Ratko Mladic vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag. Am 22.11. soll das Urteil gesprochen werden. Foto: picture-alliance | AP Photo

UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag
Urteil gegen Ratko Mladic

Das UN-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien wird am Mittwoch in Den Haag sein Urteil über den ehemaligen bosnisch-serbischen Militärchef Ratko Mladic verkünden. Er gilt als Hauptverantwortlicher für den Völkermord von Srebrenica 1995 mit mehr als 8.000 Toten. Im Gerichtssaal werden auch viele Angehörige der Opfer anwesend sein.

Video: Tamara Link

Wir trafen Nedzad Avdic. Er sollte in einem stillgelegten Bauxit-Werk -50 km nördlich von Srebrenica- mit Hunderten anderen bosnischen Muslimen im Juli 1995 sterben. Nur weil sich der damals 17-jährige tot stellte und stundenlang zwischen den Leichen seines Bruders und seines Vaters ausharrte, hat Nedzad Avdic als einer von wenigen überlebt.

Interview mit Nedzad Avdic

Mladic wird die Verantwortung für den Völkermord in der muslimischen Enklave Srebrenica und in sechs weiteren Gemeinden zur Last gelegt, ferner werden ihm auch Vertreibungen, Deportationen, der dreieinhalbjährige Beschuss Sarajevos sowie die Geiselnahme von UNO-Soldaten vorgeworfen. Sein Sohn Darko Mladic gibt nur selten ein Interview. Vor dem Urteilspruch machte er eine Ausnahme. Seit mehr als 5 Jahren läuft der Prozess vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal. Immer wieder hat Darko Mladic dort seinen Vater besucht und gemeinsam mit einem Anwalt an der Verteidigungsstrategie gearbeitet, die die serbischen Opfer in den Mittelpunkt stellt.

Interview mit Darko Mladic

In der Anklage werden mehr als 70 Massaker in 20 Gemeinden aufgelistet, die Folterung und Misshandlung von Zivilisten in 58 Gefängnissen und Gefangenenlagern. Während der 46-monatigen Belagerung Sarajevos ab April 1992 wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen etwa 10.000 Menschen, überwiegend Zivilisten, getötet. Mladic wurde nach langjähriger Flucht im Mai 2011 in der Ortschaft Lazarevo in der nordserbischen Provinz Vojvodina festgenommen. Die Haager Ankläger verlangten in ihrem Schlussplädoyer die Höchststrafe für den Angeklagten: lebenslange Haft. Seine Verteidiger plädierten auf Freispruch und versuchten in den vergangenen Monaten, die Urteilsverkündung angesichts Mladics Gesundheitszustandes hinauszuzögern. Mladic selbst zeigte sich während des Prozesses zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen unbeeindruckt und zeigte keine Reue.

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