und Politik, in dieser Region einen deutlichen Einfluss zu gewinnen, den man gegenüber dem historischen Makedonien, welches mind. 2500 Jahre existiert und von dem die Schulkinder bereits in der Schule lernen, dass es ein Teil der griechischen Welt war und ist, und bieten sich die Journalisten als Vorposten an?

Welchen Vorteil hätten die deutschen Journalisten, wenn sie die Propaganda von Tito fortsetzen, der die Slawen und Roma seines südjugoslawischen Gebietes erst 1944 zu Makedonien „machte“, um gegenüber Bulgarien und Griechenland ein Pfund zu entwickeln, und vor ihm bereits Hitler in dieser Richtung vorpreschen wollte?

Warum diese vorsätzliche Fehlinformation dem Leser gegenüber?


Erinnerung:
Die öffentliche Nutzung des Namens „Mazedonien“ als Bezeichnung der F.Y.R.O.M verstößt gegen die UN Resolution 817/93.

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