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Im August 2015 wurde die Eurowings Europe GmbH in Wien gegründet. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com

Schlechte Arbeitsbedingungen bei Lufthansatochter Eurowings Europe?
Billig fliegen hat (s)einen Preis

Was in der Industrie Standard ist, macht auch die Lufthansa: Weil die Bedingungen für die Produktion im Ausland besser und billiger sind, wandert der Konzern ab. Zumindest in Teilen. Das Billiglohnland ist in diesem Fall nicht weit weg, sondern der Nachbar: Österreich. Eurowings Europe heißt die Billigfluglinie der Lufthansa in Österreich, ihr Sitz ist in Wien.
Dass die Lufthansa ausgerechnet Österreich als Standort für Eurowings Europe gewählt hat, wundert Mario Rehulka nicht: „Weil im Endeffekt dieser Standort viel, viel günstiger ist.“ Johannes Schwarcz von der österreichischen Fluggewerkschaft Vida wird da etwas präziser:

„In Österreich gibt es ein relativ einfaches Zulassungsverfahren für neue Fluglinien. Es kommt quasi nur darauf an, ob die finanzielle Entwicklung in den nächsten Jahren gesichert ist. Und das dürfte ja bei Eurowings Europe kein Problem sein, weil die Lufthansa dahinter steht.“

Johannes Schwarcz, Sprecher Vida

Ideale Voraussetzungen also, um mit der Billigfluglinie Eurowings Europe zu starten. Und: als Unternehmen in Österreich unterliegt Eurowings Europe auch nicht dem deutschen Tarifrecht. Ein Grund, warum österreichische und deutsche Gewerkschaften seit dem Start von Tarifflucht sprechen. Auch einen österreichischen Tarifvertrag gibt es bei Eurowings Europe nicht, sagt Johannes Schwarcz, stattdessen Einzelverträge mit den Mitarbeitern. Konkret: Kabinencrew und Piloten haben zum Beispiel ein Fixgehalt, das relativ niedrig ist – je mehr sie fliegen, desto mehr können sie es aufstocken. Das macht sie allerdings abhängig von ihrem Arbeitgeber. Wer nicht in Dienste eingeteilt wird, verdient weniger. Wer krank wird und nicht arbeiten kann, verdient weniger.

 

Organisatorisch gehört Eurowings Europe in Wien unter das Dach der fast namensgleichen Eurowings, die Billigflug-Marke der Lufthansa mit Sitz in Köln. Die Gehälter bei Eurowings Europe sind dabei am niedrigsten, sagt Vida Sprecher Johannes Schwarcz. Trotzdem haben sich bei den Stellenausschreibungen für Eurowings Europe weit mehr Leute beworben, als es Stellen gab. Eurowings Europe sieht das als Zeichen, dass ihr Gehaltsangebot so schlecht nicht sein kann. Auf Anfrage des ARD Studios Wien schreibt die Fluggesellschaft:

„Die Vergütung für das Cockpit- und Kabinenpersonal bei Eurowings Europe ist marktorientiert und vergleichbar mit der unserer Wettbewerber. Die hohe Nachfrage nach Arbeitsplätzen im Cockpit und der Kabine und die Zahl der Bewerbungen verdeutlichen dies.“

Matthias Burkard, Pressesprecher Eurowings

Die Fluggewerkschaft Vida sieht den Grund hinter den hohen Bewerberzahlen eher in der Lage Wiens. Die Stadt sei das Tor zum Osten und selbst ein niedriges Gehalt hier immer noch höher als ein Gehalt beispielsweise in Slowenien. Seit über einem Jahr versucht Vida einen Tarifvertrag mit dem Unternehmen auszuhandeln. Bisher vergeblich. Gewerkschaftssprecher Johannes Schwarcz beschreibt die Gespräche als ständiges auf und ab. Konstruktive Gespräche, die dann aber wieder einschlafen. Dadurch, dass es keinen Tarifvertrag gibt, könnte Eurowings Europe auch eine Gefahr für die restlichen Löhne in der Lufthansafamilie werden, befürchtet er. Als konzerninterne Billig-Konkurrenz sozusagen. Nach dem Motto: Wenn ihr nicht zu den Konditionen fliegen wollt, geben wir die Flugroute eben nach Wien.

Die Gewerkschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen deshalb enger zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass Mitarbeiter aus den einzelnen Konzernteilen gegeneinander ausgespielt werden. Wie kompliziert allerdings Tarifverhandlungen werden, wenn mehrere Länder beteiligt sind, zeigt der aktuelle Tarifkonflikt bei Eurowings in Deutschland: Wie weit das Ergebnis des zwischen der deutschen Fluggewerkschaft Ufo und Eurowings vereinbarten Schlichtungsprozesses auch Eurowings Europe in Wien betreffen wird ist bisher noch nicht klar. Laut Eurowings soll es ausschließlich um ungelöste Tarifprobleme in Deutschland gehen. Ufo will stattdessen einen einheitlichen Tarif-Standard, der auch für ausländische Gesellschaften gilt, die für Eurowings fliegen. Also auch für Eurowings Europe in Wien.

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Johannes Schwarcz, Sprecher der österreichischen Fluggewerkschaft Vida. Foto: Thomas Reimer | ÖGB
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