An den Jugendcamps von 'Progres' und 'Wings of Hope - Deutschland' nehmen Jugendliche aus allen Teilen Bosnien-Herzegowinas teil. Foto: Azra Frlj

Projekt 'Wings of Hope'
Für mehr Verständigung und Zusammenarbeit in Bosnien

Elvir Causevic war gerade mal 19 Jahre alt, als 1992 in Sarajevo der Krieg ausbrach. Damals hat er sich sofort als Freiwilliger der bosnischen Armee angeschlossen. Bereut habe er das nie, versichert er, damals hätte er einfach keine Alternative gesehen. Doch die schrecklichen Kriegserfahrungen, das Leid und die Trauer, die alle Menschen, unabhängig ihrer ethnischen Zugehörigkeit, in Bosnien ergriffen hat, haben ihn tief berührt.

Nie wieder Krieg

Bei einem Internationalen Jugendcamp der Stiftung ‚Wings of Hope‘ in Dachau 1996, kurz nach dem Kriegsende, hat er erfahren, dass es auch damals Alternativen für ihn gegeben hätte und dass Konflikte durch aktive Friedensarbeit nicht immer in kriegerische Auseinandersetzungen führen müssen. Seitdem arbeitet er aktiv an der Versöhnung und Völkerverständigung in Bosnien-Herzegowina mit, bewegt von dem Gedanken: ‚Nie wieder Krieg‘.

Vor sieben Jahren gründete Elvir Causevic dann den Verein  ‚Progres‘ in Sarajevo. ‚Progres‘ arbeitet zusammen mit der deutschen Stiftung ‚Wings of Hope‘ in ganz Bosnien-Herzegowina mit jungen Menschen unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit. Das Ziel ist es, ihnen Alternativen zu den nationalistisch motivierten, politisch-pädagogischen Manipulationen in ihren lokalen Gemeinden, aufzuzeigen. Denn 22 Jahre nach dem Kriegsende bestehen alle Ethnien in Bosnien-Herzegowina  nur auf ihrer Opferrolle im Krieg 1992-1995 und bestreiten Verbrechen in ‚ihren Reihen‘.  Schuld tragen immer nur die ‚Anderen‘, die den jungen Nachkriegsgenerationen als fremd, manchmal sogar als feindlich und gefährlich dargestellt werden. Solche Vorurteile und verunglimpfenden Darstellungen bilden sind ein guter Nährboden für Angst, Hass und Gewalt.

‚Progres‘ und ‚Wings of Hope – Deutschland‘ wollen dem entgegenwirken. Sie organisieren Jugendcamps, bei denen sie Jugendlichen aus allen Teilen des Landes für ein paar Tage zusammenbringen und sie ermutigen, sich besser kennenzulernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Die jungen Menschen agieren danach als Multiplikatoren für ein friedliches  Zusammenleben und Völkerverständigung in ihren lokalen Gemeinden.

 

Ein erfolgreiches Projekt. Elvir Causevic (12. v.r.) mit allen Projektbeteiligten: Teilnehmern, Arbeitgebern, staatlichen Vertretern und Partnern. Foto: Azra Frlj
Ein erfolgreiches Projekt. Elvir Causevic (12. v.r.) mit allen Projektbeteiligten: Teilnehmern, Arbeitgebern, staatlichen Vertretern und Partnern. Foto: Azra Frlj

Die Arbeit von ‚Progress‘ und ‚Wings of Hope‘ wird seit einiger Zeit durch eine weitere gefährliche Entwicklung im Land erschwert: Braindrain! In den letzten vier Jahren haben  über 150.000 Menschen  (etwa  4% der Gesamtbevölkerung) Bosnien verlassen. Die meisten von ihnen sind jung und hochqualifiziert. Sie verlassen das Land vor allem wegen der perspektivlosen politischen Atmosphäre und der hohen Arbeitslosigkeit. ‚Progress‘ und ‚Wings of Hope‘ versuchen dagegen anzukämpfen, indem sie jungen Menschen durch verschiedene Projekte die Möglichkeit bieten, ein Praktikum bei einem Unternehmen zu machen. Sie können dabei die Arbeitsmöglichkeiten in Bosnien besser kennenlernen und zugleich etwas verdienen, dem Werkbesitzer ihre Fähigkeiten zeigen und vielleicht sich so einen dauerhaften Arbeitsplatz bekommen.

Elvir Causevic lebt das, was er anderen nahebringen will, auch selbst vor. In dem Büro von ‚Progres‘ in Sarajevo hat er zwei Mitarbeiterinnen: Azra und Sanja. Eine Bosniakin und eine Serbin. Sie alle hoffen sehr, dass mit  dem Virus der Gemeinsamkeit möglichst bald wieder das ganze Land angesteckt sein wird.

Was Sie noch interessieren könnte

Kommentare (1)

Ottokar am

Bosnier sind Serben, Muslime und Kroaten welche in Bosnien-Herzegowina leben. Die Bezeichnung „Bosniake“ ist eine Eigenkreation des 20.Jahrhunderts und verwäscht die Tatsache dass alle 3 Ethnien zu Bosnien-Herzegowina gehörig sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.