Gedenkstätte für die politischen Gefangenen des albanischen Hoxha-Regimes in der Hauptstadt Tirana. Foto: dpa

'Zufällig traf ich meinen Folterer'
Vom Umgang mit der kommunistischen Diktatur in Albanien

Als der albanische Diktator Enver Hoxha im Jahr 1985 stirbt, hat er das Land mit Bunkeranlagen überzogen, vollkommen isoliert und eine einschüchternde Schreckensherrschaft errichtet. Bis zum Zusammenbruch des Regimes in Albanien 1991 ist auch der Geheimdienst Sigurimi, ein berüchtigtes Machtinstrument der Alleinherrschaft der kommunistischen Partei. Nach der Wende wurden in den Archiven des Geheimdienstes oder des Innenministeriums viele Akten vernichtet oder manipuliert und erst seit 2015 regelt ein Gesetz den Umgang damit. Seit rund drei Monaten gibt es auch eine Art albanische Stasiunterlagenbehörde und viele Menschen brennen darauf, ihre Akten einsehen zu können. Auch Gezim Peshkepia hat das beantragt. Er war acht Jahre lang in  dem berüchtigten Lager „Ballsh eingesperrt. Doch der 77 Jahre alte ehemals politische Verfolgte fühlt sich systematisch behindert. Bisher hatte er nur zweimal kurz die Gelegenheit, seine Akten einzusehen.

 

Auch Agron Tufa kritisiert, dass die Akten im Grunde weiter unter Verschluss gehalten würden. Er ist Schriftsteller und Direktor des „Instituts für Studien der Verbrechen im Kommunismus“ in der albanischen Hauptstadt Tirana und auch Gezim Peshkepia ist in diesem Institut aktiv. Es dokumentiert Verbrechen, die während der kommunistischen Zeit begangen wurden, sammelt zum Beispiel Zeitzeugenaussagen über Arbeitslager oder Gefängnisse, aber auch Dokumente wie Tagebücher oder vor allem die Akten des damaligen Geheimdienstes sind interessant. Dass viele Täter weiter in Amt und Würden sind und  kein politisches und gesellschaftliches Interesse an Transparenz haben, verhindert nach Meinung von Agron Tufa die erfolgreiche Aufarbeitung und das Weitergeben von Wissen darüber. In Schulbüchern steht praktisch nichts über die Hoxhazeit. Und deswegen sieht der Umgang mit der Vergangenheit unter Umständen schockierend aus. Einmal trafen Gezim Peshekpia und Agron Tufa einen Mann auf der Straße, in dem Gezim seinen Folterer wieder erkannte. Beide haben sich schon Gedenkstätten in Deutschland oder die Stasiunterlagenbehörde in Deutschland angesehen. Und Agron Tufa kam beeindruckt von einer Tagung in der Gedenkstätte Auschwitz Birkenau zurück. Die Konzepte und der Umgang damit geallen ihm, genauso wie die Arbeit der Stasiunterlagenbehörde „Aber für uns eine Utopie“, erklärt Agron Tufa.

Laut offizieller Statistik waren während der Diktatur 32.000 Menschen in Arbeitslagern bzw. Gefängnissen eingesperrt. Sie litten unter Hunger, Krankheiten, den Folgen der Zwangsarbeit sowie unter körperlicher und seelischer Folter. 6000 Menschen kamen ums Leben.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Auch wenn immer mehr Details über das Regime Enver Hoxhas bekannt werden, pilgern immer noch 'alte Kommunisten' zum Grab des Diktator auf einem öffentlichen Friedhof mitten in Tirana. Foto: dpa
0:00 | 0:00
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.