Die Lage am Schöttlbach hat sich mal wieder zugespitzt. Die freiwillige Feuerwehr Oberwölz ist bis weit nach Mitternacht im Einsatz, um den Ortskern zu sichern. . Foto: BR | Srdjan Govedarica

Nach den Unwettern in der Steiermark
„Wir haben alle Angst gehabt und das haben wir immer noch“

Wir haben hauptsächlich Schäden im Hinterland, bei den Zufahrten zu den Gehöften. Einen Weg dahin zu bauen, ist eine Kunst. Wie man es jetzt schafft, dort wieder Infrastruktur hinzubauen – das werden wir sehen.

Hannes Schmidhofer, Bürgermeister von Oberwölz

Oberwölz – mit rund 1000 Einwohner die kleinste Stadt im österreichischen Bundesland Steiermark – hat in den vergangenen Tagen viel Pech gehabt. Innerhalb nur einer Woche ist die Stadt fünf Mal überflutet worden. Es hat so heftig geregnet, dass die örtliche Bäche – genährt von Wassermassen aus den Bergen –  Häuser überflutet, Straßen unterspült und Brücken abgerissen haben. Viele Oberwölzer haben massive Schäden zu beklagen, einige stehen vor dem finanziellen Ruin. Werner Freisinger betreibt zum Beispiel eine kleine KFZ-Werkstatt in der Stadt. Die Wassermassen haben sie komplett überflutet, seine Maschinen und Werkzeuge sind nicht mehr zu gebrauchen.

Die Freiwillige Feuerwehr Oberwölz ist seit Tagen praktisch pausenlos im Einsatz, 580 Freiwillige arbeiten bis zur Erschöpfung, rücken immer wieder aus, um Sandsäcke zu stapeln, Hänge zu stützen und Trinkwasser auszufahren. Auch eine Einheit der Pioniere des österreichischen Bundesheeres hilft mit. Viele Oberwölzer packen mit an. Sie versorgen die Feuerwehr mit Proviant, schaufeln vollgelaufene Keller frei, helfen beim Schleppen der Sandsäcke. Selbst hochbetagte Fachkräfte sind wieder im Einsatz. So zum Beispiel der 79-jährige ehemalige Baggerfahrer Peter Meyer, der sich wieder an Steuer gesetzt hat und 12-Stundenschichten schiebt.

Besonders stark betroffen sind die Landwirte in der Region, die abgelegen in der Bergen leben. Ihre Ernten und Maschinen sind zum Teil zerstört, ihre Häuser von Erdrutschen und Schlammlawinen beschädigt. Einige sind noch von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Straßen und Wege zu ihren Höfen unter Geröll begraben liegen. Selbst die Feuerwehr kann viele nur auf Schleichwegen erreichen, zur Not werden sie mit dem Hubschrauber versorgt. Zur Zeit ist es noch nicht möglich, das genaue Ausmaß der Schäden zu beziffern. Das Land Steiermark hat für die betroffenen Gebiete 50 Millionen Euro Soforthilfe bewilligt, es ist aber davon auszugehen, dass die Schäden deutlich höher ausfallen werden. Alleine die relativ kleine Gemeinde Oberwölz rechnet mit Kosten von 2 Millionen Euro um zerstörte Straßen den Wege wieder instand zu setzen.

Wie haben alle Angst gehabt und das haben wir jetzt auch noch

Christian Mang, Landwirt aus Salchau

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Hier war vor dem Unwetter eine asphaltierte Straße. Jetzt versperren Tonnen von Geröll den Weg zu den Häusern. Foto: BR | Srdjan Govedarica
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Für mich beruflich bedeutet das, dass meine Firma defacto vor dem Ruin steht.

Werner Freisinger, KFZ-Mechaniker aus Oberwölz

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Wenn es in den Bergen stark regnet, bleiben den Oberwölzern etwa 45 Minuten, bis das Wasser den Ortskern erreicht. Die freiwillige Feuerwehr muss sich beeilen und Sandsäcke im Ortskern aufstellen. Foto: BR | Srdjan Govedarica
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