Die Weinfelder von Rahovec mit dem Sharr-Gebirge im Hintergrund. Foto: BR | Besnik Hamiti

Der Kosovo und seine Weine
Nicht nur 'Amselfelder'

Die Weinkultur im Kosovo geht bis in die Antike zurück. Zeichen für eine erste Verarbeitung von Trauben und Traubenweinen kann man aus den eingravierten Abbildungen auf den Stelae-Grabsteinen ablesen. Ein solcher Grabstein eines illyrischen Kriegers wurde in der Nähe von Rahaovec gefunden und stammt aus dem Jahre 28 v. Chr.

Das ist längst vergangene Geschichte. Weitaus lebendiger ist in Deutschland die Erinnerung an den ‚Amselfelder‘, den süffigen Rotwein, der in den 70er Jahren in Deutschland in keinem Haushalt fehlen durfte – es sei denn man war wirklich ein Weinkenner und -liebhaber. Die Weinverarbeitung im Kosovo hatte ihren Höhepunkt in den 80er Jahren mit mehr als 9.000 Hektar Weinbergen und einem Export im Jahre 1989 von 40 Millionen Litern: alles nur für den deutschen Markt.

Der „Amselfelder“, eine Mischung der Traubensorten Pinot Noir und Gamay, wurde in den Weinkellereien von Rahovec hergestellt. Fast alle kosovarischen Weinexporte beschränkten sich auf diese eine Sorte, den „Amselfelder“, der damit ein für den deutschen Markt bestimmtes Produkt war. Er wurde ein riesiger Erfolg im Bereich der Billigweine. Leider brach auf der Höhe dieser Erfolgsgeschichte der Krieg in Ex-Jugoslawien aus, der Export wurde gestoppt. Die meisten Weinberge wurden in den 90ern verlassen und waren bis Kriegsende fast vollständig zerstört.

Es schien schier unmöglich, den deutschen Markt zurückzugewinnen, da der „Amselfelder“ ein ganzes Jahrzehnt lang nicht verfügbar gewesen war und durch ähnliche Weine aus Spanien ersetzt worden war.

 

 

Weinanbau und -produktion in Kosovo

Kamera: Sahit Kokolli

Schnitt: Besnik Hamiti

Der Amselfelder geriet dann doch in Vergessenheit, ebenso wie die Geschehnisse zu Zeiten der osmanischen Herrschaft. Im Mittelalter stellte man den Wein für die orthodoxen Kloster in Hilandar und  Deçani her, bis das Land von den Ottomanen besetzt wurde und die Weinproduktion verboten wurde. In 500 Jahren osmanischer Herrschaft im Kosovo konvertierte der größte Teil der Bevölkerung vom Christentum zum Islam. Heute sind mehr als 90 % der Einwohner Sunniten, weniger als 10 % sind serbisch-orthodox oder katholisch.

Aber selbst zu Zeiten strengster osmanischer Herrschaft machten die Menschen weiterhin Wein, wenn auch heimlich. Und man nahm nach dem Fall der türkischen Herrschaft diese Tradition wieder auf.

Den Mittelpunkt der industriellen Weinherstellung bildete Rahovec. Das Unternehmen war einst mit einer Kapazität von 50 Millionen Litern Wein pro Jahr der zweitgrößte Weinkeller der Welt, den ersten Platz hat ein kalifornisches Unternehmen inne.

Auch heute ist Rahovec immer noch das Zentrum der kosovarischen Weinpruduktion – und gleichzeitig das Zentrum des muslimischen Sufi-Ordens Halveti. Ihr geistiger Führer, Scheich Muhedin, ein bekannter albanischer Patriot, wurde 1998 im Krieg von den serbischen Streitkräften getötet.

Die Albaner verstehen sich als Teil Europas und im Hinblick auf die Tatsache, dass erst im späten 17. Jahrhundert vom Christentum zum Islam konvertierten, hat sich bei der Bevölkerung tiefe Gläubigkeit nie wirklich ausbreiten können. Obwohl die Kosovaren in der Mehrzahl Muslime sind, praktiziert nur ein Zehntel der Bevölkerung diese Religion. Der Konsum von Alkohol ist im Islam verboten, trotzdem wird er überall im Kosovo in großen Mengen getrunken. Präsident Rugova sagte einmal, die Kosovaren seien liberale Muslime, sogar eher symbolische, die zweifellos der westlichen Kultur und Tradition angehörten.

Labinot Shulina ist der Mitbegründer des Sefa-Weinkellerei. Er studierte Landwirtschaft und ist heute für die Qualitätskontrolle verantwortlich. Foto: BR | Besnik Hamiti
Labinot Shulina ist der Mitbegründer des Sefa-Weinkellerei. Er studierte Landwirtschaft und ist heute für die Qualitätskontrolle verantwortlich. Foto: BR | Besnik Hamiti

Wir haben Wein und Schnaps immer mit klassischen Methoden hergestellt. Nun haben wir uns entschieden, das Klassische wie auch das Moderne in der Weinproduktion zu inkorporieren. Wir sind mit modernsten Geräten ausgerüstet, behalten aber klassische Produktionsmethoden bei, was bedeutet, dass wir Wein von Hand auf alte Weise herstellen und nicht alles automatisieren möchten. Menschen haben alles erfunden; deshalb kann auch nur die menschliche Hand die beste Arbeit leisten.

Labinot Shulina, Mitbesitzer und Qualitätsprüfer bei „Sefawine“

Familie Shulina ist so eine muslimische Familie aus Rakovec. Sie verfügen über 5 Hektar Weinberge außerhalb der Stadt. In ihrer Familie wird seit Generationen Wein hergestellt. So haben die Brüder Labinot und Blerim Shulina ein neues modernes Weinlokal in ihrer Heimatstadt eröffnet und es nach ihrem Großvater benannt: Sefawine. Jeder Arbeitsschritt der Weinherstellung, vom Rebenschnitt, über die Ernte, das Gären bis zum Befüllen der Flaschen, wird von der Familie selbst ausgeführt. Seit ihrer Einführung haben ihre Boutique-Weine auf dem kosovarischen Markt einen sehr guten Ruf erlangt. Nun haben sich die Brüder entschlossen, auch für den Export zu produzieren, zunächst für das benachbarte Albanien und dann für andere europäische Länder. Im Moment ist ihre Produktionskapazität allerdings auf 6500 Liter pro Jahr begrenzt. Außerdem will die Familie im Augenblick noch eher an der Qualität der Weine als am Produktionsvolumen arbeiten. Ihre Reputation wird immer besser und die Marken „Kulla“ (das Schloß), ihr Cabernet Sauvignon und ein Chardonnay sind in vielen angesagten Restaurants des Landes anzutreffen.

 

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Kommentare (3)

Bashkim K. am

Danke für den Tipp.

Wir möchten den Weinen aus Süd-Ost-Europa eine Plattform geben, daher haben wir den PAR Wine Award International ins Leben gerufen. Ein Weinwettbewerb für Weine aus den Ländern von Polen bis Israel. http://www.par-wineaward.com

Danke für den interessanten Beitrag den wir gerne verlinken.

Frank Dietze am

Das serbisch-orthodoxe Kloster Hilandar liegt auf den Athos-Bergen in Griechenland.

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