Dragan Vasiljkovic (re.) vor Gericht beim Prozessbeginn 2016 in Split. Foto: picture alliance | pixsell

Gericht in Split urteilt auch über den Tod des Journalisten Egon Scotland
„Kapetan Dragan“ wegen Kriegsverbrechen verurteilt.

„Also für mich ist wichtig, dass es ein Urteil gibt. Auch nach so vielen Jahren. Und ich glaube, dass man Kriegsverbrecher zur Rechenschaft zieht, ganz gleich wie viele Jahre es dauert, ist generell sehr wichtig. Und auch für (das ehemalige) Jugoslawien ist es wichtig.“

Christiane Schlötzer, Witwe von Egon Scotland. Der Journalist war für die Süddeutsche Zeitung auf einer Recherchereise in Kroatien. Er kam im Juli 1991 bei einem Angriff bei Glina südlich von Zagreb ums Leben, den Dragan Vasiljkovic befehligt hat.

„Damals glaubte man ja gar nicht, dass es in Europa wieder zu einem Krieg kommen könnte, der uns so nahe kommen würde. Auch Journalisten hatten ja schon fast vergessen, wie es ist in einem Kriegsgebiet zu arbeiten. Es gab damals auch keine Frontlinien und man wusste nicht wie die Front verläuft. Heute sind sich Reporter in Kriegsgebieten der Gefahr viel bewusster und werden besser ausgebildet.“

Christiane Schlötzer arbeitet bei der Süddeutschen Zeitung und hat nach dem Tod ihres Mannes Egon Scotland den Verein „Journalisten helfen Journalisten“ mitgegründet. Scotland war in einem Auto gefahren, das mit einem Presseschild gekennzeichnet war. Sein Tod hatte in Deutschland eine Diskussion über die Arbeit von Journalisten in Kriegsgebieten ausgelöst und unter anderem zur Gründung der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen geführt.

Fünfzehn Jahre Gefängnis. So lautet das Urteil des Kreisgerichts in Split. Nach einen Jahr Prozess hält das Gericht es für erwiesen, das der 62-jährige Serbe Dragan Vasiljkovic zwischen 1991 und 1993 Kriegsverbrechen begangen hat. Als Kommandeur einer paramilitärischen Gruppierung namens Kninjas, habe der gebürtige Belgrader gefangene Soldaten und Zivilsten in der selbstproklamierten Knin foltern und töten lassen. Richter Damir Romac sagte während der Urteilsverkündung: „Alle Zeugen haben in gleicher Weise die schlimmen Zustände im Gefängnis beschrieben und was die Aufseher betrifft, haben sie diese als sogenannte Kninjas beschrieben.“ Vasiljkovic sei auch bei dem Angriff auf den Ort Jukinac bei Glina südlich von Zagreb mit dabei und verantwortlich gewesen. Das Gericht gibt ihm damit auch die Schuld an dem Tod von Egon Scotland. Der 42-jährige Journalist war damals für die Süddeutsche Zeitung in Kroatien unterwegs. Am 26. Juli 1991 war Scotland mit einem Journalistenkollegen bei Jukinac in einen Hinterhalt geraten und von serbischen Scharfschützen tödlich in den Bauch getroffen worden.

Seine Witwe Christiane Schlötzer war für die Urteilsverkündung nach Split gereist. Auch nach so langer Zeit sei das Urteil für sie wichtig, sagte die Journalistin dem ARD Studio in Wien. Dragan Vasiljkovic habe vor Gericht versucht, zu beweisen, dass er mit dem Angriff auf den Ort Jukinac – bei dem ihr Mann ums Leben gekommen sei – nichts zu tun habe. Es habe aber Beweisstücke gegeben. In Interviews und auf Tonbändern habe er sich der Taten sogar gerühmt. Das Gericht habe sehr seriös verhandelt, so Schlötzer, die sich mit der Prozessführung in Split zufrieden zeigte. 60 Zeugen wurden verhört und die Akten umfassten 40.000 Seiten. Dragan Vasiljkovic selbst hatte vor Gericht alles bestritten und den Prozess als politisch motiviert bezeichnet. Dass er keine Einsicht gezeigt habe, sei in das Urteil eingeflossen so das Gericht in Split.

Von den fünfzehn Jahren Gefängnis werden Dragan Vasiljkovic die Jahre in der Untersuchungshaft in Kroatien und Australien angerechnet. Er hat die serbische und die australische Staatsbürgerschaft, denn 1967 war er nach Australien ausgewandert. Anfang der Neunziger kehrte er als serbischer Nationalist nach Jugoslawien zurück, weil er dorthin mit dem Schiff unterwegs war, gab er sich den Namen „Kapetan Dragan“, Kapitän Dragan. Nach den Jugoslawienkriegen setzte er sich wieder nach Australien ab. Bis zu seiner Verhaftung arbeitete er dort unter dem Namen Daniel Snedden als Golflehrer und Journalisten spürten ihn dort auf. Vasiljkovic wurde erstmals 2006 in Perth festgenommen. Nach jahrelangem juristischen Tauziehen wurde er schließlich Mitte 2015 nach Kroatien ausgeliefert.

„Das Urteil ist zum einen Teil ein Freispruch und zum anderen Teil eine Verurteilung. Ob wir Einspruch einlegen oder die Strafe annehmen müssen wir noch beraten.“

Tomislav Filakovic, Verteidiger von Dragan Vasiljkovic. Er hatte einen Freispruch gefordert. Sein Mandant hat während des Prozesses in Split alles bestritten. Allerdings hatte er sich auf Tonbändern und in Interviews seiner Taten gerühmt.

„Die Zeugen haben ausgesagt, dass sie misshandelt und an Händen und Füßen geschlagen worden sind zum Beispiel mit Gewehrkolben. Sie haben erzählt, dass sie serbische Lieder singen und Serbien huldigen mussten und wer einen Fehler machte wurde noch einmal geschlagen.“

Staatsanwältin in Split, Sanda Pavlovic Lucic. Ihrer Ansicht nach wurde die Folter und das Töten gefangener Soldaten und Zivilsten auf Anweisung von Dragan Vasiljkovic durch zahlreiche Zeugenaussagen belegt.

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Im Juli 2017 wurde in Glina in Kroatien, zur Erinnerung an den deutschen Journalisten Egon Scotland, dieses Denkmal aufgestellt. Trotz Presseschilds am Auto wurde er durch einen Bauchschuss von serbischen Heckenschützen getötet. Foto: picture alliance | PIXSELL
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