Benny (18) hat den Eindruck, dass im Wahlkampf nur noch gestritten wird. Es werde nur gehetzt und sich gegenseitig fertig gemacht, um Politik gehe es nicht wirklich. Themen, die ihn interessieren, haben im Wahlkampf kaum stattgefunden, sagt er. Foto: BR | Srdjan Govedarica

Jungwähler vor der Nationalratswahl in Österreich
Von wegen politikverdrossen

Junge Menschen haben nicht den Ruf, besonders an Politik interessiert zu sein. Dieses Klischee scheint bei der Wahl zum österreichischen Nationalrat nicht zuzutreffen. Der 18-jährige Skater Benny aus Wien, der wie etwa 300.000 andere Österreicher auch am 15. Oktober zum ersten Mal bei der Nationalratswahl abstimmen wird, hat sich im Vorfeld der Wahl sehr genau informiert und die Parteiprogramme der Parteien studiert, die ihn interessieren. Vom Wahlkampf zeigt er sich enttäuscht und findet, dass vor lauter Gezänk echte politische Diskussionen zu kurz kommen. Dabei gebe es viele Themen, die ihn sehr interessieren –  Umweltschutz etwa oder die Frage, ob er eines Tages mit einer angemessenen Rente rechnen kann.

Benny ist mit seinem Interesse an politischen Themen keine Ausnahme, sagt Florian Oberhuber, Forscher am Wiener Sora-Institut: „Wir haben Momentan ein sehr hohes politisches Interesse auch bei den 16-, 17-, 18-jährigen. Man kann sagen, sechs von zehn sind zumindest ziemlich an Politik interessiert. Das ist ein ziemlich hoher Wert.“ Zwar sei bei der jungen Zielgruppe schon eine gewisse Verdrossenheit vorhanden, diese betreffe aber Parteien und Politiker und nicht politische Themen. Die emotional geführte Debatte um Migration und Flüchtlinge, die den öffentlichen Diskurs in Österreich seit 2015 beherrscht, habe zu einer verstärkten Politisierung der Gesellschaft geführt, sagt Florian Oberhuber. Das gilt für alle Wählerschichten und lässt sich auch bei jungen Menschen feststellen.

Das relativ hohe politische Interesse junger Menschen in Österreich führt Florian Oberhuber auch darauf zurück, dass in Österreich schon ab 16 Jahren gewählt werden darf. Das bestätigen Studien des Sora-Instituts: „Wir konnten sehr genau zeigen, das Wählen keine Fähigkeit ist, die naturgemäß mit 21, 19 oder 18 Jahren bei uns heranwächst. Sondern das ist etwas, was wir lernen können, so wie wir andere Dinge lernen. Und wenn ein Lebensereignis wie Wahlen früher stattfindet, dann kommt auch das politische Interesse und auch die Kompetenzen, die dazugehören, früher.“

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Viele junge Wähler zeigen sich enttäuscht vom Wahlkampf und den behandelten Themen. Politikverdrossen sind sie davon jedoch nicht. Foto: BR | Srdjan Govedarica
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