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Das idyllische Naturreservat Zasavica in Serbien, nur wenige Kilometer vom Fluß Save entfernt, beherbergt eine der größten Eselfarmen Europas. Foto: BR | Zoran Ikonic

Eine serbische Eselfarm
Pule - der teuerste Käse der Welt

Käsesorten gibt es wie Sand am Meer, hergestellt aus der Milch von Kühen, Schafen, Ziegen, oder etwas exotischer – von Büffeln oder Yaks. Aber der exklusivste Käse stammt von einem Vierbeiner, der uns schon seit Jahrhunderten gute Dienste leistet, aber in ganz anderen Zusammenhängen unsere Kulturgeschichte geprägt hat: der Esel.

„Ja, und der schmeckt nicht nur gut, sondern ist auch noch sehr gesund. Eselkäse schmeckt nussig und süß. Kenner vergleichen ihn mit dem spanischen Manchego-Käse“, erklärt Vuk Simic aus dem Naturreservat „Zasavica“ im Westen Serbiens.

Vuk folgt in diesem Familiengeschäft seinem Vater, Slobodan Simic, der vor 20 Jahren als begeisterter Naturschützer diesen Flecken Erde an einem Seitenarm des Sava-Flusses entdeckt  und aus ihm, allen bürokratischen Hürden zum Trotz, fast eigenhändig ein Naturschutzgebiet geschaffen hat.

Neben der ausgeprägten Pflanzen- und Vogelvielfalt haben wir mit der Zeit auch andere Tierarten angesiedelt: Wollschweine, Pferde, Biber, Esel - und wie Sie sehen fühlen sich alle wohl hier. Wir sind eine glückliche Familie

Vuk Simic vom Naturreservat „Zasavica“

Was die glücklichen Esel angeht, so liegt ihre Zahl bei etwa 220 Stuten und Fohlen und 15 Hengsten, und ist somit die bei weitem größte Eselsfarm Europas.

Da dieses Naturreservat über keine externen Finanzierungsquellen verfügt, hat man sich entschieden, den Haushalt mit dem Verkauf von Eselsmilch aufzustocken. Der Preis: 40 Euro pro Liter. Der junge Mann, Milos, dem ich beim Melken der Eselin zusehe, versichert mir, dass diese Milch äußerst gesund sei. Schon kleine Mengen täglich genügten, um Asthma, Bronchitis und Hautkrankheiten zu lindern. „Kleopatra badete ja bekanntlich in Eselsmilch, also muss die Milch auch wundersam für die Haut und die weibliche Schönheit überhaupt sein“ erzählt Milos, während er die Eselin melkt und der darunter stehende kleine Topf sich langsam mit Milch füllt.

Die Legende über Kleopatra und die Eselsmilch war auch das einzige, was mir über den Gebrauch von Eselsmilch bis dahin bekannt war.

 

Mehr über Eselsmilch und ein weiteres Produkt aus dieser Eselsfarm, nämlich den Eselkäse, Pule genannt, erfahre ich dann wieder von Vuk. Dieser hat in der Zwischenzeit einen ausländischen Geschäftsmann getroffen, der großes Interesse an dem Esel-Edelkäse aus Serbien gezeigt hat.

Seinem Wissen nach ist „Zasavica“ die einzige Produktionsstätte von Eselkäse  weltweit.  Die Technologie  wird deshalb streng geheim gehalten.  Diese Exklusivität der Produktion ist aber nicht der Grund für den extrem hohen Preis von 1.000 Euro für ein Kilogramm, was Pule zum teuersten Käse der Welt macht.  Der Preis errechnet sich aus der notwendigen Milchmenge, die für die Herstellung von einem Kilo Käse erforderlich ist. Ganze 25 Liter werden gebraucht. Für viele andere Käsesorten reichen weit weniger als 10 Liter aus. Es ist tatsächlich ein arbeitsintensiver Prozess, vor allem wenn man bedenkt, dass  eine Eselin  fast zwei Jahre braucht, um die für ein Kilo Käse notwendige Milchmenge  zu liefern.  Ob und wann es dieser Luxuskäse aus Serbien dann in die Regale der Feinkost-Geschäfte schaffen wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin haben Vuk und sein Vater noch eine Menge an bürokratischen Schlachten zu bestehen, „nicht zum ersten Mal“, meint Vuk.

 

Die Esel-Produktpalette: Milch, Käse, Likör, Seife, Tagescreme & Nachtcreme. Foto: BR | Zoran Ikonic
Die Esel-Produktpalette: Milch, Käse, Likör, Seife, Tagescreme & Nachtcreme. Foto: BR | Zoran Ikonic

Ich habe mich während meines Besuches bis über die Ohren in diese gutmütigen, liebenswerten und geduldigen Tiere verliebt. Störrisch sind sie auch nicht. Dieses Vorurteil kommt eigentlich von ihrer angeblichen Schreckhaftigkeit, die es so aber gar nicht gibt. Während andere Tiere wie zum Beispiel Pferde in Stress-Situationen um sich treten oder fliehen, harren Esel einfach stoisch aus, wenn ihnen etwas Angst einflößt. Sie warten dann, bis es irgendwie vorbei ist.
Der Name ‚Pule‘ für den Eselkäse stammt von dem serbischen Wort für Eselfohlen und wird – angesichts seines Preises – wohl nie in aller Munde sein, wie seine beliebten Konkurrenten Camembert, Gouda, Manchego oder Parmesan.

Viele liebevoll eingerichtete Details, die auch vom liebevollen Umgang mit den Tieren im Naturreservat
Viele liebevoll eingerichtete Details, die auch vom liebevollen Umgang mit den Tieren im Naturreservat "Zasavica" zeugen. Foto: BR | Zoran Ikonic
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Kommentare (1)

Stardream am

Was die Leute für Ideen haben… Grundsätzlich geht es doch nur noch um’s Geld und die Erfindung. Schade.
Eine Delikatesse, welche für Normallebende nicht bezahlbar ist.

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