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Einer der berühmtesten Gemeindebauten in Wien: Der Karl-Marx-Hof. Foto: picture alliance | dpa

Wohnen in Wien
Immer noch bezahlbar – dank Gemeindebau

Jeder, der die österreichische Hauptstadt Wien besucht hat, kennt sie, diese roten Buchstaben auf Gebäudefassaden. Meistens steht da „errichtet im Jahr“ und „Gemeindebau der Stadt Wien“. Diese roten Schriften haben für die Stadt eine besondere Bedeutung. Denn in keiner anderen Stadt Europas wird sozialer Wohnungsbau in so großem Stil betrieben wie in Wien. Bis heute entsteht in der Stadt, das, was die Wiener stolz Gemeindebau nennen. Klingt für Nicht-Österreicher erstmal nach formlosen Funktionsbauten in sozialen Brennpunkten. Eine völlig unzutreffende Bezeichnung für die meisten Wiener Gemeindebauten. Sind sie doch in den Zwanziger Jahren als „Paläste für die Arbeiterschaft“ mit riesigen Innenhöfen und – für damalige Verhältnisse – in einem sehr repräsentativen Baustil angelegt worden.

„Es ist mir vorgekommen wie in einem Palais, wie ich zu meinem Mann in den Gemeindebau gezogen bin. Da war alles drin: Parkett, Fliesen, hell wars, freundlich wars.“

Karoline Seemann, 90-Jährige aus Simmering über ihren Umzug in einen Gemeindebau

Durchschnittlicher Mietpreis im Gemeindebau: 6,30 Euro

Der Widholz-Hof in Simmering steht auf einem dreieckigen Gelände mit einem Pelikanbrunnen in der Mitte. Foto: BR | Eva Limmer
Der Widholz-Hof in Simmering steht auf einem dreieckigen Gelände mit einem Pelikanbrunnen in der Mitte. Foto: BR | Eva Limmer

Wie hier im elften Bezirk Simmering, im Südosten der Stadt. Elke Wikidal vom Wien Museum gibt hier eine Führung durch die Gemeindebauten in der Umgebung des Herderparks. Erster Stopp ist der Laurenz-Widholz-Hof. Nicht zu übersehen: Die rote Inschrift, die lautet: „Widholz-Hof. Erbaut von der Gemeinde Wien in den Jahren 1925 bis 1926 aus den Mitteln der Wohnbausteuer“. Der Hof ist einladend, steht auf einem dreieckigen Areal, in der Mitte ein Brunnen, auf dem drei Bronzepelikane hocken. Elke Wikidal erklärt, dass damals bis 1927 im Bezirk knapp 1.200 neue Wohnungen geschaffen wurden – ausschließlich für Arbeiter.

Der Widholz-Hof ist ein typisches Beispiel für die Baupolitik des sogenannten „Roten Wien“. Die Sozialdemokraten haben die Mehrheit im Rathaus nach dem Krieg und verfolgen einen Plan: Wohnung für alle, bezahlbar, einigermaßen komfortabel. Denn die Stadt platzt damals aus allen Nähten. Fast zwei Millionen Menschen leben hier,  fast 300.000 mehr als heute. Und sie leben unter katastrophalen Zuständen: Gang auf dem Klo, dutzende Menschen in einer Wohnung,  die zur Arbeitszeit auch noch an sogenannte Schlafgänger vermietet wird. Das Projekt Gemeindebau hatte einen radikalen Finanzierungsplan: Die Wohnbausteuer verlangte von Hausbesitzern und bei Luxuswohnungen enorme Steuern. Privat wurde dann fast gar nicht mehr gebaut, die Initiative ging nunmehr allein von der Stadt aus. Dafür waren die Mieten für die Arbeiter bezahlbar: In den Zwanzigern zahlte man lediglich vier Prozent seines Lohns für die Miete in einer Gemeindebauwohnung. Heute sind die Mieten auch in Wien teurer. Aber im Vergleich zu ändern Städten immer noch günstig: Nur knapp ein Viertel seines Einkommens muss ein Wiener für die Miete in einem Gemeindebau zahlen.  In München geht über ein Drittel für die Miete drauf.  Laut der städtischen Wohnbaugesellschaft „Wiener Wohnen“  liegt die durchschnittliche Miete in einer Gemeindewohnung bei 6,30 Euro pro Quadratmeter, Betriebskosten inklusive. Und wer einmal drin ist, kann für immer bleiben, denn das Mietrecht kann an Verwandte weitergegeben oder vererbt werden.

Kindergarten, Spielzplatz, Räume für Vereine - alles inklusive

War früher Standard in jedem Gemeindebau: Eine Einrichtung für die Kinder. Foto: BR | Eva Limmer
War früher Standard in jedem Gemeindebau: Eine Einrichtung für die Kinder. Foto: BR | Eva Limmer

Elke Wikidal führt um die Ecke in den nächsten Hof. Schon von weitem leuchtet einem ein grünes Schild mit der Aufschrift „Kindergarten“ entgegen. Auch das ist bis heute typisch für die Gemeindebauten. Kindergärten, Spielplätze, Räume für Vereine: Das alles gibt es bis heute in den fast 2.000 Gemeindebauten mit 220.000 Wohnungen, die immer noch im Besitz der Stadt sind. Wien hat nie dem Druck nachgegeben, die kommunalen Wohnungen zu privatisieren. So entstanden damals autarke Wohnviertel mit Waschhäusern, Einkaufsmöglichkeiten, sogar Bibliotheken und eben auch Freizeitmöglichkeiten wie Spielplätzen in den Innenhöfen. Heute wohnt jeder dritte bis vierte Wiener in einem geförderten Gemeindebau. Aber die Wartelisten sind lange. So kann es Monate oder gar Jahre dauern, bis eine Gemeindebauwohnung frei wird. Zum Beispiel im neuesten Bauprojekt südlich des Hauptbahnhofs: Auf einem ehemaligen Coca-Cola-Gelände sollen bis 2019 über 600 geförderte Wohnungen entstehen.

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