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Führt Ungarn einen Feldzug gegen die Auslandspresse?
Namensliste sorgt für Aufsehen

Es war das regierungsnahe Onlineportal „888.hu“, das mit einer Namensliste von Journalisten vier großer westlicher Medienhäuser für Aufsehen sorgte: Die Mitarbeiter des US-Mediums „Politico“, der Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg sowie des ZDF in Ungarn würden „nur voreingenommene, brandmarkende Propaganda“ über Ministerpräsident Viktor Orban, dessen Kabinettsmitglieder sowie das Land verbreiten. Sie seien ausländische „Propagandisten“ des US-Milliardärs George Soros, der in Ungarn geboren ist.  Agnes Urban, Medienexpertin bei dem Medienforschungsinstitut „Mertek“, spricht von einem Einschüchterungsversuch:

"Meiner Meinung nach sollte man es als eine Botschaft interpretieren. Eigentlich ist dieser Schritt für mich ziemlich unfassbar. Erklären kann ich es mir nicht anders, als dass sie (die Leute) etwas verängstigen wollten. Dass die ausländischen Korrespondenten nicht das Gefühl bekommen, sie dürften alles."

Agnes Urban, Medienexpertin bei dem Medienforschungsinstitut "Mertek"

Auch die wenigen regierungsunabhängigen ungarischen Medienerzeugnisse gerieten zusammen mit der Auslandspresse ins Visier von „888“. Die Regierung schränke die Arbeitsmöglichkeit unabhängiger Journalisten kontinuierlich ein, meint der Präsident des ungarischen Journalistenverbandes, Miklos Hargitai:

„Wir sind uns bewusst, dass es Listen gibt. Und wer auf der Liste ist, bekommt kein Interview von Regierungsbehörden. Sie werden keine Antwort auf ihre Fragen bekommen. Falls wir eigene Informationen haben und um Stellungnahme bitten, dann wird es in der staatlichen Presseagentur sofort mit der Regierungsinterpretation veröffentlicht."

Miklos Hargitai, Präsident des ungarischen Journalistenverbandes

Miklos Hargitai stellt sich mit seinem Journalistenverband vor die publizistisch angegriffenen Kollegen. Ungarns Medienlandschaft sei in Europa „beispiellos“, denn „bei uns gibt es nicht die traditionellen Medienunternehmen, sondern politische Eigentümer.“ Diese Situation habe nichts mit Georges Soros zu tun. 13 von 18 ungarischen Regionalzeitungen befänden sich mittlerweile im Besitz von Investoren, die der Regierung Orban nahe stünden. Unabhängigen ungarischen Medien – sowie ausländischen Medien – schlägt, je näher der Termin für die nächsten Parlamentswahlen im Frühjahr 2018 herannaht, ein scharfer Wind entgegen.

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Runa Hellinga, Präsidentin von HIPA (Hungarian International Press Assotiation) und Korrespondentin. Foto: BR | Attila Poth
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