Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag, 12. Mai 2017, anlässlich seiner Stellungnahme zu den Vorgängen in der ÖVP. Foto: picture-alliance | dpa

Junger Konservativer greift nach der Macht
Kurz will Neuwahlen – Kanzler Kern will weiter regieren

Eigentlich hatten die Österreicher die Nase voll vom Wählen: Fast ein Jahr lang Dauerwahlkampf um den Präsidenten-Sessel in der Hofburg. Dann war Alexander van der Bellen gewählt. Und das Geraune von Neuwahlen verebbte etwas. Doch nicht für lange. Denn 2018 übernimmt Österreich den EU-Vorsitz und es stehen vier Landtagswahlen an – da wäre ein Urnengang im Herbst 2018 nicht gut, dachten die Taktiker.

Doch dann warf ÖVP-Chef und Vizekanzler Mitterlehner das Handtuch. Entnervt von den Sticheleien – vom Spagat, gleichzeitig zu regieren und in der Opposition sein zu wollen. Entnervt davon, den Platz nur warm zu halten für den Shooting-Star der Konservativen, Außenminister Sebastian Kurz. Der lässt sich feiern als amtierender OSZE-Vorsitzender und als Türsteher am Balkan, der es schaffte, die Westbalkan-Route zu schließen.

Heute nun der Paukenschlag: Kurz will Neuwahlen. Und er will die Macht in der Partei – und zwar die ganze. Er will Inhalte und Personen bestimmen, im Klartext Bünde und Landesfürsten entmachten. Nur dann will er Parteichef werden. Das Kalkül der Kurzianer: Sie hoffen auf den „Kurz“-Effekt, der die Konservativen von Platz Drei in der Wählergunst nach oben katapultieren soll. Die FPÖ, dauerhaft auf Platz Eins in den Umfragen, setzt ebenfalls auf Neuwahlen. Nur Kanzler Kern ist stinksauer. Er will mit wechselnden Mehrheiten weiter machen, fordert eine Entschuldigung von Kurz und ÖVP. Und kündigt ein Ende der Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und Konservativen an – für eine lange Zeit.

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Sebastian Kurz greift nach der Macht. Foto: picture-alliance | dpa
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