Agrokor - was wird am Ende von dem Großkonzern übrig bleiben? Foto: BR | Stjepan Milcic

Politkrimi um den kroatischen Handelsriesen Agrokor
Schwankendes Imperium

"Das (Anm. die Hausdurchsuchung) kommt doch mindestens zwanzig Jahre zu spät, denn schon in den Neunziger Jahren gab es verdächtige Machenschaften. Schon damals hätte man solche Ermittlungen machen sollen, und wenn man rechtzeitig reagiert hätte, dann wäre es zu den heutigen Problemen mit Agrokor gar nicht erst gekommen. Der Fall zeigt die enge Verbindung der politischen Eliten, mit den Oligarchen, von denen (Anm. Agrokorgründer) Ivica Todoric der Größte ist.“

Ivan Vilibor Sincic, kroatischer Oppositionspolitiker

„Wir hätten uns blind stellen können und alles dem freien Markt überlassen. Nach dem Motto, es geht hier um eine Privatfirma. Aber das wollten wir nicht. Wir konnten so ein großes Unternehmen wie Agrokor, mit einem solchen Einfluss auf die Nachbarländer doch keinem unkontrollierten Prozess überlassen. Mit so vielen Beschäftigten, mit dieser Bedeutung für die gesamte Wirtschaft, mit der Abhängigkeit vieler Zulieferfirmen.“

Kroatiens Premier Andrej Plenkovic über die Entscheidung, Agrokor Mitte 2017 unter staatliche Aufsicht zu stellen.

Das weitverzweigte kroatische Firmenimperium „Agrokor“, ist schwer zu durchschauen, doch nach monatelangen Ermittlungen schlug die kroatische Staatsanwaltschaft Mitte Oktober schließlich zu. Gleich dreihundert Polizisten durchsuchten rund sechzig Häuser und Wohnungen ehemaliger Topmanager des Unternehmens Agrokor. Auch Konzerngebäude oder die Räume des Firmengründers Ivica Todoric waren von der Polizeiaktion nicht ausgenommen. Zwölf Ex-Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder wurden vorübergehend festgenommen. Der Vorwurf der Ermittler: Verdacht auf Untreue und Bilanzfälschung und Irreführen von Geschäftspartnern, Investoren oder Banken. Die früheren Agrokormanager sollen dem Gründer des milliardenhoch verschuldeten Konzerns, Ivica Todoric, einen gesetzeswidrigen Vorteil in Höhe von fast 150 Millionen Euro verschafft haben. Nach Ansicht des Zagreber Landgerichts soll Ivica Todoric in Untersuchungshaft. Der Grund: Die Richter befürchten, dass Todoric Zeugen beeinflussen könnte. Doch der Unternehmer – und seine beiden Söhne – sollen sich im Ausland aufhalten, möglicherweise in London. Dort soll Todoric bereits einen Anwalt für Auslieferungsrecht engagiert haben. Und der einflussreiche Unternehmer meldet sich auch via Blog zu Wort: Das Ganze sei politisch motiviert. Agrokorgründer Ivica Todoric nutzte in den 90ern das Ende des jugoslawischen Sozialismus und kaufte staatliche Betriebe für einen Apfel und ein Ei. Im Gegenzug garantierte der findige Geschäftsmann, die Arbeitsplätze zu erhalten. Doch auch Spenden an die damalige wie heutige Regierungspartei HDZ vergaß er dabei nicht.

Seit Ende 2016 steckt der Lebensmittelriese aber so tief in den roten Zahlen, dass er seine Kredite nicht mehr bedienen kann. Die Gläubigerbanken drehen daraufhin den Geldhahn ab und der Politik wird es mulmig. Denn Agrokor ist ein wichtiger Arbeitgeber auf dem Balkan und beschäftigt etwa 60.000 Menschen. Rund 40.000 in Kroatien. Die anderen in Tochterfirmen wie Mercator oder Konzum, vor allem in Slowenien, aber auch in Bosnien, Serbien und Montenegro. Wenn Agrokor hustet, dann bekommen diese Länder mindestens eine dicke Grippe und die gilt es zu verhindern. Nach diesem Motto handelt der kroatische Premier Andrej Plenkovic im April dieses Jahres. Seitdem steht das private Unternehmen Agrokor unter staatlicher Aufsicht. Der Staat hat Agrokor einen Sanierungsplan verpasst und die Politiker beknien derweil die Gläubigerbanken. Allein bei der russischen Sperbank steht der Konzern mit mehr als einer Milliarde Euro in der Kreide.

Inzwischen befasst sich auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit dem Problemkonzern. Er soll die korruptionsanfällige langjährige Verbindung zwischen Politikern und Agrokormanagern aufklären.

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'Konzum s vama kroz zivot' - 'Mit euch durchs Leben' - das ist das Motto von Todoric. Foto: BR | Stjepan Milcic
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