Die jubelnden Anhänger des regierenden Ministerpräsidenten Edi Rama sind von seinem Wahlsieg überzeugt. Foto: BR | Clemens Verenkotte

Alles nur Show?
Albaniens Regierungschef Edi Rama siegessicher

Donnerstagabend, kurz vor acht, auf dem Mutter Teresa Platz im Stadtzentrum von Tirana: Tausende von Anhängern der sozialistischen Partei PS sind gekommen, ein Fahnenmeer in Schwarz und Rot, der Doppeladler auf rotem Grund, aus gewaltigen Soundboxen wird der Menge eingeheizt. Private TV-Sender des Landes übertragen live, wie auch die  Wahlkampf-Auftritte der übrigen Parteien.

Zufuss kommt er: Begleitet von Bodyguards schlendert Edi Rama durch die Menschenmenge, der Ministerpräsident und Parteichef der Sozialisten, seit vier Jahren Regierungschef, zuvor über zehn Jahre lang Bürgermeister der Hauptstadt. Jeder sieht ihn, den großgewachsenen Mann mit dem kahlrasierten Kopf und grauem Drei-Tage-Bart. Er schreitet in offenem weißen Hemd und Jeans zur Bühne auf die Mitte des Platzes, heiser vom intensiven Wahlkampf bei oftmals 35 Grad im Land. Routiniert spult der amtierende Ministerpräsident, der Umfragen zufolge mit einem weiteren Mandat rechnen kann, seine Verdienste herunter: Steuererleichterung für kleine Familienbetriebe, besser ausgebildete Streifenpolizisten, mehr Ruhe und Ordnung auf den Straßen. Bei seinen Anhängern verfängt diese Bilanz.

 

Wir kennen ihn. Er ist gerecht, er ist fleißig, und arbeitet. Wir hoffen, dass er den Staat voranbringt, und wir sind auch religiös, deshalb hoffen wir, dass Gott ihm auch hilft.

Anhänger von Edi Rama

Die Wirtschaft hat sich verbessert. Es ist jetzt besser, als bevor Edi Rama an die Macht gekommen ist. Ich bin sicher, dass es einen Trend von vorne gibt, und ich hoffe, dass in den kommenden Jahren sich die Wirtschaft verbessern wird.

Anhänger von Edi Rama

Zwei große Parteien ringen um die Macht im nächsten Parlament von   Tirana: Die „Sozialistische Partei  PS“ unter Regierungschef Rama und die eher konservative  „Demokratische Partei DS“, unter Herausforderer Lulzim Basha, einem 43jährigen Juristen. Basha habe sich politisch verzockt, meinen albanische Analysten. Denn drei Monate lang, von Februar bis Mai dieses Jahres, hatten Basha und seinen Parteianhängern das Parlament boykottiert, vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten Protestzelte aufschlagen lassen – mitten auf dem Hauptkapitale, die deswegen ein Vierteljahr für den dichten Hauptstadtverkehr Tiranas gesperrt werden musste – und weshalb? Basha glaubte, dass sein Konkurrent mit seinem Beamtenapparat die Wahlen manipulieren würde.

 

Die Regierung hat nicht so viel Erfolg gehabt, weil wir in Albanien leben und sehen die Bilanz, aber zum ersten Mal: Die Opposition ist schwach und ist nicht Konkurrent. Und deshalb hat die Regierung profitiert.

Professor Afrim Krasniqi , Politologe an der Universität Tirana

Es überwiege die Enttäuschung über die mangelnden Fortschritte im Alltagsleben, wie Demoskopen die vorherrschende Stimmung vor den Wahlen am Sonntag beschreiben. Auch bei jungen Leuten ist dies anzutreffen. Sie sei noch nicht 18, Jahre alt und dürfte noch nicht wählen, sagt diese Schülerin. Aber: „Ich glaube, dass wenn wir am Montag hören werden, dass es eine Fortsetzung gibt, dass dieser Ministerpräsident weitermachen wird, dann wir erwarten auch nicht viel, weil sich nicht viel ändern wird. Das Leben wird normal weitergehen.“

Ungeachtet dessen zeigen sich der Regierungschef Edi Rama und seine Sozialisten siegesgewiss.  Nach seiner von Tausenden von Angängern bejubelten Rede steigen – vermutlich noch nicht einmal voreilig – Feuerwerksraketen in den sommerlich warmen Junihimmel der Hauptstadt.

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Der Wahlkampf findet selbst die Nacht hindurch statt. Foto: BR | Clemens Verenkotte
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