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Sissi und Franz wie man sie kennt und liebt: Diese Verkitschung im Film hat das Bild der österreichischen Monarchie maßgeblich geprägt. Foto: picture alliance |United Archive

Adel in Österreich
Eure Majestät? - Streng verboten!

Küss die Hand, Gnä‘ Frau! Das ist in Österreich nicht nur erlaubt, sonder auch erwünscht. Küss die Hand, Eure Majestät! Das ist dagegen verboten. Nicht wegen des Küssens, sondern weil die Anrede mit Majestät unter Strafe steht. Genauso die Anrede mit Baron, Herzog oder Freiherr sowie ein „von“ oder „zu“ im Namen. So wird aus dem letzten Kaisersohn der Habsburger nicht etwa Otto von Habsburg, nein, Otto Habsburg hat er sich zeit seines Lebens genannt. Auch wenn der Titel in weiterhin als Angehöriger des Herrschergeschlechts auswies. Der Grund dafür ist ein Gesetz von 1919: Das Adelsaufhebungsgesetz oder Anti-Adels-Gesetz, das bis heute Verfassungsrang hat. Mit der Gründung der Ersten Republik brach man in Österreich radikal mit der Monarchie und dem Adel. Mit dem sogenannten Habsburger-Paragrafen verbot das neue Parlament den Nachfahren des letzten Kaisers nicht nur den Titel, sondern auch, dass sie politische Ämter bekleiden dürfen. Für damalige Verhältnisse war das eine logische Handlung, wollte man sich doch lossagen vom Erbe der ehemaligen Donaumonarchie. Auch die Strafe war für damalige Verhältnisse empfindlich: 20 000 Kronen musste man bezahlen oder es drohte sogar ein Gefängnisaufenthalt, wenn man das „von“ im Namen behielt. Heute ist die Geldstrafe dann doch eher niedrig, umgerechnet etwa 14 Cent soll es betragen. Zu wenig finden die österreichischen Grünen und haben Anfang Mai beantragt, das Strafmaß zu erhöhen, weil das Gesetz sonst seine Wirkung verlieren würde. Dass der Antrag umgesetzt wird, ist utopisch. Zwei Drittel des Parlaments müssten dafür zustimmen.  Aber auch wenn versehentlich ein „von“ und „zu“ im Namen auftaucht, wird ein solches Vergehen von den Behörden kaum geahndet: Wo kein Kläger, da kein Richter. Die Regelung gilt als antiquiert.

14 Cent Strafe für ein "zu" im Namen

Otto von Habsburg durfte sich in Österreich nur Otto Habsburg nennen. Aber am Namen erkannte man sowieso das alte Herrschergeschlecht. Foto: picture alliance | AP Photo
Otto von Habsburg durfte sich in Österreich nur Otto Habsburg nennen. Aber am Namen erkannte man sowieso das alte Herrschergeschlecht. Foto: picture alliance | AP Photo

Titelflut und die Schuld von Sissi

Dennoch lieben die Österreicher ihre Monarchen. Dazu tragen auch die Schlösser, Palais und Denkmäler bei, die überall im Land noch stehen und die vor allem für die Tourismuswirtschaft ein Segen sind. Dass der Donaumonarchie geradezu mit nostalgischer Sehnsucht gedacht wird, daran hat auch die berühmte Kaiserin Sissi Schuld. Besser gesagt, das was der Film mit Karl-Heinz Böhm und Romy Schneider aus ihr gemacht hat. Die Sissi-Trilogie beschwört ein Bild der guten alten Zeit in Österreich, in der die herrschende Klasse gut und gerecht war und sich alle in ihrem Glanz sonnen konnten. Und auch der Hang zu allerlei „Ersatz“-Titeln ist den Österreichern geblieben. Gern drucken sie sich „Kommerzialrat“ oder „Ökonomierat“ auf die Visitenkarte oder lassen sich mit „Magister“ ansprechen, sobald sie einen akademischen Titel errungen haben. Auch in dieser Titelinflation lebt er weiter, der Wunsch nach Höherem. Immerhin ist es inzwischen den Habsburgern auch wieder erlaubt für politische Ämter zu kandidieren. Das hat Ulrich Habsburg-Lothringen im Jahr 2010 erstritten, als er sich für die Wahl des Bundespräsidenten aufstellen ließ. Das Parlament sah den Habsburger-Paragrafen als nicht mehr zeitgemäß an und entfernte ihn. Das Titelgesetz bleibt aber weiterhin in Kraft.

Und immerhin einen Kaiser haben sie ja die Österreicher, wenn auch nur als Klamauk-Figur im ORF. Robert Heinrich I. gibt öffentliche Audienzen und darf sich ungestraft als „Eure Majestät“ anreden lassen. Gespielt wird er vom Kabarettisten Robert Palfrader und das schon seit fast zehn Jahren. Vor ihm knieten sogar schon Gerhart Polt und Helge Schneider. Wie es sich für einen Potentaten gehört, spricht er auch im Pluralis Majestatis von sich. Und bringt sich immer wieder als gute Alternative ins Spiel, wenn in Österreich die Parteien gerade wieder im Hohen Haus streiten.

"Die Sissi-Trilogie hat ein Image der guten alten Zeit geschaffen. Und dieses Image ist für viele bis heute gültig. Die Monarchie hat in Österreich einen symbolischen Wert, wenn auch keinen politischen. "

Karl Vocelka, Historikprofessor an der Universität Wien

Vom Kabarettisten zum Kaiser

Satire-Sendung "Wir sind Kaiser"

Nur er lässt sich seit gut zehn Jahren ungestraft mit „Eure Majestät“ anreden: Robert Heinrich I. gespielt von Kabarettist Robert Palfrader. In Audienzen lässt er sich auch gern mal von Deutschen die Hände küssen. So hatten Gerhard Polt und Helge Schneider schon die Ehre einer Audienz. Für viele Zuschauer immerhin eine satirische Leitfigur, wenn in Österreich die Parteien mal wieder im Dauerclinch liegen.

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Kommentare (6)

von war kein Titel, männlicher Angehöriger eine Familie im Ritterstand hatte den Titel Ritter, Frau, Tochter war unbetittelt

In der guten alten Zeit war es quasi eine Auszeichnung, wenn Angehörige historischer Familie – das sind jene , die im Herren, bzw. Magnatenhaus über einen erblichen Sitz verfügten, von Ihren Majestäten ohne Titel bezeichnet wurden. Es bedeutete man gehöre dazu, quasi zum Kaiser- bzw. Königshaus.
Graf Gudenus (die Nazi Gudenus gehören nicht zur Familie und sind titellos)
Graf Gudenus (jüngere Geschwister Greve, in der Emigration war alles Deutsche verpönt)

Adelstiteln wie das „Von“ ist in Österreich nur Nichtadeligen erlaubt!

Ich führe als Künstlerin das „Von“ meiner ritterlichen Vorfahren in meinem Namen. Habe damit mehr als 25 Jahre in Deutschland auf Bühnen gearbeitet, meine Bücher mit diesem Namen veröffentlicht und auch meine Bilder mit dem Von gezeichnet. Das Verrückte ist, nach dem österreichischen Gesetz ist es zwar Adeligen verboten ein „Von“ zu führen, aber jedem österreichischem Nichtadeligen als Künstler, Autor oder Maler erlaubt das Von als künstlerischen Namensbestandteil öffentlich zu führen, wie etwa Hubert von Goisern oder Buchautor Gerhard von Lentner.

Karl von Habsburg erwartet jetzt eine Strafe, weil er das „Von“ in seiner Homepage führt, wie vor einigen Tagen in den Medien berichtet wurde. Irgend jemand hat ihn angezeigt. Auch adeligen Künstlern ist es nicht erlaubt, das „von“ als künstlerischen Namensbestandteil zu führen. Wer das als Künstler etwa will, muss nachweislich NICHTADELIGER sein. Könnte das ein Fall für die Menschenrechtskonvention sein, nichtadelige Künstler dürfen das „Von“ führen, adeligen Künstlern ist es verboten?

Ich habe meine Erfahrungen zu diesem Thema von der Leber weg in einem Theaterstück dramatisiert. Da trifft die Satire – tatsächlich aus dem Leben gegriffen – Politiker und Gesetzesgeber in Österreich . Ich würde es gerne einem Fernsehsender anbieten. Aber ich glaube nicht, dass man sich in Österreich dieses Stück aufzuführen getraut. Ob der ARD daran Interesse hätte? Es liegt fertig geschrieben in meiner Schreibtischlade bzw. wartet auf meinem Laptop. Vielleicht kann mir jemand einen Tipp geben, wem ich es schicken könnte?
Sonja v. E.

Helmut Lehner am

Wenn Sie ein österreichischer Staatsbürger sind, dann sollten sich ohne das monarchistische „von“ ausweisen wollen, damit es gesetzlich gilt.

Genau genommen gab es kein „Erzherzogtum Österreich“ sondern die Herzogtümer „ob der Enns und „nid der Enns“, abgesehen vom Reichslehen-Begriff. Insoweit könnte man sagen, dass der Titel Erzherzog kein Herrschertitel i.e. Sinne war. Zumdem wurde er mit einer gefälschten Urkunde begründet.

Da die Habsburger die „staatliche Insolvenz“ ihrer Monarchie selbst verschuldeten, gingen deren Erben dieser und der damit verbundenen Titel verlustigt. Wenn also eine Republik dieser Titel, damit diese Erben gesellschaftlich über das Volk erhoben bleiben sollen, nicht bedarf, dann ist die Person Karl Habsburg eben nur einer ihrer Bürger.

Die Republiken gewähren den Bürgern, soweit es irrsinnig sein mag, die Meinungsfreiheit, auch die der monarchistischen Gesinnung, mit untergegangenen Titeln gehuldigt zu werden.
So ist eben in der österreichischen Gepflogenheit, dass der Titel Frau Hofrat, Frau Doktor usw. geehelicht für den Umgang aber nicht amtlich erworben werden kann.

Schröder am

ich bin ein geborener von Schöder, darf ich diesen titel nicht in meinen Ausweis stehen haben?
Wohne seit Jahren in Deutschland und möchte mir einen Ausweis machen lassen. In meiner Geburtsurkunde steht Wolfgang von Schröder

Das Führen eines Adelstitels ist in Österreich strafbewehrt – nicht jedoch die Anrede. Wie ich jemanden anspreche, ist meine Sache. Ich darf einen Adligen mit seinem angestammten und ererbten Titel anreden, nur verlangen darf er’s nicht, das wäre strafbar. Erzherzog Karl von Österreich darf ich mit „Kaiserliche Hoheit“ titulieren, aber er selbst hat sich nur mit „Karl Habsburg“ vorzustellen. Das ist irrsinnig, aber so sind nun mal Republiken.

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