Hunderte tote Delfin an der bulgarischen Schwarzmeerküste sind jedes Jahr traurige Zeugin illegaler Fischfangmethoden, wachsender Umweltverschmutzung und staatlichen Versagens. Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Delfinsterben an der bulgarischen Schwarzmeerküste
Tod im Meer

An der bulgarischen oder auch der rumänischen und ukrainischen Schwarzmeerküste werden immer wieder tote Delfine angeschwemmt. Mit zerschnittenen Flossen und Mägen voller Netz-Material. Allein 2016 zählten bulgarische Umweltschützer vierhundert tote Tiere. Angelockt von Fisch, verfangen sie sich in den hunderte Meter langen Bodennetzen illegaler Hochseefischer. Die grauen Säuger ertrinken dann in wenigen Minuten. Die illegale Fischerei ist technisch sehr gut ausgerüstet und zielt auf den Steinbutt, der sich teuer verkaufen lässt. Das sei der Haupt-, aber beileibe nicht der einzige Grund für das Sterben der drei Delfinarten im Schwarzen Meer, so der Meeresbiologe und ausgewiesene Delfinexperte Zwetan Stanew, der das Delfinarium in Varna berät. Es arbeitet nicht wissenschaftlich, aber Stanew hat nichts gegen diese umstrittene Tierdressur, solange es den Delfinen dort aus seiner Sicht gut geht. Auch Umweltverschmutzung, störend laute Meeresbohrungen oder der Klimawandel seien ein Problem für die Tiere im Meer. Lange wurden Delfine gejagt, zur Produktion von Fett- und oder Knochenmehl. Doch Mitte der 60er Jahre einigten sich die Schwarzmeeranrainer auf ein Fangverbot. Darunter die Sowjetunion und Bulgarien. Damals gab es schätzungsweise 1,5 Millionen Delfine im Schwarzen Meer. Bei einer Zählung 2016 (von Schiffen und von Flugzeugen aus) wurden gerade mal um die 200 000 gesichtet.

 

Delfinarium in Varna

Video: Ekaterina Popova

Für das Delfinsterben ist meiner Meinung nach eine Mischung von Gründen verantwortlich. In Bulgarien gab es das erste Massensterben 1989 durch einen Wurm der den Gleichgewichtssinn der Delfine zerstört hat. 2016 starben viele an der südlichen Schwarzmeerküste, weil die Wassertemperatur so hoch war. Bis zu 34 Grad. Die Delfine können sich dann nicht abkühlen, denn sie haben keine Schweißdrüsen. Grund für das warme Meer ist der Klimawandel.

Zwetan Stanew, Meeresbiologe aus Varna. Er berät das Delfinarium in Varna und hat mit dieser umstrittenen Form der Tierhaltung kein Problem. Das Delfinarium in Varna ist das einzige auf dem Balkan. Doch die Tiere dort stammen ursprünglich aus der Karibik, denn Schwarzmeerdelfine dürfen dort laut Gesetz nicht gehalten werden.

Der Delfinexperte Stanew hat in seinem langen Forscherleben viele tote Delfine obduziert. Die toten Tiere waren mit Schwermetallen belastet, hatten kaputte Nieren, Wunden am Darm. Lungenentzündung oder einen Herzschlag, starben aber auch eines natürlichen Todes. Mitte der Neunziger Jahre machte Stanew bei einer internationalen Untersuchung mit und entwickelte ein Schutzprogramm für die sensiblen Meeressäuger. Ergebnis schon damals: Das Meer als sauberen Lebensraum erhalten und illegalen Fischfang verbieten, der ja auch andere Tierarten bedroht. Seit Mitte 2016 gilt in Bulgarien ein Fischfangverbot in Delfingebieten, das die Fischereibehörde überwacht. Wer einen Delfin tötet wird mit einer hohen Geldstrafe oder sogar Gefängnis bestraft. Doch Umweltschützer wie Atanas Russew sehen den Staat weit mehr in der Pflicht.

Das bulgarische Umweltministerium hat es in den letzten beiden Jahren gerade mal geschafft, eine Verordnung zu schreiben, eine Tiefkühltruhe zu kaufen und einen Delfin zu obduzieren.

Atanas Russew von der Nichtregierungsorganisation „Rettet die Korallen“ kritisiert den Staat. Er sagt, dass nur fünf Prozent der Delfine, die im Meer sterben angeschwemmt werden. Die Dunkelziffer also weit höher liegt.

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Das Delfinarium in Varna, an der bulgarischen Schwarzmeerküste, kann Delfinen nicht ihren natürlichen, dafür aber einen sicheren Lebensraum bieten. Foto: BR | Ekaterina Popova
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Kommentare (1)

Sebastian am

Wir sind gerade aus dem Bulgarien Urlaub zurückgekehrt. Am letzten Tag, also vorgestern, wurde am Strand nahe dem Hafen von Burgas ein toter Delphin angeschwemmt. Er sah schon verwest, aber auch zerschnitten aus. Das Meer hat allgemein viele angespühlt an diesem Tag. Sehr viel Plastik Müll und Algen.
Es wird wirklich Zeit dass schwarze Meer besser zu schützen. Die großen Schiffe die man vom Strand aus sieht könnten dafür verantwortlich sein dass dieser Delphin sein Leben lassen musste.
Die Bademeister wussten übrigens nicht an wen sie den Kadaver melden sollten oder ob… Wir wissen aufgrund unsere Abreise nicht ob der Kadaver heute noch dort liegt. Die Vögel haben ihn gemieden, er hatte schwarze Flecken wie von Öl Verschmutzung. Traurig.

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