Die Vision des Ezechiel, 1516, eines der berühmtesten Gemälde von Raffael. Foto: BR | Michael Mandlik

Raffael-Sonderausstellung in der Wiener Albertina
Die gezeichneten Visionen eines Genies

130 Zeichnungen und 18 Gemälde hat die Organisationsleitung der Albertina da zusammengetragen. Was für Laien auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär klingt ist aber in Wahrheit eine kunsthistorische Sensation. Denn es sind allesamt Originale eines der größten Genies der Hochrenaissance, Raffael Santi aus Urbino– und diese sind ansonsten in zahlreichen Museen quer über die ganze Welt verstreut.

Die chronologisch angelegte Ausstellung, laut Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder nach Van Gogh und Michelangelo die dritt-teuerste in der Geschichte des Hauses, bietet die seltene Gelegenheit, die Arbeitsweise Raffaels anhand seiner Studien und Skizzen eingehend studieren zu können. Ermöglicht habe dies, so Schröder, die „überwältigende Bereitschaft“ von unzähligen hochkarätigen Leihgebern sowie der Umstand, dass mit dem Ashmolean Museum in Oxford, das mit rund 100 Raffael-Zeichnungen über den größten diesbezüglichen Bestand verfügt, ein „wunderbarer Kooperationspartner“ gefunden worden sei. Aus Oxford, wo die Ausstellung „Raphael: The Drawings“ Anfang September zu Ende ging, kommen etwas weniger als 40 Zeichnungen, in etwa genauso viele wie aus der Albertina selbst, wo der Gesamtbestand 50 Blätter beträgt.

Video: Tamara Link

”Jede Zeichnung Raffaels führt ein Doppelleben“

Schon Oxford bewarb seine Zeichnungs-Schau als „once-in-a-lifetime exhibition“. So schwärmt nun auch Albertina-Direktor Schröder in Superlativen: „Jede Zeichnung Raffaels führt ein Doppelleben“, so Schröder. „Jede Zeichnung ist ein Kunstwerk sui generis. Auf der anderen Seite ist die Zeichnung für Raffael nur ein Durchgangsstadium.“

Eines der beliebtesten Motive Raffaels: das Jesuskind, das auf den in Wien zusammengetragenen Madonnen-Bildnissen in immer neuen Variationen zu sehen ist. Immer wieder erscheint es selbstvergessen spielend – fast ein Tabubruch für die damalige Zeit. Exemplarisch ist die Bedeutung dieser Ausstellung an der „Madonna dell‘ Impannata“ aus dem Palazzo Pitti zu sehen: In Sichtweite des faszinierenden Porträts seines damaligen Auftraggebers, des Mäzens Bindo Altoviti, ist nicht nur das extra für die Ausstellung restaurierte und in überraschendem Farbglanz erstrahlende großformatige Gemälde, sondern auch die geschlossene Serie aller erhaltenen Vorzeichnungen ausgestellt. „So haben Sie dieses Bild in Florenz noch nie gesehen“, strahlt auch Schröder. Die Raffael-Ausstellung in der Albertina ist bis 7. Januar 2018 geöffnet.

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