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Nach den Klassenbesuchen muss Milenko

Pilgern durch Miniaturen
Der Serbe Milenko Ilic baut orthodoxe Klöster nach

Milenko Ilic war erst vierzig Jahre alt, als er seinen Job verlor. Kurz vor der Schließung der nahegelegenen Mine „Rembas“, in der er bis 2005 arbeitete, entschied sich der  Bergbautechnologe, seine bescheidene Abfindung in ein „kleines Geschäft“ zu investieren. Denn „klein“ sollte es wirklich sein: Er baute Klöster im Kleinformat und träumte davon, sie eines Tages in seinem eigenen Miniaturen-Park ausstellen zu können.

Milenko hatte sich von Kindheit an für die mittelalterliche Geschichte Serbiens und vor allem für Klöster aus dieser Zeit interessiert. Mehrere Dutzend orthodoxe Klöster in der ganzen Region des ehemaligen Jugoslawiens hatte er schon während seiner Jugend besucht, über die idyllische Lage der Klosteranlagen und die Schönheit der Fresken gestaunt, die Baukunst der alten Meister bewundert. Er beschloss, sie nachzubauen.

Als Junge hatte er ab und zu in der Tischlerwerkstatt seines Vaters gewerkelt und zu seiner eigenen Verwunderung festgestellt, dass er nicht ganz talentfrei war. Sein erstes Werk: Eine ungewöhnliche, aber praktische Hundehütte, die damals für Aufsehen unter den Nachbarn sorgte. Sein Hund freute sich und auch unter den Vierbeinern aus der Nachbarschaft war sie beliebt. Etwas später fertigte er eine – mehr oder weniger – geglückte Schlafzimmerkommode an. 2003 baute er sein erstes Miniaturkloster, einen Nachbau des Klosters „Ravanica“ aus dem 14. Jahrhundert. Das Original stand nur wenige Kilometer entfernt von seinem Familienhaus in Zentralserbien. Nach dem Tod des Fürsten Lazar in der Schlacht auf dem Amselfeld 1389 wurde dessen Leichnam hier beigesetzt.

Ende 2003,  „als ich so um die 40 war und Männer ja bekanntlich dann so langsam aus der Pubertät rauskommen, habe ich mich entschieden, meinen langweiligen und schlecht bezahlten Job aufzugeben und mich, jetzt als Erwachsener, mit Frau und zwei Schulkindern verantwortungsvoll ins Ungewisse zu stürzen“, sagt Milenko augenzwinkernd.

Im Frühjahr 2004 sah er dann die Bilder von brennenden Klöstern und Kirchen im Kosovo im Fernsehen. Er bezeichnet die Ausschreitungen als „März-Pogrom“. Diese Bilder bestärkten ihn in seiner Entscheidung, Klöster nachzubauen: „Die Zerstörung zahlreicher serbischer Heiligtümer durch wütende Kosovo-Albaner hat mich sehr traurig gestimmt“, sagt er. „Dieses Ereignis hat meinem Vorhaben einen zusätzlichen Sinn gegeben.“  Bis zu diesem Zeitpunkt dachte er, dass sein Miniaturen-Park den Besuchern die Möglichkeit geben wird, an einem Ort die bedeutendsten orthodoxen Klöster gleichzeitig zu „besuchen“ – das wäre sonst nicht möglich gewesen, weil sie verstreut liegen – in ganz Ex-Jugoslawien. Nach den März-Unruhen 2004 sei ein weiterer Grund hinzu gekommen: „Viele Serben werden sich aus Angst vor albanischen Übergriffen nicht ins Kosovo trauen“, glaubte Milenko, „ also muss ich Nachbildungen der wichtigsten Klöster des Kosovo in meinem Miniaturen-Park aufstellen.“

Zur Eröffnung seines Kloster-Parks im Sommer 2009 konnte Milenko den Pilgern nur 14 Miniatur-Klöster zeigen.  Heute, acht Jahre danach, sind es schon 28. Ein halbes Jahr braucht er ungefähr pro Kloster,  um es originalgetreu –  im Maßstab 1:17, detailverliebt  und aus wetterfesten Materialien – nachzubauen.

Etwa 20 000 Menschen besuchen jedes Jahr seinen Miniaturen-Park. Ein Erfolg für Milenko, denn seine kleine Heimatstadt  Despotovac in Zentralserbien ist ziemlich abgelegen und hat sonst an touristischen Reizen nur wenig zu bieten.Für den Eintritt müssen die Besucher umgerechnet einen bis 1,50 Euro zahlen, abhängig davon ob es sich um Gruppen- oder Einzelbesuche handelt.

„Reich werde ich nicht“, sagt Milenko, „ich verdiene aber besser, als als Bergbautechnologe und bin ein durchaus zufriedener Mensch“. Neben einer liebevollen Familie habe er auch das Glück gehabt, eine engagierte Mitarbeiterin zu finden: Svetlana, die sich mit gleicher Leidenschaft für serbische mittelalterliche Geschichte interessiert und sich mit ihm zusammen um diese Anlage kümmert. „Sie ist eine durchsetzungsfähige Frau“, sagt Milenko und beide lächeln zufrieden.

Kein Wunder. Svetlana Konopceljeva, heute Stojanovic, diente bis vor einigen Jahren in ihrer russischen Heimatstadt Kaluga als Polizistin im Rang eines Majors. Jetzt hat diese starke Frau ihr Glück neben ihrem serbischen Ehemann in Despotovac gefunden. „Als ich zum ersten Mal diese Kloster-Anlage im Miniaturformat sah“, erzählt sie, „wusste ich ganz genau,  dass ich eines Tages hier als Besucherführerin arbeiten werde“.

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