Der Urologe Shahrokh Shariat trägt einen Schnurrbart im 'Movember', um andere Männer darauf aufmerksam zu machen, zur Vorsorge zu gehen. Foto: Shahrokh Shariat

Weltmännertag der Urologen der Uni Wien
November is Movember!

Im Jahr 2000 haben Urologen der Uni Wien den Weltmännertag ins Leben gerufen, an dem sich Männer mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen sollen. Und das aus gutem Grund. Denn Vorsorge steht bei Männern nicht gerade ganz oben auf der Prioritätenliste, sagt Shahrokh Shariat. Er ist Leiter der Urologie am Allgemeinen Krankenhaus Wien und spezialisiert auf die Krebsbehandlung beim Mann.

„Der Grund warum viele Männer nicht zur Vorsorge gehen, ist die Angst ein Problem zu finden, das sie gar nicht wissen wollen. Deshalb stecken sie lieber den Kopf in den Sand.“

Shahrokh Shariat, Leiter der Urologie am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Für viele Männer ist es immer noch ein Tabu zum Arzt zu gehen, sagt der Urologe. Und so werden Krankheiten wie Prostatakrebs, Diabetes, Herzprobleme aber auch zum Beispiel Depressionen nicht rechtzeitig erkannt. Die mangelnde Vorsorge habe dabei nicht viel mit Logik zu tun, meint der Urologe, sondern eher mit alten Rollen und Körperbildern:

„Das Körperverständnis ist ganz anders beim Mann. Er sieht sich als Maschine und wenn sie kaputt ist, muss man sie eben schnell fixen. Dazu kommt, dass es einem Mann oft peinlich ist zu sagen, dass er krank ist oder Untersuchungen hat.“

Shahrokh Shariat, Leiter der Urologie am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Auch wenn die Untersuchungen beim Urologen unangenehm sein können, einmal pro Jahr sollte man zu ihm gehen, rät Shahrokh Shariat. Spätestens ab dem 50. Lebensjahr, bei Vorerkrankungen in der Familie auch schon früher. Für Untersuchungen zu Diabetes oder Bluthochdruck sollte man zum Hausarzt gehen.

„Der Urologe ist im Grunde der Vertrauensarzt des Mannes. Bei ihm geht es um Sexualität, Intimität, Karzinomvorsorge oder zum Beispiel erektile Dysfunktion. Die erektile Dysfunktion zum Beispiel kann nicht nur das Paar in seiner Intimität verändern, sie ist auch ein Früherkennungszeichen für kardiovaskuläre Krankheiten. Denn die ganz dünnen Gefäße dort, sind die ersten, die leiden, bevor die größeren Gefäße ein Problem haben. Die Dysfunktion ist also ein Frühwarnzeichen.“

Shahrokh Shariat, Leiter der Urologie am Allgemeinen Krankenhaus Wien

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Shahrokh Shariat, Leiter der Urologie am Allgemeinen Krankenhaus Wien. Foto: BR | Christine Auerbach
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Insgesamt merkt Shahrokh Shariat aber in seiner Arbeit, dass sich die Männer in punkto Vorsorge verbessern. Vielleicht auch eine Wirkung von Aktionen wie dem Weltmännertag am 3. November den die Männerärzte der Uni Wien ins Leben gerufen haben. Oder dem November insgesamt, denn der ganze Monat steht eigentlich unter dem Motto Männergesundheit. Im „Movember“ – ein Kunstwort aus November und moustache, englisch für Schnurrbart – lassen sich weltweit im November Männer Schnurrbärte wachsen. Damit wollen sie andere Männer darauf aufmerksam machen, zur Vorsorge zu gehen. Shahrokh Shariat und sein Team lassen es natürlich auch sprießen:

„Das ist sehr peinlich aber wie machen jedes Jahr mit. Alle machen sich natürlich lustig, aber das ist gerade die Vision dahinter: Dass die Leute dich fragen, warum du einen Schnurrbart hast. Und dann sagst du: Um dich aufmerksam zu machen auf die Männervorsorge.“

Shahrokh Shariat, Leiter der Urologie am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Inzwischen machen auch Fußballspieler, Eishockeyspieler und Hollywoodstars beim Movember mit. Ein erster, guter Schritt sagt Shahrokh Shariat, der jetzt aber auch die Gesundheitspolitik am Zug sieht. Denn weil diese die Kosten der Vorsorgeuntersuchungen oft nicht übernimmt und keine Werbung dafür macht, sei eben Vakuum entstanden. Graswurzelbewegungen wie der Movember, so der Arzt, könnten das Vakuum zwar füllen und Aufmerksamkeit erregen, „aber um Nachhaltigkeit zu haben, muss das in feste Strukturen verankert sein“.

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