Premierminister Viktor Orban beim 60. Jahrestag zum Gedenken an den Aufstand in Ungarn 1956. Die Regierung lässt nun neue Lehrpläne für den Schulunterricht erarbeiten, in denen eine „patriotische und militärische Erziehung“ zum festen Bestandteil gehört. Foto: picture-alliance | dpa

Ungarische Jugend ans Gewehr
„Wehrkunde“ soll fester Bestandteil des Schulunterrichts werden

In Ungarn gibt es an einigen Schulen und Universitäten bereits freiwillige Wehrkunde-Kurse. Hier lernen die Teilnehmer die Struktur des ungarischen Militärs kennen, es werden Grundkenntnisse über Waffen vermittelt, es gibt Geländeübungen und Überlebenstraining.

Das reicht der Orban-Regierung nicht. Sie lässt neue Lehrpläne für den Schulunterricht erarbeiten, in denen eine „patriotische und militärische Erziehung“ zum festen Bestandteil gehört, für alle.

Es sei wichtig, dass Schüler etwas über Vaterlandsliebe lernen. Für demokratische Gesellschaften sei es gut, wenn die Bürger bereit seien, ihre Heimat zu verteidigen. So begründete Ungarns Vize-Staatssekretär für Bildung, Zoltan Marusza, die Entscheidung, im Interview mit der Zeitung „Magyar Idök“.

Allerdings solle es kein neues Fach „Wehrkundeunterricht“ geben. Marusza kann sich vorstellen, entsprechende Inhalte auf mehrere Fächer zu verteilen, z.B. Schießübungen, Judo und Karate im Sportunterricht, patriotische Lieder im Musikunterricht. An den ungarischen Schulen soll es einen neuen „Inhalt“, ein neues „Lebensgefühl“ geben, sagt Marusza.

Lehrergewerkschaften und Elternvertreter warnen schon lange vor einer drohenden Militarisierung der Schulen. Der ungarische Bildungsforscher, Peter Rado, kritisierte in der unabhängigen Zeitung HVG, dass 6- bis 12-jährige Kinder  mit Ideologien bombardiert würden. Sie würden Zwangsanpassung lernen, so dass die Regierung von Viktor Orban folgsame Untertanen bekomme.

Die ungarische Regierung hat bereits mehrere umstrittene Änderungen am Schulunterricht vorgenommen: Schulbücher wurden umgeschrieben, hin zu mehr patriotischen Inhalten und einem konservativen Familienbild. Seit 2012 werden alle ungarischen Schüler zu täglichem Sportunterricht verpflichtet. Damit sind viele Schulen überfordert. Sie müssen die Kinder in den Fluren oder auf der Straße turnen lassen.

Regierungskritiker sehen auch hier den Versuch, eine für militärische Zwecke fitte Generation heranzuzüchten. Die Orban-Regierung plant darüber hinaus, 200 Schießstände im ganzen Land errichten zu lassen, an denen auch Jugendliche ausgebildet werden sollen.

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Lehrergewerkschaften und Elternvertreter warnen schon lange vor einer drohenden Militarisierung der Schulen. Foto: picture-alliance | dpa
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