Stephan Ozsváth mit 'Onkel Jovo' (li.). Foto: BR | Eldina Jasarevic

Der serbische Verteidiger von Sarajevo
Zu Besuch bei „Onkel Jovo“

In Serbien gilt er als Kriegsverbrecher. In Sarajevo als Held. Jovan Divjak hat seine geliebte Stadt verteidigt, als der Krieg begann. Er war der einzige Serbe im Generalstab der Verteidiger. „Mir schlug Misstrauen entgegen“, erzählt der 80-jährige Ex-General, denn auf den umliegenden Hügeln beschossen Serben die Stadt, fast vier Jahre lang. Fast 11.000 Tote forderte die Belagerung, es starben auch 1.500 Kinder.

Die Bewohner der bosnischen Hauptstadt nennen ihn liebevoll „Onkel Jovo“. Noch während des Krieges hat er eine Stiftung gegründet, die armen Kriegswaisen eine Schulbildung ermöglicht. Mehr als 5.000 Stipendien konnte er vergeben, mehr als 50.000 Kindern hat er helfen können. „Ich war damals naiv“, erzählt er. „Ich dachte, es wird ein kurzer Krieg und die Versöhnung dauert fünf Jahre“.

Heute muss er feststellen, dass das Land dreigeteilt ist. Das zeige sich am schlimmsten in den Schulen. Im serbischen Landesteil lernten die Kinder, dass der Krieg „ein Bürgerkrieg gewesen ist und die Nato Belgrad bombardierte“ und in der bosniakisch-kroatischen Föderation werde nur vom „Völkermord“ gesprochen, aber nicht von den Verbrechen der eigenen Leute. „Wir stehen heute bei Minus Null“, sagt er, „wirtschaftlich und politisch“. Ein Beitritt Bosniens zu EU und Nato würde helfen, die Nationalisten im Land zu neutralisieren, glaubt er.

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Liste der Stipendiaten von Jovan Divjaks Stiftung. Foto: BR | Stephan Ozsváth
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