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Der Hauptsitz der Politika in Belgrad. Die Zeitung ist in Erklärungsnot geraten, weil sie Artikel von erfundenen Autoren veröffentlicht hat. Foto: BR | Dejan Stefanovic

Serbiens Tageszeitung „Politika“ in Erklärungsnot
Erfundene Experten

„Ich habe den Eindruck, dass Politika benutzt worden ist, um einen mächtigen Mann zu verteidigen. Und zwar in einer sehr sensiblen Angelegenheit, die Familie und Kinder betrifft. Für mich ist das ein schrecklicher Missbrauch der Politika.“

Ljiljana Smajlovic, ehemalige Chefredakteurin der Politika und Vorstandsmitglied im Europäischen Zentrum für Presse und Medienfreiheit

Ein skurriler Fall von „Fake-News“ beschäftigt die serbische Öffentlichkeit. Die regierungsnahe Traditionszeitung Politika hat in den vergangenen Monaten drei Meinungsbeiträge veröffentlicht, die den Feminismus verteufeln. Die Autoren waren vermeintliche Experten aus dem Ausland mit wohlklingenden Titeln. Das Problem: Sie existieren nicht.

Die Redaktion der Politika spricht von Betrug und hat den Vorfall bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Was den Inhalt anbetrifft, hat die Redaktion in einem Folgeartikel ihre Entscheidung verteidigt, die Texte zu veröffentlichen. Sie seien ein Beitrag zur Meinungsvielfalt und entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion.

In der serbischen Öffentlichkeit gibt es Zweifel an dieser Version. Ljiljana Smajlovic, bis 2016 Chefredakteurin der Politika und Vorstandsmitglied im Europäischen Zentrum für Presse und Medienfreiheit, hält es für wenig wahrscheinlich, dass „Politika“ Opfer eines Betrugs geworden ist. Zum einen hätte sich mit einer einfachen Google-Recherche feststellen lassen, dass die Autoren nicht existieren. Zum anderen gebe es einen merkwürdigen zeitlichen Zusammenhang. Alle drei Artikel sind erschienen, nachdem der Belgrader Bürgermeister Sinisa Mali den Sorgerechtstreit um seine drei Kinder überraschend gewonnen hatte. Vorausgegangen war ein monatelanger Rosenkrieg, bei dem es auch um häusliche Gewalt ging. Ljiljana Smajlovic vermutet daher, dass die Artikel erschienen sind, um die Entscheidung des Gerichts nachträglich zu legitimieren: „ Ich habe den Eindruck, dass Politika benutzt worden ist, um einen mächtigen Mann zu verteidigen. Und zwar in einer sehr sensiblen Angelegenheit, die Familie und Kinder betrifft. Für mich ist das ein schrecklicher Missbrauch der Politika.“

Mit dem Fall der erfundenen Autoren hat sich auch der Serbische Presserat beschäftigt. Das Gremium stellte fest, dass Politika die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt hat und sprach eine Rüge aus.

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Die Beschwerdekommission des serbischen Presserats hat eine Rüge gegen die Politika ausgesprochen. Der Vorwurf: Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht. Foto: BR | Dejan Stefanovic
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