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Die Vardar Champions League Sieger 2017 passieren den Triumphbogen in Skopje. Foto: BR | Sasko Golov

Vardar Skopje gewinnt die Handball Champions League
Internationale Mannschaft wird zum nationalen Helden

Stundenlang haben sie in der Hitze bei Temperaturen von über 30 Grad auf die neuen Nationalhelden gewartet. Tausende Mazedonier säumten die Straßen der Hauptstadt Skopje, um die Spieler des Handballvereins Vardar Skopje zu begrüßen, die Sieger der Champions League 2017. Mehr als drei Stunden brauchten die Athleten im geschmückten Panoramabus für die 20 Kilometer vom Flughafen „Alexander der Große“ zur Reiterstatue auf dem „Mazedonien“-Platz mitten in der mazedonischen Hauptstadt. Hunderte Autos begleiteten sie hupend durch ein Meer von Nationalfahnen. Nach dem letzten Besuch des jugoslawischen Staatsoberhaupts Tito Ende der 1970er Jahre hat es so einen Empfang nur zweimal in Mazedonien gegeben: Nämlich 2011, als die mazedonischen Basketballer den vierten Platz bei der Europameisterschaft belegten und 2012, als die Handball-Nationalmannschaft Platz 5 bei der EM erkämpfte.

 

Politische Lagerkämpfe nur in der virtuellen Welt

Spektakuläre Kulisse für solche Helden-Willkommens-Szenen ist der neugebaute Triumphbogen. Die Helden müssen ihn passieren, um auf die Bühne zu gelangen. Die ‚Porta Makedonija‘ ist Teil des Bauprogramms ‚Skopje 2014‘, das der vor kurzem abgewählte Dauer-Premier Nikola Gruevski gestartet hatte. Der neue sozialdemokratische Regierungschef Zoran Zaev ist ein ausgewiesener Gegner des Projekts. Er will nun untersuchen lassen, inwiefern kriminelle Machenschaften und Korruption mit im Spiel waren. Nicht nur am Projekt „Skopje 2014“ scheiden sich die Geistern in Mazedonien. Die Gesellschaft ist in zwei zerstrittene Lager geteilt: auf der einen Seite die ‚Patrioten‘, die die konservative Partei VMRO-DPMNE und Gruevski unterstützen und die anderen, die sie ‚Verräter‘ nennen. Das sind die Anhänger von Zaev, dem Sozialdemokraten (SDSM), der zusammen mit einigen ethnisch albanischen Parteien die neue Regierung anführt. Üblicherweise brechen Auseinandersetzungen zwischen den beiden verfeindeten Lagern bei jeder Gelegenheit aus – bei der Feier vor der „Porta Makedonija“ fehlten sie. Dafür toben sie in den Sozialen Netzwerken um so heftiger. Immer wieder geht es dabei auch um den Besitzer des Sportvereins Vardar, den russischen Geschäftsmann Sergej Samsonenko. Die Linken beschuldigen ihn, seine guten Beziehungen zum bisherigen Regierungschef Gruevski für seine lukrativen Geschäfte genutzt zu haben. Manche halten ihn sogar für einen Strohmann des Gruevski-Clans.

Wo das Volk „Helden“ zujubelt, sind auch Politiker nicht weit: Ex-Premier Gruevski war gleich zum Endturnier nach Köln gereist, Premier Zaev überbrachte Glückwünsche der ganzen Regierung und Präsident Ivanov schmückte Spieler und Verein mit Verdienstmedaillen.

 

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Siegesfeier und Feuerwerk

Video: Sasko Golov

Albaner nehmen an den Freudenfeiern nicht teil

Die Freudenfeiern wurden allerdings von einem Zwischenfall überschattet, der wieder die andere Trennungslinie offenbarte, die ethnische: Sie teilt die mazedonischen Staatsbürger in zwei Lager. Sie sind Bürger eines Staates, aber verschiedener Ethnien – orthodoxe Mazedonier und muslimische Albaner. Vier mazedonische Vardar-Fans verprügelten einen 23-jährigen Albaner und ritzten ihm ein Kreuz in den Rücken. Die Polizei konnte die Täter bisher nicht aufspüren. Die meisten mazedonischen Albaner haben deshalb die Siegesfeiern boykottiert und einige Intellektuelle der orthodoxen Seite haben den Verein Vardar aufgefordert, diese anti-albanischen Ausfälle seiner Anhänger zu verurteilen. Leider sind solche Hass-Attacken eine traurige Tradition – und die reicht zurück in jugoslawische Zeiten. Vardars Anhänger waren immer schon ethnische Mazedonier – egal ob im Fußball, Handball oder Basketball. Ihre verhassten Gegenspieler waren die ethnischen Albaner, die traditionell den kosovarischen KF Pristina anfeuerten. Noch aus diesen Zeiten stammen die Schmährufe, die auch heute noch durch die Stadien und Sporthallen schallen, wie: ‚Für Albaner – Gaskammern‘. Das fördert nicht gerade gemeinsame Freudenfeiern von Mazedoniern und Albanern im Land.

Hier sei nur am Rande angemerkt, dass in der Champions-League- Siegermannschaft nur drei ethnische Mazedonier mitspielen – zusammen mit vier Spaniern, vier Serben, drei Kroaten, drei Russen und einem Brasilianer.

Dem spanischen Trainer Raul Gonzales ist es gelungen, aus dieser bunt zusammengewürfelten Truppe ein siegreiches Team zu machen. Wer aber das ethnisch bunte Mazedonien einen will, wird vor einer ungleich schwereren Aufgabe stehen.

 

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Kommentare (2)

Der Makedone am

„Vardar Skopje, Sieger der Champions League 2017“

In dieser Zeit des Umbruchs in der Republik FYROM sind athletische Siege natürlich willkommen. Da die albanische Volksgruppe der Republik FYROM nicht mitfeiern will (so entnehme ich es dem Artikel), so können doch die anderen ethnischen Gruppem der Republik FYROM feiern und die Zeit ein wenig aufschönern:
die bulgarophonen Slawen, Roma, Türken und Vlachen der Republik FYROM.
(Der Makedone)

Aleksandar Treti am

„Albaner nehmen an den Freudenfeiern nicht teil“

Weil sie keine Vardar Fans sind, überhaupt ist Handball wenn man albanien und Ksovo ansieht nicht die populärste Sportart bei den Albanern. Alles andere was hier versucht wird zu konstruieren, dabei auch ein Vorfall der nur in albanische Medien existiert ist wirklich unterste Schublade

Sowas nennt man Lückenpresse

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