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Rumänische Küstenwache in Alarmbereitschaft. Foto: BR | Videostandbild

Rumänische Küstenwache in Alarmbereitschaft
Die Angst vor der zweiten Flüchtlingswelle

So richtig erklären können sich das die Grenzschutzbehörden im rumänischen Küstenort Constanza auch nicht. Warum tauchen plötzlich wieder in verstärkter Zahl Flüchtlingsboote vor der Küste auf? Und warum gerade jetzt? Zuletzt war das im Sommer 2015 so gewesen, als der große Strom an Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan sozusagen großflächig über den Balkan Richtung Deutschland gezogen war.

Nach Schließung der Balkanroute, die auf diplomatischem Weg hauptsächlich zwischen Österreich und seinen südöstlichen Nachbarländern vereinbart worden war, hatte sich die Lage ja relativ schnell wieder entspannt – allerdings um den hohen Preis einer massiven Abriegelung einzelner nationaler Landesgrenzen mittels Sperrzäunen sowie polizeilicher und militärischer Überwachung. Und dennoch funktioniert auch dieses System bis heute nicht wirklich.

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Bericht  : Michael Mandlik

Kamera:  Daniel Dzyak

Schnitt  :  Roland Buzzi

„Was ist, wenn…“

Für Cosmin Barzan jedenfalls sind die erhöhten Flüchtlingszahlen an Rumäniens Küste höchst beunruhigende Anzeichen. Der Geschäftsführer der Flüchtlingshilfsorganisation CRC (Civic Resource Centre) mit Sitz in Constanza befürchtet, dass die derzeitigen Spannungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei direkten Einfluss auf das beiderseits geschlossene Flüchtlingsabkommen haben könnten. „Was ist, wenn man in der Türkei die Grundlagen für das Abkommen nicht mehr als gegeben ansieht?“

Die Angst vor einer zweiten großen Flüchtlingswelle, die dann mehr als noch vor zwei Jahren Rumänien treffen würde, beschäftigt nicht nur ihn.

Denn Rumänien hat etwas, was in vielen Ländern des Balkan längst Vergangenheit ist: offene, grüne Grenzen ohne Sperrzäune – gerade in Richtung Westen. Aus Sicht der Flüchtlinge wie aber auch der längst international vernetzten Schlepperbanden scheint der Seeweg von der türkischen zur rumänischen Küste inzwischen der am wenigsten riskante zu sein.

Schlepper wittern fette Beute

Sofern es die Wetterlage auf dem Schwarzen Meer erlaubt, ist man – abhängig vom Bootstyp – in einem, spätestens in zwei Tagen im EU-Land Rumänien angekommen. Und von Constanza aus sind es auf den Autobahnen bis zur deutsch-österreichischen Grenze gerade mal 18 Stunden Fahrtzeit.

Für den Fall, dass sich die Befürchtungen des Flüchtlingshelfers Barzan bewahrheiten sollten, wäre Europa um ein weiteres Mal massiv gefordert.

Denn niemand weiß bislang, wie man richtigerweise mit einer solchen Situation umgehen müsste. Auch nicht mit den möglichen Folgemaßnahmen. Wieder neue, zusätzliche Sperrzäune? Noch mehr Polizei, noch mehr Militär an den Grenzen? Die Schlepperorganisationen jedenfalls wittern schon längst wieder fette Beute.

 

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