Slobodan Praljak trinkt im Gerichtssaal in Den Haag eine noch unbekannte Flüssigkeit, bricht zusammen und stirbt später im Krankenhaus. Foto: picture alliance | AA

Suizid im Gerichtssaal
Wer war Slobodan Praljak?

„Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher. Ich weise Ihr Urteil zurück.“

Slobodan Praljak

Slobodan Praljak wird 1945 in Capljina geboren, einer mehrheitlich von Kroaten bewohnten Kleinstadt in Bosnien und Herzegowina. Dort schließt er seine Schulausbildung ab und studiert dann in Zagreb, wo er gleich drei Universitätsabschlüsse erwirbt in Elektrotechnik, Philosophie und Soziologie sowie in Theater, Film und Fernsehwissenschaften. Danach geht er als Regisseur ans Theater und dreht zudem mehrere Fernseh- und Dokumentarfilme. In den 90er Jahren arbeitet er zunächst für das kroatische Verteidigungsministerium und wird dann Kommandeur bei den Streitkräften des selbst proklamierten bosnisch-kroatischen Staates Herceg-Bosna. Praljak soll vor allem in Zagreb mehrere Immobilien, Restaurants und Tiefgaragen besitzen und außerdem an diversen Unternehmen beteiligt sein. Sein Vermögen wird auf 6,5 Millionen Euro geschätzt.

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(PK In Zagreb). Foto: dpa
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Der 72-Jährige hatte sich 2004 dem UN-Gericht selbst gestellt. Wegen Kriegsverbrechen in der Stadt Mostar war er 2013 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Praljak gehörte dem Gericht zufolge mit den übrigen fünf Angeklagten einer „kriminellen Vereinigung“ an. Sein Ziel – ein ethnisch reiner kroatischer Staat. Praljak war unter anderem angeklagt, im November 1993 die Zerstörung der Brücke von Mostar aus dem 16. Jahrhundert angeordnet zu haben. Dadurch sei der muslimischen Zivilbevölkerung „unverhältnismäßig großer Schaden“ entstanden, hatten die Richter im ersten Prozess erklärt. Praljak hatte stets seine Unschuld beteuert und saß 13 Jahre lang im Gefängnis. In dieser Zeit veröffentlichte er 18 Bücher, vor allem über die Jugoslawien Kriege.

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Der serbische Verteidigungsminister Aleksandar Vulin. Foto: picture alliance | AP Photo
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Heute sprach das Gericht in Den Haag das Berufungsurteil und bestätigte die 20-jährige Freiheitsstrafe gegen Praljak. Mit den Worten „Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher. Ich weise Ihr Urteil zurück.“ trank Praljak daraufhin im Gerichtssaal eine noch unbekannte Flüssigkeit, brach zusammen und wurde in ein Krankenhaus in Den Haag gebracht wo er starb.

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