Immer wieder versuchen Menschen ohne gültige Papier über die grüne Grenze von Griechenland nach Mezedonien zu kommen. Foto: BR | Schaban Bajrami

Zwischen Warnschüssen und Hoffnung – Geflüchtete in Mazedonien
Stehenbleiben!

Die Szenen schreckten viele auf: Im August 2015 setzt die mazedonische Polizei Tränengas und Blendgranaten gegen Menschen auf der Flucht ein, die an der mazedonisch griechischen Grenze weiter in Richtung Westeuropa drängen. Auch im Lauf des Jahres 2016 kommt es an der Grenze immer wieder zu ähnlichen Zwischenfällen. Dort in Idomeni/Gevgelja, wo viele Menschen in einem  „wilden Lager“ ausharren, an der Grenze zu Griechenland. Idomeni ist seit Mitte 2016 geräumt und es ist vergleichsweise ruhig geworden an der mazedonisch griechischen Grenze.

Trotzdem kommen weiter Menschen ohne gültige Papiere über die grüne Grenze von Griechenland nach Mazedonien. So wie kürzlich vier junge Iraker. Sie seien aus Basra, erzählen sie uns und wollen weiter nach Schweden. Doch während des Gesprächs an der Autobahn nahe des Grenzorts Gevgelja, werden sie von einer Polizeistreife entdeckt und bis auf einen, versuchen sie zu fliehen. Einer der Polizisten ruft „Stehenbleiben“ und als drei der Iraker weiterrennen gibt er zwei Warnschüsse in die Luft ab.

Die zwei patrouillierenden Polizisten sind in einem Zivilauto unterwegs. Sie tragen Uniform, aber keine mazedonische. Das ist im Prinzip nicht ungewöhnlich, denn entlang der mazedonisch-griechischen Grenze unterstützen insgesamt 120 Beamte aus Ländern entlang der sogenannten Balkanroute die mazedonische Polizei, zum Beispiel aus Kroatien. In Mazedonien gibt es zur Zeit noch drei staatliche Unterkünfte für Menschen auf der Flucht, doch nur rund 40 Menschen sind dort untergebracht. Oft sind das Menschen ohne Geld oder Familie in Deutschland oder Österreich und Mütter mit Kindern. Nichtregierungsorganisationen schätzen aber, das rund 500 Menschen in Mazedonien auf der Straße oder in den Wäldern leben. In so eine Lage wollte der Syrer Nuri Stad auf keinen Fall geraten. Er strandete vor rund 16 Monaten in Tabanovce an der mazedonisch-serbischen Grenze. Er kehrte damals aber freiwillig nach Gevgelja zurück, denn er wollte unbedingt legal weiter nach Deutschland gelangen, wo seine Familie bereits lebt. Sein Weiterkommen organisierte der 63jährige Syrer mit Hilfe eines Anwalts von der Unterkunft Gevgelja aus, wo ihm Mitarbeiter des mazedonischen Roten Kreuzes oder der Nichtregierungsorganisation Legis halfen. Mit Hilfe des Anwalts, bekam er nun endlich die Ausreisepapiere nach Deutschland und zum Abschied kochte Nuri Stad ein syrisches Essen für alle.

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