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2019 soll das berühmte Wiener Sigmund Freud Museum saniert und modernisiert werden. Foto: picture-alliance | dpa

Das Wiener Sigmund Freud Museum wird saniert und umgestaltet
„Die Couch bleibt in London“

Von Sigmund Freud gibt es nur eine schwer verständliche alte BBC Aufnahme. Mit seiner Psychoanalyse sei er zunächst auf große Widerstände gestoßen, erzählt er darin. Für angeregte Kontroversen und Vorbehalte sorgt der Arzt Sigmund Freud bis heute. Doch er ist anerkannt als einer der wichtigsten Denker des zwanzigsten Jahrhunderts anerkannt und darüber hinaus längst eine lukrative Marke geworden. In dem kleinen Museumsshop in der Berggasse 19 im neunten Wiener Bezirk gibt es Bücher, T-Shirts, Becher und sogar einen rosa Frisbee mit seinem bärtigen Konterfei. Das Freud Museum gehört nach Meinung des Wiener Kulturstadtrats Andreas Mailath Pokorny weltweit zu den bekanntesten Adressen in Wien. In der Tat wird das große Gründerzeitgebäude mit dem breiten Treppenhaus jedes Jahr von mehr als einhunderttausend Besuchern angesteuert. Die meisten kommen aus Deutschland, gefolgt von Amerikanern und Österreichern. Bevor sie sich durch Freuds frühere Wohnung und die Praxisräume schieben können, müssen sie oft eine Stunde lang warten. Manche würden sogar abgewiesen, meint Peter Nömaier, kaufmännischer Leiter des Sigmund Freud Museums. Nach dem geplanten Umbau gibt mit 400 Quadratmetern weit mehr Fläche , etwa für die museumseigene Konzeptkunstsammlung und eine völlig neue Präsentation. So werde über die Themen, die Freud bearbeitet hat intensiver aufgeklärt, etwa die Biografie erläutert, so Nömeier. „So dass die Leute dann, wenn sie die Biografie kennen ins Museum gehen. Und dann auch sehen, wie hat er gelebt. Was waren die Themen. “

Sigmund Freud an seinem Schreibtisch in London ein Jahr vor seinem Tod 1939. Er verbrachte ein Jahr im Exil in Großbritannien. Foto: picture-alliance | dpa
Sigmund Freud an seinem Schreibtisch in London ein Jahr vor seinem Tod 1939. Er verbrachte ein Jahr im Exil in Großbritannien. Foto: picture-alliance | dpa

Es wird einen Raum geben der sich mit den Schriften von Sigmund Freud beschäftigt. Es geht uns auch sehr viel darum, eine Verknüpfung zu schaffen zwischen dem Wissen dass hier vermittelt wird und gleichzeitig einem Erlebnis. Natürlich wird das Sigmund Freud Museum immer ein kopflastiges Museum bleiben, klar. Aber man soll den Leuten schon auch zeigen, das ist der Ort an dem die Couch gestanden ist.

Peter Nömeier, kaufmännischer Leiter des Sigmund Freund Museums über die geplante neue Präsentation
Die wohl berühmteste Couch der Welt - Freuds Behandlungscouch. Er hat sie nach London mitgenommen, wo sie heute im dortigen Freud Museum zu besichtigen ist. Foto: picture-alliance | dpa

London zu fragen, „gebt uns die Couch“, das ist eine ganz schwierige Geschichte. Denn es könnte so aussehen, als wollte man die Geschichte die man hat verneinen und als würde man sie umschreiben wollen. Einem Besucher die originale Couch auch im Behandlungsraum von Freud zu präsentieren. Auch wenn sie dort fast ein halbes Jahrhundert lang gestanden hat, würde bedeuten so zu tun, als ob es die Vertreibung der Familie und den Holocaust nie gegeben hätte.

Monika Pessler, Direktorin des Sigmund Freud Museums

Auch das Hochparterre in der Berggasse 19 wo Sigmund Freud praktizierte wird künftig einbezogen, so Nömeier, sowie weitere private Räume. Etwa die frühere Küche der Freuds oder das Schlafzimmer von Sigmund Freud und dessen Frau Martha. Das sei wichtig für die Vermittlung, so Nömeier, „denn die meisten Dinge in der Psychoanalyse behandelt werden, haben in irgendeiner Weise mit dem Schlafzimmer zu tun.“  Wir kommen jetzt ins Allerheiligste, scherzt  denn auch Monika Pessler, die Direktorin des Sigmund Freud Museums. Und sie geht schon mal vor. Durch die hohen atmosphärischen Zimmer mit den  hellen gemusterten Holzböden durch die frühere Küche, die Bibliothek weiter ins ehemalige Schlafzimmer von Sigmund Freud und dessen Frau Martha. Sigmund Freud sei so vielschichtig, dass ein kleines Hausmuseum keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben könne, meint sie. Da gäbe es dann zwei Möglichkeiten. Einmal können man die Exponate wechseln und auch die permanent Schau als einen Prozess auffassen, der immer wieder neuen Überarbeitungen unterworfen sei.  Zudem bestehe eine enge Zusammenarbeit mit dem Freud Museum in London, wo die jüdische Familie Freud 1938 ein neues Zuhause fand,  nachdem sie von den Nationalsozialisten vertrieben wurde. Von London aus könne man Leihgaben nach Wien holen, meint Monika Pessler.  Etwa die berühmte Couch die dort steht? „Die Couch sicher nicht“, so die Direktorin. Zum einen verleihe London die Couch nicht. Und zum anderen, würde Wien diese gar nicht erfragen. „London zu fragen, „Gebt uns die Couch“, das ist eine ganz schwierige Geschichte. Denn es könnte so aussehen, als wollte man die Geschichte die man hat verneinen und als würde man sie umschreiben wollen. Einem Besucher die originale Couch auch im Behandlungsraum von Freud zu präsentieren. Auch wenn sie dort fast ein halbes Jahrhundert lang gestanden hat, würde bedeuten so zu tun, als ob es die Vertreibung der Familie und den Holocaust nie gegeben hätte.“ Wo die Couch vor Freuds Zwangsexil gestanden habe könne zum Beispiel eine Projektion die Leerstelle füllen so die Direktorin.  Voraussichtlich ab 2019 wird das private Museum für ein Jahr geschlossen und teilweise an anderen Orten zugänglich gemacht. Von den anvisierten vier Millionen Euro Kosten sind die Baukosten der größte Batzen. Dreiviertel der Summe übernehmen die Stadt Wien und der Bund. Bis 2020 dann soll das Museum dann auf internationalem Standard sein. Barrierefrei, mit richtigen Garderoben, einem Museumscafe, mehr Räumen, neu gestalteter Ausstellung und einem größeren Museumshop. Ob es darin weiter einen rosa Frisbee mit schwarzem Freudkonterfei geben wird ist nicht bekannt. Denn dieser Frisbee, der verkauft sich schlecht.

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Einst drängten sich im Wartezimmer die Patienten - heute die Museumsbesucher. Das Wiener Freud Museum soll nach dem Umbau nicht nur besucherfreundlicher werden, sondern das Werk und das Leben des Begründers der Psychoanalyse umfassender darstellen.
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Wir haben jetzt zum Beispiel auch die Möglichkeit, das Schlafzimmer zu öffnen. Das ist natürlich ganz wichtig bei der Vermittlung, denn die meisten Dinge in der Psychoanalyse behandelt werden, haben in irgendeiner Weise mit dem Schlafzimmer zu tun.

Peter Nömeier, kaufmännischer Leiter des Sigmund Freund Museums über die geplante neue Präsentation
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