Der frühere rumänische König Mihai I. auf einem Archivbild aus 2011. Foto: picture alliance | Photoshot

Trauer in Rumänien
Zum Tode des früheren rumänischen Königs Mihai I.

König Mihai I. wird am 16. Dezember 2017 in Curtea de Arges beerdigt, der früheren Hauptstadt des Fürstentums Walachei, am Fuße der Südkarpaten. Dort liegen bereits seine Vorgänger auf dem Thron Rumäniens begraben.

 

Die Trauerfeierlichkeiten werden gleichzeitig eine Reise zu den für die Monarchie wichtigsten Standorten markieren: Aufgebahrt wird der Sarg zuerst im Schloss Pelesch in den Karpaten, dem neuen Stammschloss, das Ende des 19. Jahrhundert von Karl/Carol I. von Hohenzollern-Sigmaringen erbaut worden ist, dann im ehemaligen, originalgetreu restaurierten Thronsaal des Bukarester Königsschlosses, um schließlich nach Curtea de Arges überführt und beigesetzt zu werden.

 

Mihai hatte als junger Monarch Format bewiesen, als er sich dem Putsch der bürgerlichen Parteien unter (leider) Einbeziehung der Kommunisten anschloss, die den mit Hitler verbündeten Militärdiktator Marschall Ion Antonescu entmachteten. Format bewies das junge und de facto machtlose Staatsoberhaupt auch, als er mit einem sogenannten „Königlichen Streik“ gegen die Machtergreifung der von Stalins Truppen unterstützten Kommunisten protestierte und sich ergebnislos weigerte, die demokratievernichtenden Gesetzen zu unterschreiben.

 

Es folgte 1947 seine von den Kommunisten erzwungene Abdankung, das Exil in der Schweiz. Dort sorgte der Vater von fünf Töchtern mit ganz normalen, unaristokratischen Berufen für seine Familie, obwohl bis heute nicht aufgeklärte Gerüchte davon sprechen, er habe das Land mit einem beträchtlichen Vermögen verlassen dürfen. 1990 versuchte er in seine Heimat zurückzukehren, konnte zwar einreisen, wurde aber kurz darauf von einem Polizeiaufgebot verfolgt, zur Umkehr und zum Abflug gezwungen.

 

Ein zweiter Anlauf im Jahr 1992 gelang schließlich: Er wurde von mehr als einer Million Menschen in einem von monarchischem Enthusiasmus überbordenden Bukarest bejubelt. Ein zweiter Besuch wurde jedoch von den damals regierenden Wendekommunisten verhindert, weil sie Mihai als politische Konkurrenz fürchteten. Man meinte damals, er könnte die gespaltene und diffuse Opposition zusammenbringen und ihr Profil verleihen. Doch in Abwesenheit des Ex-Königs zählte die monarchistische Bewegung niemals mehr als 10 -20 Prozent und konnte eine einheitliche politische Vertretung nicht auf die Beine stellen. Ende der 90er Jahre schwand sie zur Bedeutungslosigkeit, selbst nachdem König Mihai, wie der ehemalige Monarch sowohl von seinen zahllosen Bewunderern als auch von Gegnern genannt wird, 1997 die rumänische Staatsbürgerschaft erhielt.

 

Ausgerechnet die Sozialdemokraten (die politischen Nachfolger der Kommunisten), die ihm noch in den Neunzigern die Rückkehr verweigert hatten, gaben ihm nach 2000 einen bedeutenden Teil des ehemaligen königlichen Besitzes zurück. Dazu zählte etwa das Schloss Pelesch und die „königlichen Güter von Savarsin“. Zudem wurden Mihai die Rechte zugestanden, die laut Verfassung einem ehemaligen Staatschef zugebilligt werden: Residenz, Sekretariat, Limousine, Fahrer, Leibwächter.

 

Im Gegenzug bereiste „König“ Mihai im Vorfeld des angestrebten EU-Beitritts Rumäniens die einflussreichen konstitutionellen Monarchien der EU und  trat für sein Land ein. Dass er ausgerechnet mit den Wendekommunisten der Sozialdemokratischen Partei  Frieden gemacht hatte, den direkten Nachfahren jener, die ihn seinerzeit zum Abdanken gezwungen und ihm die Rückkehr zu einem Zeitpunkt verweigert hatten, als er noch eine politische Rolle hätte spielen können, wird  bis heute auch von vielen seiner Bewunderer als Demütigung betrachtet.

 

Es sei zusätzlich demütigend, so die Kommentatorin Ioana Ene Dogioiu, dass Regierung und Sozialdemokratische Partei, die alles dransetzen um Rumänien von den Standards der europäischen Werte zu entfernen, am Allerlautesten um eine historische Persönlichkeit trauern, die für viele Rumänen diese europäischen Werte verkörpert.

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