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Über 150.000 Menschen haben Bosnien und Herzegowina seit 2013 verlassen, das sind etwa 4% der Gesamtbevölkerung. Foto: picture alliance | AP Photo

Viele junge Menschen verlassen Bosnien und Herzegowina
Die stille Revolution

Nach den Angaben der NGO „Union für nachhaltige Rückkehr und Integration in Bosnien und Herzegowina“ haben seit 2013 über 150.000 Menschen das Land verlassen, das sind etwa 4% der Gesamtbevölkerung oder fast die Einwohnerzahl der zweitgrößten Stadt des Landes Banja Luka. Meist sind es junge, gut gebildete Menschen die „in den Westen ziehen“, weil sie bei einer Jugendarbeitslosigkeit von fast 60% keine Zukunftsperspektive in Bosnien erwartet.

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Amna besucht einen Deutschkurs. Sie möchte in Deutschland arbeiten und hat sich beim Projekt „Tripple Win“ angemeldet, einer Kooperation der bosnischen Behörden mit der deutschen Arbeitsagentur. Foto: BR | Eldina Jasarevic
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Eine von Ihnen ist die 20-jährige Krankenschwester Amna Mujkic. In ihrem Beruf findet Amna in Bosnien einfach keinen Job. Wenn Krankenschwestern überhaupt eingestellt werden, dann nur mit Berufserfahrung. Diese kann Amna als Schulabgängerin aber nicht vorweisen. Amna hat deshalb eine Zeit lang als Verkäuferin gearbeitet, den Job aber schnell aufgegeben, weil die Arbeitsbedingungen zu schlecht waren.

Amna hat sich deshalb entschlossen, Bosnien zu verlassen. Sie hat sich beim Projekt „Tripple Win“ angemeldet, einer Kooperation der bosnischen Behörden mit der deutschen Arbeitsagentur. Hier bekommt sie einen Job als Krankenschwester oder Pflegerin in Deutschland vermittelt, die Agentur unterstützt sie bei der Wohnungssuche und zahlt ihr einen Deutschkurs beim Goetheinstitut. Ein Monatslohn von 1.900 € brutto im Monat ist ihr garantiert, das ist das Fünffache des Durchschnittslohns in Bosnien.

Neben der schlechten wirtschaftlichen Lage ist es auch der politische Stillstand, der junge Menschen dazu treibt, Bosnien zu verlassen. Marion Kraske, Leiterin des Büros der Heinrich Böll Stiftung in Sarajevo spricht von einem wahnhaften Nationalismus, der das Land beherrscht und von einer politischen Elite, die mit ethnonationalem Zündeln vor allem für den eigenen Machterhalt sorgt. Die Auswanderungsbewegung sei deshalb auch eine Art Protestbewegung – eine stille Revolution.

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Marion Kraske, Leiterin des Büros der Heinrich Böll Stiftung in Sarajevo. Foto: BR | Eldina Jasarevic
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