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Für die Wiener Festwochen errichtet Daniel Lie eine raumverknüpfende Skulptur, Death Center for the Living, in der die Grenzen zwischen Installation und Performance verwischen. Foto: Wiener Festwochen | Vanessa Bohn

Wiener Festwochen 2017
Mehr Pop, mehr Performance, mehr Politik

Eine verwitterte Fabrikhalle südlich des Wiener Hauptbahnhofs. Obwohl mitten in der Stadt hat man hier doch das Gefühl nicht wirklich im hippen Teil Wiens zu sein. Und doch befindet sich genau hier das neue Herzstück der Wiener Festwochen: Das Performeum in der Laxenburger Straße 2A. Eine Spielstätte, vor allem für Performance-Kunst. So etwas gab es noch nie bei dem fünfwöchigen Kulturfestival. Die Idee kommt vom Intendanten selbst. Tomas Zierhofer-Kin hat dieses Jahr die Leitung übernommen über die 66. Wiener Festwochen. Und gleich einiges umgekrempelt. Für ihn steht an erster Stelle: Mehr Menschen sollen kommen. Und dafür hat er sich einiges einfallen lassen, wie eben dieses Performeum. Ein Ort, an dem viele Darbietungen kostenlos sind. Und der den Hauptbahnhof-Bezirk beleben soll, einen Stadtteil, der kulturmäßig sonst kaum Beachtung findet.

Gerade herrscht in dem früheren Bierlager noch Aufbau-Stress. Arbeiter verlegen Kabel oder schieben Paletten durch die Gegend. In einer Seitenhalle matscht ein junger Mann gerade Lehm auf eine kniehohe Vase vor ihm. Daniel Lie steckt mitten in den Vorbereitungen für seinen Performance-Raum. Er will ein „Death Center for the Living“ kreieren. Tod und Leben sind die beherrschenden Themen seiner Arbeit. Und die sollen die Besucher hautnah erfahren. Wer seinen Raum besucht, muss Schuhe, Handy und alles, was an Zeit erinnert, am Eingang abgeben. Drinnen soll der Boden dann voller Dreck sein, es soll keimende Pflanzen geben und Früchte, die vor sich hin rotten. Eine ganzheitliche Erfahrung für Körper und Geist will er den Besuchern mitgeben.

"Wir fangen an, die Leute nicht ins Museum oder ins Theater zu holen, sondern wir gehen da hin, wo die Menschen leben. Um einfach auch Menschen die Möglichkeit zu geben, an den Festwochen zu partizipieren, die sonst eher wenig für Theater, Darstellende Kunst oder Performance zu begeistern wären."

Tomas Zierhofer-Kin, Intendant Wiener Festwochen
Seit diesem Jahr neuer Intendant: Tomas Zierhofer-Kin haben die Festwochen so einige Neuerungen zu verdanken. Foto: dpa | picture alliance
Seit diesem Jahr neuer Intendant: Tomas Zierhofer-Kin haben die Festwochen so einige Neuerungen zu verdanken. Foto: dpa | picture alliance

Wellness und Politik im Hamam

Wie sehr der neue Intendant auch Genregrenzen überwinden will, zeigt die Installation „Hamamness“ im Performeum. Was aussieht wie in aufblasbares Plastik-Iglu, ist ein funktionierendes Dampfbad. Die Besucher können sich hier ganz professionell verwöhnen lassen. Aber auch der politische Diskurs soll im Hamam angeregt werden. Verschiedene Diskussionsreihen setzen sich mit dem Thema Islamophobie oder dem Gegensatz von Mann und Frau auseinander. Kuratorin Nadine Jessen sagt, dass damit Körper und Geist angeregt werden sollen.

Ab 18. Mai geht es los im Performeum mit der Ausstellung „The Conundrum Of Imagination“. Auch hier ist Performance Trumpf. Es soll ein Tempel des Augenblicks geschaffen werden, den die Besucher erleben. Vor allem Künstler aus Afrika gestalten dafür Beiträge und wollen aus ihrer Perspektive einen Blick auf die europäische Kolonialisierung werfen. Eine der Hallen im Performeum wird zum „House of Realness“ umfunktioniert, entworfen vom New Yorker Ben Pryor. Täglich wird es hier mehrere Stunden Programm geben. Ein totales „Wunderland“ soll es sein, bei dem körperliches Vergnügen im Vordergrund steht.

 

"Nebenbei hat das Hamamness auch noch diesen positiven Effekt, dass man nicht nur schlauer wird, sondern auch schöner."

Nadine Jessen, Kuratorin Wiener Festwochen
Bei
Bei "Hamamness" im Performeum geht es um Körperkult und Politik. Bei einem türkischen Dampfbad soll über Islamophobie diskutiert werden. Foto: picture alliance/APA/Herbert Neubauer

Internationale Prominenz auf der Bühne

Zwar ist das Performeum das Herzstück der neu gestalteten Wiener Festwochen. Aber auch klassischere Spielstätten warten mit Programm auf.  Wer sich einer farbenprächtigen und überinszenierten Pop-Oper hingeben möchte, der sollte sich die Produktion „Ishvara“ des Künstlers Tianzhuo Chen in der Halle E des Museumsquartiers ansehen. Das „enfant terrible“ der chinesischen Kunstszene zeigt in seinem Werk, dass man gleichzeitig Buddha und South Park verehren kann.

Auch Hollywood-Schönling Jude Law steht bei den Wiener Festwochen auf der Bühne. In der Produktion „Obsession“ des Belgiers Ivo van Hove spielt er einen sexy Herumtreiber, der sich und seine Geliebte ins Verderben stürzt. Für diese Aufführung gibt es leider keine Karten mehr – schon vor Start ausverkauft.

Die Bandbreite bei den Wiener Festwochen ist groß: Insgesamt werden in den nächsten fünf Wochen 44 Produktionen gezeigt, davon fünf Uraufführungen. Wie international das Festival ist, zeigt auch die Herkunft der Künstler: 28 Nationen sind vertreten.

 

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Die 66. Wiener Festwochen zeigen 44 Produktionen aus 28 Ländern vom 12. Mai bis zum 18. Juni 2017. Foto: dpa | picture alliance
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