Sarajevo. Foto: BR | Videostandbild | Zarko Bogdanovic

Blick nach Bosnien und Herzegowina
Westbalkangipfel ohne große Fortschritte für die Menschen?

Infrastruktur, Verkehr, Energie und die Möglichkeit über eine Vernetzung dieser Bereiche einen Wirtschaftsaufschwung in der Region herbeizuführen, um diese weiter an die EU heranzuführen. Diese Schwerpunkte wurden beim Westbalkan-Gipfel in der norditalienischen Stadt Triest beraten.  Ziel des Treffens in der Adria-Hafenmetropole ist es unter anderem, über die „Förderung und Dynamisierung der Kooperation in wichtigen Zukunftsbereichen“ einen regionalen Wirtschaftsraum auf die Beine zu stellen. „Gut funktionierende Infrastrukturnetze treiben das Wirtschaftswachstum an, bieten Geschäftsmöglichkeiten, ziehen Investitionen an und schaffen Arbeitsplätze“, hieß es im Vorfeld in einem Arbeitspapier. Bei dem vierten Westbalkan-Gipfel im sogenannten „Berlin-Prozess“ treffen einander die Staats- und Regierungsspitzen von Serbien, Albanien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und des Kosovo mit Politikern der EU, darunter Österreich, Kroatien, Slowenien, Italien, Deutschland, Frankreich und auch Großbritannien. Der „Berlin-Prozess“ wurde von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel 2014 ins Leben gerufen, um den Westbalkan-Staaten ein positives Signal hinsichtlich der Erweiterungsperspektive zu senden. Nach dem ersten Westbalkangipfel in Berlin (2014) fanden Treffen 2015 in Wien (2015) sowie in Paris (2016) statt.

Laut einer Umfrage erwarten  sich die Bürger Serbiens und Montenegros im Vergleich zu den anderen Westbalkanstaaten am wenigsten Vorteile durch einen EU-Beitritt. Das ergab eine in dieser Woche veröffentlichte Studie des Gallup-Instituts. Damit äußerten sich ausgerechnet jene zwei Staaten in der Region skeptisch, die am weitesten bei der EU-Annäherung fortgeschritten sind.

Das Gallup-Institut führte mit mindestens 1.000 Personen in Albanien, Bosnien-Herzegowina, im Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien Interviews. Die persönlichen Befragungen fanden in den Jahren 2015 und 2016 statt. Demnach erwarten sich 49 Prozent der Montenegriner und 40 Prozent der Serben durch den EU-Beitritt Vorteile, 25 bzw. 34 Prozent hingegen sind der Meinung, dass ihnen die Mitgliedschaft schaden könnte. 17 Prozent konnten sich in beiden Staaten nicht entscheiden.

Im Kosovo und Albanien ist der Anteil mit 84 bzw. 80 Prozent der EU-Begeisterten am höchsten unter den sechs Westbalkanstaaten. Dort zeigten sich lediglich vier bzw. zehn Prozent pessimistisch. Keine klare Meinung äußerten vier bzw. zwei Prozent.  Das Mittelfeld bilden hier Bosnien-Herzegowina und Mazedonien. In beiden Ländern glauben fast zwei Drittel der Befragten, dass die Vorteile eines EU-Beitritts überwiegen. Die EU-Skeptiker liegen hier bei jeweils fast einem Viertel. Der Rest – jeweils 13 Prozent – blieb unentschieden. Wir blicken exemplarisch nach Bosnien und Herzegowina.

Westbalkangipfel ohne große Fortschritte für die Menschen?

Beitrag: Till Rüger

Kamera: Zarko Bogdanovic

Schnitt: Adrian Klinkan

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