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An diesem Infostand in Pristina sammeln junge Leute für die Behandlung eines 13-jährigen Jungen im Ausland der eine Erbkrankheit hat. Die Mutter des Jungen kann ihn aufgrund des veralteten und komplizierten Gesundheitssystems im Kosovo nicht behandeln lassen. Foto: BR | Andrea Beer

Das Gesundheitssystem ist veraltet und Krankenversicherung gibt es nicht
Krank werden im Kosovo? Besser nicht.

Wir haben schon öfter Geld für Kranke gesammelt. Jetzt für einen Jungen, dessen Mutter uns kontaktiert hat. Dass ihr Sohn im Kosovo nicht behandelt werden kann, ist nicht nur eine Geldfrage. Das System ist einfach nicht gut, denn die Krankenhäuser haben völlig veraltete Ausstattungen.

Albana studiert Politik und sammelt in ihrer Freizeit Geld für Kranke.

Unser Gesundheitssystem besteht aus drei Teilen. Was für großes Chaos gesorgt hat. Die Versorgung von Kranken ist nicht ausreichend finanziert und auch noch durch unterschiedliche Gesetze geregelt.

Blerim Syla. Der Gewerkschafter möchte das Gesundheitssystem reformieren, sieht aber keinen politischen Willen.

Blerim Syla ist sauer. Er ist Präsident der Gewerkschaft der Gesundheitsunion in Pristina. Diese vertritt rund 1.000 Ärzte, sorgt für Fortbildungen, hat die Ausbildung von Studierenden und die Rechte von Patienten im Auge. Aus seinem Hochhausbüro hat Blerim Syla einen guten Blick über Pristina. Doch die Aussichten auf ein effektives Gesundheitssystem würden ihm deutlich besser gefallen. Denn es besteht aus mehreren Ebenen, die sich teilweise blockieren. Teil eins: sind die rund 30 Familien-Gesundheitszentren im Land. Diagnose und Behandlung sind hier aber nur begrenzt möglich, denn es fehlt an Geld, Geräten und Fachkräften. Teil zwei sind die sechs regionalen Krankenhäuser. Dort gibt es Labore und Röntgenabteilungen. Aber auch hier fehlt das Geld. Und dann wäre da noch Teil drei; die staatliche Uniklinik in der Hauptstadt Pristina mit immerhin 2.500 Betten. Diese drei staatlichen Systeme sind zwar grundsätzlich umsonst, aber völlig unterfinanziert  und damit korruptionsanfällig. Eine Krankenversicherung gibt es auch nicht. Die Folge für die Kranken? Verheerend.

Kosovaren mit Geld lassen sich deswegen privat behandeln oder fahren ins Nachbarland Mazedonien. Laut Weltbank zahlen kosovarische Patienten jährlich bis zu einhundert Millionen Euro für Behandlungen im Ausland. Für Curr Gjocaj sind nicht die Ärzte sondern der Geldmangel das Problem. Er ist Direktor der staatlichen Uniklinik in Pristina und Chef von 6.700 Mitarbeitern. Allein für neue Geräte seien mindestens 50 Millionen Euro nötig, meint er. Von maroden Gebäuden ganz zu schweigen. Und auch Curr Gjocaj sieht deswegen die Politik am Zug.

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Der Gewerkschafter Blerim Syla hält eine grundlegende Reform des Gesundheitssystems für dringend geboten. Wer Geld hat lässt sich in Privatkliniken oder im Ausland behandeln. Foto: BR | Andrea Beer
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