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Fake News à la Ungarn. Foto: Bildmontage | picture alliance/dpa | BR

Fake News - à la Ungarn
Wie die Regierung Falschmeldungen produziert und verbreitet

Die meisten erinnern sich wohl an den „Fall Lisa“, 2016 in Berlin.  Das damals 13-jährige russlanddeutsche Mädchen Lisa war verschwunden. Als sie nach gut dreißig Stunden wieder aufgetaucht war, hieß es plötzlich überall, sie sei von Flüchtlingen entführt und missbraucht worden. Die Empörung war groß, die Stimmungsmache gegen Flüchtlinge überschlug sich. Schließlich kam heraus: alles war reine Lüge. Dem Mädchen war nichts passiert und Flüchtlinge hatten überhaupt nichts mit dem Fall zu tun. Die ganze Geschichte war eine „Fake News“, eine Falschmeldung. Solche Meldungen oder Verschwörungstheorien kommen immer öfter vor – meistens auf Sekundär-Webseiten oder in Marginalmedien. Über soziale Medien wie Facebook, oder Twitter werden diese ‚Nachrichten‘, diese Desinformationen, dann aber geteilt und so weiter verbreitet.
In Ungarn läuft das ganz anders. „Statt der Marginalmedien verbreiten Mainstream-Medien, also staatliche und regierungsfreundliche Medien in Ungarn Fake News“, sagt Attila Juhasz, Mitarbeiter des Political Capital-Forschungsinstituts. „Verschwörungstheorien sind bei den Ungarn populär. 27 Prozent der Bevölkerung glaubt oder verbreitet solche Theorien“, erklärt der Forscher auf einer von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützten Konferenz in Budapest, wo über Falschmeldungen und ihre Wirkungen diskutiert wurde.. „Seit zwei Jahren stehen Flüchtlinge und das ganze Flüchtlingsthema im Mittelpunkt der Falschmeldungen“, sagt Juhasz. Vor allem während der amerikanischen Präsidentenwahl und der Volksabstimmung über den Brexit in Großbritannien seien sie verstärkt aufgekommen. „In den Kampagnen spielten Flüchtlinge und Migration eine große Rolle“, sagt er. In Ungarn machte die Regierung selbst eine großangelegte Kampagne gegen Flüchtlinge. 2015 erschienen Plakate mit Botschaften der Regierung. Darauf war zu lesen: „Wenn du nach Ungarn kommst, musst du unsere Kultur respektieren!“ oder „Wenn du nach Ungarn kommst, darfst du den Ungarn nicht die Arbeit wegnehmen.“ Die Plakate waren nur auf Ungarisch und richteten sich somit nicht etwa an die Flüchtlinge, sondern an die einheimische Bevölkerung, um mit propagandistischen Mitteln die Position der Regierung zu stärken. Das war sehr durchschaubar, da ohnehin kein Flüchtling in Ungarn bleiben wollte und so nicht einmal theoretisch irgendein Arbeitsplatz gefährdet war.
Vor kurzem startete die Regierung nun eine neue Kampagne. Diesmal ist Georg Soros, der ungarisch-stämmige Milliardär aus Amerika, der Böse, das Feindbild. Laut Regierungspropaganda ist er für alles, was mit Flüchtlingen zusammenhängt verantwortlich. Diese Botschaft verbreiten unisono staatliche Medien, regierungsfreundliche Webseiten, Zeitungen und Boulevardmagazine.
„Fake News haben eine große Auswirkung auf die Politik“, meint der Gastprofessor der Freien Universität, Dániel Hegedüs, „in der EU und in den Mitgliedstaaten haben Politiker auf Probleme der Migration keine rationalen, professionellen Antworten gegeben, sondern haben auf die allgemein herrschende Stimmung reagiert.“ Attila Juhasz stimmt zu: „Viele Regierungen haben die Errungenschaften der liberalen Demokratie abgebaut. Sie haben Maßnahmen eingeführt, die die Menschenrechte einschränken, nur um der Stimmung in der Bevölkerung zu entsprechen,“.
Zsuzsanna Szelenyi, Politikerin der oppositionellen Partei ´Együtt´ (Zusammen) ist immer wieder überrascht, „dass die Menschen solchen Blödsinn glauben. Und ich finde es gefährlich. Es scheint mir, als ob viele Menschen ihr eigenes politisches Realitätsgefühl verloren haben.“ Und sie betont, dass „in Ungarn nicht nur etwa russische Quellen, sondern die Regierung selbst solche Falschmeldungen produzieren und verbreiten.“ Ihrer Meinung nach verbreiten die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Medien nichts anderes als reine Regierungspropaganda. Aber ebenso gefährlich sei es, mit Plakat-Kampagnen eine Bedrohung durch neu ankommende Flüchtlinge zu suggerieren,  und mit der Fragestellung in der Volksbefragung anzudeuten, Ungarn sei in Gefahr.
Und was denkt die Regierungspartei Fidesz über Falschmeldungen? Das wollten die Organisatoren auch gerne wissen. Aber die Partei hatte sich entschieden, nicht an der Konferenz teilzunehmen.

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Kommentare (8)

Werner am

„Laut Regierungspropaganda ist er (Soros) für alles, was mit Flüchtlingen zusammenhängt verantwortlich“

Soros finanziert doch einen Scharr an regierungsfeindlichen NGO`s.
Diese Leute bekommen mehrere 100.000$ um Unruhe zu stiften.
Kann man auch nachlesen, da sie es ja mittlerweile offenlegen müssen.

a.nym am

@Mulinski

Ist doch kein Märchen täglich kann man über die Maroden Autobahn brücken in Ost und West gehen (fahren) und die Blühenden Landschaften bewundern. Armut und Diebstähle/Einbrüche sind mit der Freiheit der EU sofort verschwunden. So das unsere Frauen und Mägde tanzend mit den „Migration hintergründigen „ins Neue Jahr feiern in Köln geleite werden.

Alles wird gut, den wir Schaffen das …

Jürgen Illing am

Wo bitte ist denn in dem Artikel irgendein Beleg für die spektakuläre Titelzeile, dass die ungarische Regierung fakenews produziert? Zwar wird dies in dem Artikel mehrfach behauptet, aber nicht mit einem einzigen Beispiel belegt. Bezeichnend, dass auch nur Politiker zitiert werden, deren Parteien mit der ehemaligen Staatspartei MSZP Listenverbindungen eingegangen waren. Auf Deutschland übertragen bedeutet dies, dass Vertreter dieser Parteien mit der SED=PDS=Linke auf einer gemeinsamen Liste zu Wahlen antreten würden. Und diese Herrschaften wollen Sie im Ernst als Kronzeugen für fakenews der ungarischen Regierung anführen, ohne auch nur ein Beispiel dieser fakenews zu benennen? Ein solches Niveau ist des Bayerischen Rundfunks unwürdig.

    Studio Wien am

    Sehr geehrter Herr Illing,

    im Text wird darauf hingewiesen, dass kein Regierungsvertreter trotz Einladung bereit war, an der Konferenz teilzunehmen. Als besonders haarsträubender Beleg für Fake News in den staatlichen ungarischen Medien mögen unter anderem die Feierlichkeiten zur neuen Verfassung 2012 dienen. Tausende protestierten, das ungarische Fernsehen zeigte sie nicht. Beispiele wie diese gibt es immer wieder, wie Sie hier nachhören können: https://www.ard-wien.de/2017/02/06/ungarn/

    Mit freundlichen Grüßen,

    ARD Studio Wien

      Jürgen Illing am

      Auch in Ihrem Feature findet sich nicht ein einziger Beleg für Ihre These, die ungarische Regierung produziere und verbreite fakenews i.S. Ihrer oben im Artikel verwandten Definition, der „reinen Lüge“. Allerdings scheinen Sie auch im Feature tendenziös und unzutreffend zu berichten: Sie lassen ausgerechnet Pál Lendvai als Osteuropakenner zu Wort kommen. Ist Ihnen die Vergangenheit des Herrn vor der Wende nicht bekannt? Sie bezeichnen die ehemalige Zeitung der Staatspartei Népszabadság, vergleichbar unserem Neuen Deutschland, als linksliberal. Das mag Ihre persönliche Meinung sein, objektiv darf man das aber sicher bezweifeln. Ohne Zweifel jedoch berichten Sie objektiv falsch, indem Sie über das ganze Feature hinweg insinuieren, die Orbán-Regierung habe auf die Einstellung der Népszabadság Einfluss genommen, nicht jedoch den drastischen Auflagenverlust des ehemaligen Parteiorgans von 700.000 auf weniger als 40.000 erwähnen; Sie lassen zudem unerwähnt, dass Eigentümer des Blattes bis 2014 der Schweizer Ringier-Verlag und die ehemalige Staatspartei selbst waren. Wie soll denn die ungarische Regierung auf deren Verkaufsentscheidung Einfluss genommen haben? Sicherheitshalber haben Sie dort nicht nachgefragt, jedenfalls berichten Sie darüber nicht. In Ihrem Feature kommen auch deutsche Verlage nicht zu Wort, die in auf dem Medienmarkt in Ungarn tätig sind. Deren Einschätzung hätte Ihre Thesen von „Säuberungswellen in staatlichen Medien“, „Investoren vertrauen dem Rechtsstaat in Ungarn nicht mehr“ etc., wie ich Ihnen als beruflich seit mehr als zwei Jahrzehnten in Ungarn Engagierter versichern kann, gewiss nicht unterstützt. Als Ungarnkenner, der von populistischen Parteien in beiden Staaten weit entfernt ist, machen Ihre beiden Berichte mich fassungslos: Sie entsprechen bspw. in Bezug auf Ihre Aussagen zu Rechtsstaat, Rechts- und Rechtsanwendungssicherheit keineswegs den Tatsachen. Sie erzeugen Stimmungen, die durch Fakten nicht gedeckt sind. Vielleicht schließt sich ja der dem Qualitätsjournalismus verpflichtete BR meiner Einschätzung an? P.S. Und bitte verzichten Sie doch darauf, Ihren „Anonymus“ erneut applaudieren zu lassen. Vielen Dank.

      a.nym am

      Freudig überrascht,
      anders als ihre Ard-Tagesschau Kollegen kommentieren Sie und stellen Beiträge(Kommentare) der User Richtig !
      Sehr Erfreut danke und weiter So !

      Danke Sehr

Wortreich am

Sehr geehrte BR, eigentlich könnten sie sich mit solchen Berichten den/die Ungarn Korrespondenten einsparen.
Übernehmen sie doch gleich die Position der ungarischen Grünen und Sozialisten und verkünden es als „die Wahrheit“.
Schade, dass diese Propaganda auch noch über deutsche Gebührengelder zwangfinanziert werden muss.

Mulinski am

Staatliche Propaganda? Ist ja wie bei uns, erinnert sei nur an das von den Medien permanent wiederholte Märchen Flüchtlinge seinen Fachkräfte und würden für ein neues Wirtschaftswunder sorgen.

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