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Außer der offiziellen gab es 2017 zwei zusätzliche Gedenkfeiern für die Opfer von Jasenovac. Grund war der Streit um eine Gedenktafel. Foto: picture alliance | abaca

Wie der faschistische Ustascha-Gruß die kroatische Gesellschaft spaltet
Immer noch „Für die Heimat bereit“?

Im April 1945 wagten hunderte Menschen einen verzweifelten Fluchtversuch aus dem KZ Jasenovac. Der ehemalige Lagerkomplex liegt knapp einhundert Kilometer südöstlich von Zagreb und existierte während des berüchtigten Ustascha-Regimes. Der faschistische, sogenannte „unabhängige Staat Kroatien“ von Hitlers Gnaden, unter der Führung von Ante Pavelic, von 1941 bis April 1945.

In Jasenovac wurden vor allem Serben, aber auch Juden, Roma und kroatische Regimegegner gequält und ermordet und das Gedenken an die Opfer verteilte sich in diesem Jahr auf drei Tage. Die meisten der beteiligten Gruppen und  Verbände boykottierten die offizielle Gedenkfeier der Regierung. Darunter der „Bund der Antifaschisten“, der „Serbische Volksrat“, sowie die jüdischen Gemeinden Kroatiens und die linke Opposition.

Spaltpilz ist eine Gedenktafel mit der Aufschrift „Za dom – spremni“, „für die Heimat bereit“. Eine Art Schlachtruf der faschistischen Ustaschi. Die Tafel steht unweit der KZ Gedenkstätte Jasenovac und erinnert an gefallene kroatische rechte Paramilitärs aus dem Kroatienkrieg der 90er Jahre, die später in die kroatische Armee eingegliedert wurden. Franjo Habulin vom Bund der Antifaschisten will das nicht so stehen lassen:

"Wenn wir nicht immer wieder wiederholen wer die Ustaschi waren und was in Jasenovac und den anderen KZs der Ustascha geschehen ist, dann wird die Lüge, die uns die Geschichtsrevisionisten aufdrängen wollen, über der Wahrheit stehen."

Franjo Habulin, Präsident des „Bundes der Antifaschisten“

"Jeder, der aufgrund sogenannter Rassengesetze vertrieben wurde, wurde erniedrigt und beraubt und dann in das Vernichtungslager geschickt. Man gab ihm ein Begleitschreiben, unter dem der Ustascha Gruß stand „für die Heimat bereit“. Wir haben die Regierenden aufgerufen, die Tafel mit der Aufschrift zu entfernen, aber das ist nicht geschehen.“

Die Tafelaufschrift stört auch Ognjen Kraus, Präsident der jüdischen Gemeinden in Kroatien.

Zumal Ustascha Symbole in Kroatien verboten sind.

Die Kritik ist vor allem auf Andrej Plenkovic gemünzt, den kroatischen Regierungschef und Vorsitzenden der konservativen Regierungspartei HDZ. Dieser hätte sich außerdem mit den Nachkommen der Opfer zusammensetzen sollen, heißt es etwa bei den oppositionellen Sozialdemokraten.

Premier Plenkovic hat den erbitterten Streit um die Tafel bei Jasenovac geerbt. Und zwar von seinem Vorgänger als Chef der regierenden HDZ, und Ex-Vizepremier Tomislav Karamarko. Karamarko habe stramm rechts gedacht und den rechten Flügel der HDZ Partei bedient. Plenkovic denke anders und versuche nun, den Konflikt zu moderieren, meint Alojz Ivanisevic, Kroatienexperte am Institut für osteuropäische Geschichte an der Universität Wien. „Plenkovic ist ein Konservativer, aber sicher kein Hardliner. Weder im Stil, noch im Denken. Allerdings gibt es nach wie vor natürlich in dieser Partei (HDZ) diesen stramm rechten Flügel und er versucht zwischen diesem und seinem eigenen Flügel zu balancieren.“

„Wir sind hier in Jasenovac, um noch einmal Respekt für alle Opfer dieses KZs zu bekunden, und verurteilen die Verbrechen die während des Ustascha Regimes verübt wurden, nicht nur hier sondern auch an anderen Orten und wir wollen noch einmal hervorheben, dass das moderne, demokratische Kroatien dafür steht, dass sich solche Verbrechen nie und nirgendwo wiederholen dürfen."

Andrej Plenkovic, kroatischer Premier, auf der offiziellen Gedenkfeier.

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Spaltpilz ist diese schwarze Gedenktafel mit dem Ustascha-Gruß „Za dom - spremni“, „für die Heimat bereit“ auf einem Gebäude nahe der Gedenkstätte Jasenovac. Foto: picture alliance | AP Photo
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Was Erinnerungskultur angehe, sei Kroatien ein gespaltenes Land, so Ivanisevic. Und zwar zwischen eher links orientierten Erben der Partisanenbewegung und Kommunisten und Erben der faschistischen Ustascha, deren Regime auch von der katholischen Kirche in Kroatien relativiert werde. Dazu kommt die kroatische Rolle beim Zerfall Jugoslawiens, auf den sich die umstrittene Tafel ja eigentlich bezieht.

Premier Plenkovic hat eine Kommission eingesetzt. Sie soll faschistische und kommunistische Symbole klären und Vorschläge zu Versöhnung machen. Doch die umstrittene Ustascha Grußtafel ist weiter da und die Kritik daran kommt auch von den kroatischen Serben. Vertreter der größten Opfergruppe in Jasenovac. Serben wurden vom Ustascha Regime systematisch verfolgt, vertrieben und ermordet. Nenad Vlahovic vertritt einen kleineren serbischen Verband in Kroatien. Er hätte ein gemeinsames Gedenken bevorzugt. Susanna Krcmar äußerte sich für einen kroatischen Verband der Roma, die das Ustascha Regime ebenfalls verfolgte:

"Das darf man nicht politisieren, denke ich, man muss sich einfach vor den Opfern verneigen, und die Politik fern halten."

Susanna Krcmar, vertritt einen kroatischen Verband der Roma. Sie nahm an der offiziellen Gedenkfeier teil.

"Wir haben es nicht geschafft, die Voraussetzungen für eine gemeinsame Gedenkfeier zu schaffen. Aber wir wollen weiter reden, denn dazu sind wir gemeinsam verpflichtet."

Milorad Pupovac, Präsident des „Serbischen Volksrates“ und einer von drei Vertretern der serbischen Minderheit im kroatischen Parlament. Er ging nicht zur Gedenkfeier der Regierung, sondern zu einer anderen.

Doch das bleibt wohl ein frommer Wunsch Denn mit dem Ustascha KZ Jasenovac wurde von jeher Politik gemacht, bestätigt der Historiker Alojz Ivanisevic. Beispiel: Die Opferzahlen. Schon in Titos Jugoslawien wurden diese nach oben in die hunderttausende geschraubt. Was bis heute auf serbischer Seite teilweise gerne beibehalten wird, zum Beispiel von Hardlinern in der Republika Srpska, dem serbischen Teil Bosniens. Verteidiger der kroatischen rechten Ustascha hingegen, rechnen die Zahlen lieber nach unten, um zu verharmlosen. Was also tun? Alojz Ivanisevic meint dazu: „Ich muss ehrlich sagen, dass ich relativ ratlos bin.“ „Weil sich diese unterschiedlichen Gruppen auch gegenseitig bekämpfen und in alle Richtungen eine Selbstkritik notwendig wäre.“

Seriöse Quellen aus mehreren Ländern sprechen übrigens von 80.000 bis 100.000 Menschen, die in Jasenovac umgebracht wurden. Darunter die Gedenkstätte Jasenovac selbst oder das Holocaustmuseum in Washington.

"Man sollte die Fachleute und Historiker unabhängig forschen lassen und es darf keine Tabus geben. Auf der anderen Seite muss man ein Bewusstsein entwickeln, dass jeder Totalitarismus etwas Schlimmes ist. Man kann den Ustascha-Faschismus nicht gleichsetzen mit dem Kommunismus und auch den historischen Kontext nicht, in dem sie entstanden sind. Aber ich würde sagen, dass Kroatien gleich zweimal verloren hat. Das erste Mal 1941, als der Wunsch nach eigenem Staat in eine verbrecherische Politik mündete. Und das zweite Mal 1945, als der antifaschistische Kampf des Großteils der kroatischen Bürger in der kommunistischen jugoslawischen Diktatur endete."

Nino Raspudic, politischer Analyst
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