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Da es sich um ein Konzert im Freien handelte und kein Eintritt bezahlt wurde, war es kaum möglich die genaue Besucherzahl zu ermitteln: geschätzte 20 000 sollen es wohl gewesen sein. Foto: BR | Zoran Ikonic

Die Belgrader Philharmoniker spielen für ihre neue Konzerthalle
Belgrader Woodstock macht Druck

Es war ein einzigartiges Open-Air-Konzert, das mitten in Belgrad stattfand, da wo die Save in die Donau mündet.  Und es ist gut möglich, dass eine Großzahl der Zuschauer einst der Hippiegeneration angehörte.  Das bunte Publikum zählte etwa 20.000 Menschen, was „nicht ganz“ an die Besucherzahl des legendären Woodstock herankommt, aber doch eine beachtliche Zahl darstellt, wenn man bedenkt,  dass im Line-Up nicht  Jimmie Hendrix, The Who, Joe Cocker oder Janis Joplin aufgestellt  waren, sondern:  die Belgrader Philharmonie.

Für die Belgrader Philharmonie, war das der größte Auftritt im Freien seit der Gründung vor fast 100 Jahren (1923) und er wurde prompt zum größten Kulturereignis dieses Jahres gekürt.

 

Die Philharmonie hat nicht gespart, weder an der Bühne noch an dem Klang. Das weltweit beste und teuerste Anya-Sound-System sorgte für einen unglaublichen Klang. Foto: BR | Zoran Ikonic
Die Philharmonie hat nicht gespart, weder an der Bühne noch an dem Klang. Das weltweit beste und teuerste Anya-Sound-System sorgte für einen unglaublichen Klang. Foto: BR | Zoran Ikonic

Der gewagte und natürlich übertriebene Woodstock-Vergleich soll auf eine weniger bekannte Parallele mit dem musikalischen Großereignis aus dem Jahr 1969 hinweisen: das Veranstalter-Duo Michael Lang/Artie Kornfeld wollte damals ursprünglich ein Konzert organisieren, um den Bau ihres geplanten Ton- und Aufnahmestudios medienwirksam zu promoten.  Eine ähnliche Idee verfolgte der Veranstalter des Belgrader Konzerts, der langjährige Direktor der Belgrader Philharmonie, der bunte Vogel der serbischen Kulturszene, Ivan Tasovac. Er wollte so vor einem möglichst großen Publikum die zuständigen Behörden an ihr  Versprechen erinnern,  in genau drei Jahren eine neue, große Konzerthalle entstehen zu lassen.

 

 

Ivan Tasovac, Direktor der Belgrader Philharmonie, versucht seit Jahren eine neue Konzerthalle in Belgrad zu errichten. Der Durchbruch ist ihm nicht einmal während seiner zweijährigen Amtszeit als Kulturminister (2014-2016) gelungen. Erst jetzt, so scheint es, gibt es Grund zum Optimismus. Foto: BR | Zoran Ikonic
Ivan Tasovac, Direktor der Belgrader Philharmonie, versucht seit Jahren eine neue Konzerthalle in Belgrad zu errichten. Der Durchbruch ist ihm nicht einmal während seiner zweijährigen Amtszeit als Kulturminister (2014-2016) gelungen. Erst jetzt, so scheint es, gibt es Grund zum Optimismus. Foto: BR | Zoran Ikonic

Ohne Öffentlichkeitsdruck werden in Serbien oftmals nicht nur Versprechen,  sondern auch vertraglich festgelegte Verpflichtungen nur mit großer Verspätung  eingehalten. Ivan Tasovac weiß es selbst am besten. Bis vor kurzem war er nämlich als Kulturminister selbst in der Position, Versprechen zu machen und sie dann nicht einhalten zu können.  Deswegen ließ er als zusätzliches Druckmittel, den großen und glamourösen Zubin Mehta, den zeitweiligen Gastdirigenten der Belgrader Philharmonie, allein zu diesem Anlass aus den USA einfliegen. Dieser traf sich am Tag des Konzerts mit dem starken Mann der serbischen Politik, dem neugewählten Präsidenten Aleksandar Vucic,  um von ihm persönlich Garantien für dieses Vorhaben zu verlangen.  Der jetzt 81 jährige Mehta möchte das Eröffnungskonzert in drei Jahren dirigieren. Der Maestro kann sich in seinem Alter keine Terminverschiebungen leisten.

Die Philharmonie lud zum „Picknick an der Mündung“ ein. So wurde dieses musikalische Ereignis in den Medien angeworben. Mit der „Mündung“ ist der Veranstaltungsort in unmittelbarer Nähe der Mündung der Save in die Donau gemeint, genau die Stelle an der das neue Konzerthaus, die Belgrader „Elbphilharmonie“, entstehen soll.

Der jetzige Chefdirigent der Belgrader Philharmonie, Gabriel Feltz, der erst Anfang dieses Jahres von den Dortmunder Philharmonikern nach Belgrad wechselte, löste viele Sympathien aus, als er das Publikum in einem guten Serbisch begrüßte und gleich danach das Konzert mit dem Torero-Marsch aus Georges Bizets Carmen eröffnete.

Das ganze Konzert-Repertoire wurde in einer Internetumfrage vom Publikum gewählt. Manche Kompositionen erhielten bis zu einer Million Stimmen. Lediglich die Reihenfolge wurde vom deutschen Chefdirigenten, Gabriel Feltz,  festgelegt, der das ganze Konzert auch dirigierte. Nur zum Schluss und zur Begeisterung des Publikums, übergab Gabriel Feltz den Dirigentenstab an Zubin Mehta ab,  der das Konzert mit Beethovens 5. Symphonie und dem Radetzky Marsch zum spektakulären Ende brachte.

Den Musikliebhabern in Serbien bleibt jetzt zu hoffen, dass das Versprechen verschiedener Behörden und Präsident Vucic persönlich eingehalten wird,  dass die Belgrader Philharmoniker in drei Jahren tatsächlich in ihr neues Haus einziehen können und Belgrad mit der großen Konzerthalle ein neues ‚Kulturdenkmal‘ bekommt.

Der Rausch des begeisterten Publikums während des Konzerts in Belgrad war von einer anderen Art als der von Woodstock vor fast 50 Jahren und die Besucher werden sich sehr wohl an das Konzerthalle-Versprechen erinnern können. Nicht nur das,  Maestro Zubin Mehta hat sie aufgerufen, von Zeit zu Zeit nachzufragen und nachzuschauen, wie die Bauarbeiten vorankommen. Er wird es auch tun.

 

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Torrero-Marsch aus Georg Bizets Carmen

Video: Zoran Ikonic

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Die Belgrader Philharmoniker spielen Bolero (Maurice Ravel)

Video: Zoran Ikonic

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