Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Sara Ristic von der Flüchtlingshilfe

"Kommt nicht nach Europa!"
Besuch bei einer Belgrader Flüchtlingshilfe

Im Stadtzentrum von Belgrad hat die Flüchtlingshilfe „Info Point“ ihre Büroräume: Seit Beginn der Flüchtlingskrise vor über zwei Jahren hilft die Nichtregierungsorganisation den Migranten, versorgt sie mit News  und Nahrung, mit WLAN und Waschgelegenheiten. Der junge Afghane Said Akbar kommt regelmäßig hierher. Seit 18 Monaten ist er in Serbien und versucht vergeblich, nach Norden zu gelangen. 35 mal habe er bereits die Grenze überquert. Stets sei er deportiert und nach Serbien zurückgeschickt worden. Wenn er mit seiner Mutter in Afghanistan telefoniere, belüge er sie, sagt  Said. Er schildere ihr, dass es ihm gut gehe und er in einen  schönen, gepflegten Flüchtlingsheim lebe. Ganz anders spreche er mit  Freunden, die noch in Afghanistan seien und ihn nach Rat fragen würden. Er sage dann immer:

“Bitte kommt nicht nach Europa. Es ist nicht so, wie mir einer sagte, dass Europa gut sei, dass man dort arbeiten könne, und in einem Monat reich werden würde. Ich lebe seit anderthalb Jahren in Serbien. Und ich sage jedem: Kommt nicht hier her! Und dann höre ich: ‚Ach was, Du machst doch Spaß. Warum bist du denn gegangen?!‘ Ich sage dann: ‚Ich habe einen großen Fehler gemacht!‘“

Serbien gilt als eine „Durchgangsland“ auf der Westbalkanroute, die seit dem EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen vom Frühjahr 2016 sowie den verstärkten Grenzschutzmaßnahmen weitgehend undurchlässig geworden ist. Seit diesem August, so beobachtet Sara Ristic von der serbischen Flüchtlingshilfe „Info Point“, steige die Anzahl der neuankommenden Migranten wieder.

„Im August verzeichneten wir den höchsten Anstieg von Neuankömmlingen seit Beginn des Jahres. Es waren vor allem irakisch-kurdische Familien, die über Bulgarien gekommen sind. In den Monaten zuvor waren es überwiegend alleinstehende Männer, die aus Afghanistan und Pakistan stammten, und die über Mazedonien nach Serbien gekommen sind.“

Sie führt den vorübergehenden Anstieg der Neuankömmlinge auf die Schließung der Mittelmeerroute zurück. Seitdem der Seeweg Richtung Sizilien weitgehend unterbrochen worden sei, würden Flüchtlinge versuchen, wieder über die Westbalkan-Route nach Norden zu gelangen. Allerdings: Die rumänischen Grenzschutzbehörden hätten ihre Kontrollen verschärft, die Flüchtlingsfamilien wieder zurückgewiesen. Deshalb sei,  so vermutet die serbische Flüchtlingshilfe „Info Point“, dieser Trend nicht von Dauer.

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Im Stadtzentrum von Belgrad hat die Flüchtlingshilfe „Info Point“ ihre Büroräume: Seit Beginn der Flüchtlingskrise vor über zwei Jahren hilft die Nichtregierungsorganisation den Migranten, versorgt sie mit News und Nahrung, mit WLAN und Waschgelegenheiten. Foto: BR | Dejan Stefanovic
0:00 | 0:00
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.