Die Spitzenkandidaten der drei großen Parteien bei einer Debatte zu Beginn des Wahlkampfs. Es folgten mehr als 40 TV-Konfrontationen und unzählige Unappetitlichkeiten auf allen Seiten. Foto: picture-alliance | Herbert Neubauer

Österreich vor der Wahl
Wohin wandert die Alpenrepublik?

Die jahrzehntelange Politehe Österreichs zwischen Sozialdemokraten und Konservativen steht vor der endgültigen Scheidung: Wenige Tage vor dem Wahlsonntag überziehen sich Kern und Kurz, Kanzler und Außenminister, SPÖ- und ÖVP-Chef mit gegenseitigen Vorwürfen, wer hinter schmutzigen Wahlkampfmethoden und angeblich gekauften Parteispitzeln steckt. Die sogenannte Silberstein-Affäre um manipulierte Facebook-Seiten überschattet Österreichs Nationalratswahl.

In einem sorgsam geplanten Schachzug hat Sebastian Kurz die altbackene, angestaubte Volkspartei zum Koalitionsbruch geführt, Neuwahlen erzwungen und die ÖVP in eine „Liste Sebastian Kurz – die Volkspartei“ umgeformt. Pures Politik-Marketing eines jungen Aufsteigers oder mehr? Kanzler Kern kommt kaum nach, sein Manager-Image verträgt sich nicht mit dem verkrusteten Parteiapparat der SPÖ. Und die Rechtspopulisten von der FPÖ? Sie gehören nach über einem Vierteljahrhundert in der Politik längst zum Establishment und sind umworbener Koalitionspartner. Doch was steht hinter Kurz, Kern und Strache? Sollte es zu einer Neuauflage von schwarz blau kommen, warum rechnet dann kaum jemand mit großen Protesten gegen so eine Regierung, sowohl in Österreich, als auch auf Seiten der EU? Anders als im Jahr 2000, als es zum ersten Mal unter der Führung von Wolfgang Schüssel (ÖVP) zu einer solchen Koalition kam? Die Grünen haben schon angekündigt, gegen eine schwarz blaue Politik zu kämpfen, doch haben Grüne und Liberale überhaupt Chancen, als Reformkraft wahrgenommen zu werden? Ein Feature von Andrea Beer, Stephan Ozsváth und Clemens Verenkotte.

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Quo vadis Austria?

Flüchtlingskrise, Migration und innere Sicherheit sind auch in Österreich die Themen, die den Ausgang der Nationalratswahlen stark beeinflussen werden. Ob es also auch hier wie zu den Bundestagswahlen in Deutschland einen Rechtsruck geben wird, bleibt abzuwarten, denn viele Parteien versuchten in den vergangenen Wochen, diese Themen für sich zu vereinnahmen. So auch die konservativ ausgerichtete Neue Volkspartei des Sebastian Kurz, der mit Forderungen nach kompletter Schließung der Balkanroute, verstärktem Grenzschutz und Zuwanderungsbeschränkung der rechtspopulistischen FPÖ das Thema streitig gemacht hat.

Gegen einen vehementen Rechtsruck spricht auch, dass die FPÖ – anders als etwa die AfD in Deutschland – ja schon seit vielen Jahren im Nationalrat wie auch in den Landesparlamenten vertreten ist und insofern keine neue politische Kraft mit Überraschungsfaktor darstellt. Gleichwohl wird auch die FPÖ versuchen, so viele Wähleranteile wie möglich zu gewinnen, gerade angesichts der vehementen Glaubwürdigkeitskrise, die die SPÖ gegenwärtig mit ihrer von den Medien „Dirty Campaigning“ genannten Affäre durchzustehen hat. Vieles ist also in Bewegung wenige Tage vor der Nationalratswahl in Österreich. Eine aktuelle Reportage mit parteipolitischen Innenansichten von ARD-Korrespondent Michael Mandlik.

Autor: Michael Mandlik

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Christine Dériaz

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